Altes Spital
Wandern und fotografieren, bis das Knie schmerzt

Im Gastkünstler-Atelier residiert der Belgier Pierre-Philippe Hofmann, der mit der Kamera auf Wanderschaft geht. Er durchwandert die Schweiz mit seiner Kamera und hält statt grossartiger Panoramen Alltägliches und Banales fest.

Katharina Arni-Howald
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Pierre-Philippe Hofmann: «Ich bin in erster Linie nicht Fotograf, sondern einer, der die Fotografie anderweitig nutzt.»

Pierre-Philippe Hofmann: «Ich bin in erster Linie nicht Fotograf, sondern einer, der die Fotografie anderweitig nutzt.»

Zur Verfügung gestellt

Pierre-Philippe Hofmann hat in den ersten drei Wochen seiner Residenz in Solothurn in 405 Stunden 138 Kilometer zu Fuss zurückgelegt und 171 Kurzvideos gedreht. Der neue Gastkünstler im Alten Spital durchwandert die Schweiz mit seiner Kamera und hält statt grossartiger Panoramen Alltägliches und Banales fest. Das Endprodukt ist ein Videofilm, den er auch hier in der Schweiz zeigen will. «Die Schweiz hat ein riesiges Netz von Wanderwegen und öffentlichen Verkehrsmitteln, die für mein Projekt ideal sind», sagt der Belgier mit familiären Wurzeln in Olten.

Er will das Land in seiner ganzen Vielfältigkeit ablichten und schliesslich die verschiedenen Sequenzen in einem einzigen Videofilm zusammenfügen. Das Projekt, dem er den Titel «Allgemeinplätze Schweiz» gegeben hat, soll 1913 oder 1914 beendet sein. Danach will der 36-Jährige, der an der École de Recherche Graphique und der Académie des Beaux Arts in Brüssel studiert und von 2002 bis 2005 als Videokünstler am Brüsseler Kunstmuseum gearbeitet hat, geeignete Örtlichkeiten suchen, wo er den Film in Form einer Wechselausstellung zeigen kann - wenn möglich auch in Solothurn.

Fotografie mit neuer Bestimmung

Pierre-Philippe Hofmann ist in der Kunstwelt keine unbekannte Nummer. Zahlreiche Ausstellungen in der Heimat brachten ihm Anerkennung ein, und auch der Fernsehkanal Arte strahlte eine Sendung über sein vielfältiges und ideenreiches Schaffen aus. Obwohl die Kamera seine ständige Begleiterin ist, sieht sich Pierre-Philippe Hofmann nicht als Fotograf, sondern als «einer, der die Fotografie zu anderen Zwecken benutzt». Das zeigt sich exemplarisch in seinem derzeitigen Projekt, für das er als geografisches Zentrum die Engialp im Kanton Obwalden gewählt hat. Dort kreuzen sich auf einer von ihm erstellten Karte verschiedene Linien, die sich wie ein Spinnennetz von Nord bis Süd und von West bis Ost über die Schweiz ausbreiten.

«In der Regel wandere ich täglich an die acht Stunden», sagt Pierre-Philippe Hofmann und lächelt. Nur hie und da schmerzt das Knie, aber das legt sich normalerweise innerhalb von wenigen Stunden. Nebst der Kamera gehören auch ein GPS und Kartenmaterial, das ihm das Geoinformationszentrum des Bundes Swisstopo zur Verfügung stellt, zu den ständigen Begleitern. Nicht unwichtig ist am Morgen auch ein Blick auf die Wetterkarte.

Mensch statt Natur im Zentrum

Und dann gehts los. Zurzeit sind es die Voralpen und Alpen, die auf der Suche nach dem Alltäglichen, Unspektakulären im Vordergrund stehen. Nicht die grandiosen Sonnenuntergänge oder das atemberaubende Alpenpanorama will Pierre-Philippe Hofmann in seiner Kamera festhalten, sondern die Menschen, die ihren verschiedenen Tätigkeiten nachgehen, die Landschaften, in denen sie sich bewegen, die Architektur, die das Land prägt. Ein Velofahrer, der vorbeifährt, ein Strassenarbeiter, der mit einer Schaufel Erde aus dem Boden hebt, eine Frau, die ihre Blumen im Garten pflegt. Keine Postkartenwelt. «Beim Wandern habe ich auch Zeit, über mich nachzudenken und Ideen für neue Projekte zu sammeln», sagt der körperlich fitte Künstler, den man sicherlich irgendwann auch auf Objektsuche in der Stadt antreffen wird...

Pierre-Philippe Hofmann residiert bis Ende November im Alten Spital.

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