Solothurn
«Wagabunten» gehen nicht auf Ultimatum ein – Fluri hält an Räumungsabsicht fest

Der Konfrontationskurs der «Wagabunten» setzt sich fort: Auf das Ultimatum der Stadt, den Wagenpark bis 11. April aus Solothurn zu entfernen, reagiert die alternativ lebende Kommune mit Widerstand.

Andreas Kaufmann
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Die Wagabunten haben energetisch aufgerüstet.

Die Wagabunten haben energetisch aufgerüstet.

Wolfgang Wagmann

Es war eine bereits eingespielte Abmachung zwischen den Stadt und den jungen «Nomaden», die in der Weststadt im Halbjahrestakt zwischen Badi-Parkplatz und Oberhofstrasse ihr Wagendörfli einrichteten. Doch dann riss Stadtpräsident Kurt Fluri der Geduldsfaden, weil sich die Kommune nicht an eine Abmachung hielt und ausserdem in der Zahl der Personen und Wagen angewachsen war. Fakt ist: Bis 11. April muss das Wagendörfli aus der Stadt verschwinden.

Nun setzt sich die mittlerweile von fünf auf sieben Personen angewachsene Kommune in einem offenen Brief gegen den Angriff aus dem Stadtpräsidium zur Wehr und erläutert auch, weswegen sie sich der städtischen Abmachung widersetzte: So war ausgehandelt worden, dass sich die «Wagabunten» im Winterhalbjahr auf dem Badi-Parkplatz stationieren und im Sommerhalbjahr anderswo, konkret an der Oberhofstrasse geduldet sind.

Ausnahme: Während der Eigenheimmesse beim CIS-Sportcenter beziehen die jungen Leute vorübergehend ihr Sommerquartier, da die Badi-Parkplätze für Messebesucher verwendet werden.

Wagabunten

Es sei «paradox, unser Eigenheim wegen einer Eigenheimmesse abbauen zu müssen», so die erste kritische Anmerkung des «Wagabunten»-Briefs. Der Aufforderung, nach der Messe bis zum Start der Badesaison in rund sechs Wochen wieder auf den Badi-Parkplatz zurückzukehren, kamen die «Wagabunten» nicht mehr nach: «Für erwerbstätige Leute wie uns ist es nicht möglich, die Wagen und Einrichtungen innerhalb einer Woche zweimal zu zügeln.»

Sie blieben am jetzigen Standort an der Oberhofstrasse und besetzten das Gelände, «um der Stadt zu zeigen, dass wir uns nicht ohne Grund wegschicken lassen.»

Wo der Feldweg der Oberhofstrasse von der Grabackerstrasse abzweigt beginnt das Camp der Wagabunten.
8 Bilder
Vor den Hochhäusern des Sonnenparks ducken sich die Wohn- und anderen Wagen.
Der Frühling bringt ein Ulitmatum der Stadt.
Keine Mauer, aber eine Stoffbahn dient als Sichtschutz.
Das Wagendörfli der Wagabunten an der Oberdorfstrasse
Gas ist neben der Sonne eine eingesetzte Energiequelle.
Das Wagendörfli von Westen her.
Unterschiedliche Wohnformen in der Weststadt.

Wo der Feldweg der Oberhofstrasse von der Grabackerstrasse abzweigt beginnt das Camp der Wagabunten.

Wolfgang Wagmann

Indes wird im Offenen Brief das Auftreten der Stadt als «aggressiv» bezeichnet. «Normalerweise suchte Kurt Fluri das Gespräch, ohne wie dieses Mal gleich mit Repressionen zu drohen.» Auch habe er einen Medienrummel erzeugt, obwohl eine gegenseitige Abmachung bestanden habe, nicht mit den Medien zu kommunizieren.

Auf den Räumungsbefehl geht der Offene Brief indes nicht ein, vielmehr bedingen sich die «Wagabunten» mehr Zeit aus: «Ja, wir haben eine Konfrontation in Kauf genommen, jedoch um etwas zu bewegen, und mit dem Vorschlag auf ein Gespräch und Zeit.» Nichts ändern will die Kommune etwas an ihrer Haltung: Das Wagendorf soll ein öffentlicher Platz für Menschen mit unterschiedlichen Interessen werden, einer auf dem Freiräume ausgeschöpft werden – was auf einem Campingplatz, wie von der Stadt vorgeschlagen, aber nicht möglich wäre.

So stören sich die Wagendorf-Bewohner auch an den eingeschränkten Möglichkeiten der Wohn- und Lebensweisen in der Schweiz: «Außer einer Mietwohnung oder einem Eigenheim ist in diesem Land praktisch keine andere Wohnform willkommen.» Weder der Kauf noch die Miete von Grundstück würde ihr Problem beheben können, da eine Baubewilligung für die Bauwagen wegen vorherrschender gesetzlicher Auflagen nicht möglich, so der Brief weiter. «Wir wollen aber festhalten, wir brauchen keine Fundamente, wir versiegeln keinen Boden, wir bleiben mobil.»

Ferner neben die «Wagabunten» Stellung zum Zuwachs an «Dorfbewohnern»: Dieser zeige, dass es eine Nachfrage für einen alternativen Lebensstil gebe. Neuen Mitbewohnern wolle man den Zutritt zum Wagendorf deshalb nicht verbieten. Man sei bereit, eine Obergrenze zu respektieren, aber eine solche sei mit der Stadt nie ausgehandelt worden.

Kämpferisch endet der Offene Brief: Man sei an einer friedlichen Lösung des Problems interessiert, aber «wir werden auch nicht tatenlos zusehen wie Herr Fluri unser Zuhause diktiert.»

Dieser indes hält an der Räumungsabsicht bis Montag fest. «Da würde aller gute Wille nichts nützen: Nach meiner Ansicht ist heute eine Wagensiedlung in dieser Form nicht bewilligungsfähig», so Kurt Fluri.