Die vierfache Mutter schaut zu ihrem Mann und lächelt: «Stefan, jetzt schnappst du dir eine Helferin und lässt dich beraten.». Und der Familienvater stellt klar: «Wir haben den Besuch der Börse genau geplant. Die Kinder wissen, wie sie sich verhalten müssen. Sie dürfen den anderen Besuchern nicht im Weg stehen.»

Der Rat ist Gold wert, denn allmählich füllt sich das Clublokal des Familienvereins Solothurn, in dem an diesem Samstagmorgen die Fasnachtsgruppe «Risnagu» das Zepter führt. Die angesprochenen Mädchen wissen, dass sie kein neues Fasnachts-kleid erhalten. Nur Mama, Papa und der zehn Monate alte Levin, der bald schon in einem Tigerkätzchenkostüm steckt, gehören in diesem Jahr zu den Auserwählten. Bald wird auch klar: die Farbe Grün hat Vorrang, und Vater Stefan spöttelt: «Meine Frau ist bereits ein Monster, nun ist sie auch noch grün.»

16. Fasnachtskleiderbörse

Zum 16. Mal führen die «Risnagu»-Frauen ihre Fasnachtskleiderbörse durch. Wiederum mit Erfolg, obwohl sich der Kleidereingang und der Publikumsaufmarsch in Grenzen hält. Ob es daran liegt, dass das Stadttheater seinen Fundus geleert hat?

«Es könnte sein», sagt Yvonne Lüthy, eine der umtriebigen Börsefrauen und begnadete Näherin, die von ihrer Handarbeitslehrerin stets zu hören bekam: «Aus dir wird nichts.» Yvonne Lüthy weiss, dass das Nähen von Fasnachtskleidern auch seine Tücken hat: « Es hat viel auch mit Loslassen zu tun.» Denn: Wer jedes Jahr ein neues Kostüm schneidere, wisse, dass man sich vom alten auch wieder trennen müsse.

«Aufgepasst, unter dem Kostüm muss noch etwas Warmes Platz haben», warnt eine der Beraterinnen einen Käufer, der etwas zu unbedacht zum Kaufabschluss drängt. «Männer neigen dazu, sich in kleine Grössen zu zwängen und die Folgen nicht zu bedenken, während Frauen die Kleider genauer unter die Lupe nehmen,» lächelt sie. Auch dass Männer eitler sind als Frauen, hat sich im fasnächtlichen Kreis mit der Zeit herumgesprochen. Trotzdem: Details wie diese führen dazu, dass die Börse lebt und die Frauen jedes Jahr wieder die aufwändigen Vorarbeiten in Kauf nehmen und mit Herzblut und Spass dabei sind.