Solothurn
«Wandertheater» verwandelt das Kapuzinerkloster für Don Camillo in eine Bühne

Bei seiner Auslagerung steckt das Theater und Orchester Biel Solothurn einen neuen, spirituellen Spielort ab. Im Sommer gibts ein Open-Air-Spektakel: Das Stück «Don Camillo und Peppone» soll im Kapuzinerkloster gespielt werden.

Andreas Kaufmann
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Früher wurden in der Klosterkirche Gottesdienste abgehalten, im August wird der nicht mehr geweihte Raum für zweieinhalb Wochen zum Theaterspielort. Archiv

Früher wurden in der Klosterkirche Gottesdienste abgehalten, im August wird der nicht mehr geweihte Raum für zweieinhalb Wochen zum Theaterspielort. Archiv

Oliver Menge

Wegen der Sanierung seiner historischen Spielstätte ist das Stadttheater bekanntlicherweise zum «Wandertheater» geworden. Neben der Reithalle, dem Zeughausplatz und weiteren Schauplätzen kommt zwischen 10. und 29. August nun ein weiterer Zwischenhalt für den mobilen Bühnenbetrieb hinzu.

Das Theater und Orchester Biel Solothurn (TOBS) bespielt in dieser Zeit auch das Kapuzinerkloster. Der Grund dafür: Just in dieser Zeit findet der Umzug von rund 20 000 Exponaten der Alten Zeughauses statt. Ausserdem dürfte die Fassade, die für die Freilichttheater bisher eine stimmige Kulisse lieferte, dannzumal eingerüstet sein.

Open-Air-Spektakel an neuem Ort

«Deshalb haben wir eine Ausweichspielstätte gesucht, und zwar eine, wo man trotzdem draussen ist», sagt TOBS-Intendant Dieter Kaegi auf Anfrage: «Wir haben festgestellt, dass die Besucher es angenehm finden, nicht in ein überhitztes Theater zu gehen. Sie schätzen vielmehr das Open-Air-Spektakel – unter hoffentlich wolkenfreiem Sternenhimmel und bei einem Gläschen Wein.»

Deshalb habe er bei Stadtpräsident Kurt Fluri angeklopft, der als mögliche Alternative das Kapuzinerkloster vorschlug. «Der Ort ist sensationell schön, mit einem Kloster als Theaterkulisse», findet Kaegi weiter.

Und: Er passe zudem als spirituelles Ambiente zum Stück, das dort zu sehen sein wird. «Nach der literarischen Vorlage von ‹Don Camillo und Peppone› werden wir eine Dramatisierung der Geschichte schaffen.» Während die erste Hälfte der Vorführung in der nicht mehr geweihten Klosterkirche stattfinden wird, wird das Publikum danach quasi dramaturgisch nach draussen geführt, wo im Norden der Klosteranlage die Bühne und Tribüne geplant sind.

Man darf gespannt sein, wie die aus den Filmen bekannten tiefsinnigen Dialoge Don Camillos mit Jesus am Kreuze (und mit Peppone) im Kapuzinerkloster umgesetzt werden. Ein entsprechendes Kruzifix dürfte als Requisite auf alle Fälle vorhanden sein.

Baupublikation war nötig

Das Vorhaben findet auch in der entsprechenden Baupublikation dieser Woche Erwähnung. Zwar werden keine permanenten baulichen Massnahmen stattfinden, lediglich entsprechende Gerüste und technische Installationen eingerichtet. Dennoch ist auch eine temporäre Nutzung wie diese zur Einsprachemöglichkeit anzukündigen. Dies unter anderem, weil das Kloster, das sich im Besitz des Kantons befindet, in diesem Fall über den üblichen Rahmen hinaus genutzt wird. Das erfordert zum einen eine Ausdehnung bis zum spätesten Zeitpunkt des Vorstellungsendes um 22.30 Uhr. Der Spielort wird auf eine Grösse von rund 300 Zuschauern konzipiert sein. «Es geht vor allem darum, dass die Anwohner sich einverstanden erklären können», erklärt Dieter Kaegi weiter. Aber er rechnet zuversichtlich mit deren Gunst und: «Auch Stadt und Kanton sind von der Idee begeistert.»

Eingerichtet und geprobt wird ab 21. Juli, abgebaut bis 3. September. Für die gesamte Theaterauslagerung bis zum Start im sanierten Theater im Januar 2015 hat das TOBS einen Pauschalkredit von 1,2 Mio. Franken zur Verfügung. Die reinen Baukosten für den Spielort Kapuzinerkloster belaufen sich auf ungefähr 60 000 Franken.

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