Stadtbummel Solothurn
Wanderer, kommst Du nach Solothurn, dann stösst Du auf Probleme

Mark A. Herzig
Mark A. Herzig
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Solothurn: für viele die schönste Stadt der Welt.

Solothurn: für viele die schönste Stadt der Welt.

Hanspeter Bärtschi

Wanderer, kommst du in unser nettes Städtchen, kannst Du erzählen, Du habest schon weniger hübsche Orte gesehen. Auch wenn die in weiss ich was für unsäglichen Rankings weiter vorne liegen. Aber wie formulierte Einstein: Alles ist relativ.

Einen See haben wir in der Stadt keinen echten. Wenn aber der Wasserdurchfluss der Aare gering ist und kein Lüftchen weht, dann sieht es schon aus wie ein stiller See, und ladet erst noch zum Bade. Geht aber eine steife Bise, bilden sich Wellen, nicht selten sogar mit Schaumkrone – dann liegt die Stadt am Meer, dazu gibt es neuere Literatur, wie die gleichnamigen Tage zeigten, sie fanden rund um das See- – oder eher Hafen-? – Becken statt. Die Strände, Hafenmolen oder -piers waren schon zeitig fast voll besetzt von – wie es schien – Durchgeistigten. Die einen stammten vom Vorabend, die anderen von den Literaturtagen. Literatur hat aber nur entfernt mit dem Hohlmass etwas zu tun.

Während besagter warmer Tage spielt sich das Leben weitgehend links- und rechtsufrig der Aare ab. Das personifizierte Rauschen hört man schon von relativ weit her. Gewisse Probleme ergeben sich daraus für die Gaststätten der oberen Altstadt – ihnen fehlen die Gäste. Dabei gibt es doch auch und gerade in den Gassen sehenswerte Aus- und Einblicke. Und dazu viel besinnliche Ruhe.

Probleme mit den Öffnungszeiten? Deren Regelung wird erneut ebenso heftig wie kontrovers diskutiert. Dabei liegen die Probleme nicht eigentlich in den Öffnungszeiten als solchen, sondern bei jenen, die sie nutzen und nicht einigermassen gesittet nach Hause gehen. Es gibt tatsächlich noch Bewohnerinnen und Bewohner der Altstadt, die morgens in der Frühe möglichst ausgeruht zur Arbeit antreten müssen.

Probleme mit dem Velo? Also, mit dem Transportmittel als solchem sicher nicht, ist es doch eine der schlauesten Erfindungen der letzten zweihundert Jahre; das kann man derzeit an der höchst interessanten Ausstellung «Bike / Design /City» in Winterthur erfahren. Erfahren im wörtlichen Sinn konnten wir einiges an den zurückliegenden Bike-Days. Nein, am Drahtesel liegt es nicht, wenn sich Probleme auftun, sondern an jenen, die darauf sitzen. Zwei hintereinander angeordnete Räder scheinen den Menschen häufig mental wie sozial zu beeinträchtigen.

Probleme ähnlicher Natur gibt es auch mit den Autos. Allen gemeinsam wäre die Lösung, zu respektieren, dass die persönliche Freiheit soweit reicht, bis die des anderen beginnt. Den «Duft» gegrillten Fleisches wird man damit allerdings auch nicht endgültig in den Griff bekommen.