Tapetenwechsel für die Sek-E-Klasse 1a aus Zuchwil: Für einmal findet der Unterricht unter dem Blätterdach statt. Anlass dafür liefert die HESO-Sonderschau «Kraftort Wald». Abseits des Messegeländes wurde im Gebiet der Martinsflue für die Dauer der Herbstmesse ein grossräumiges «Klassenzimmer» mit total 27 Arbeits- und Lernposten eingerichtet: stufengerechter Unterricht im Wald – über den Wald.

Und die 1a von Lehrerin Nora Stäuble ist nicht die einzige «Forschergruppe», die man zwischen Baumreihen erspäht. Rund 100 Schulklassen aus der Region meldeten sich zum Schulprogramm an, mit dem die Sonderschau-Initianten – der kantonale Bürgergemeinden- und Waldeigentümer-Verband, der kantonale Forstpersonalverband sowie der Kanton selbst – gerade auch die Waldnutzer von morgen ansprechen wollen.

Beim Waldeingang herrscht derweil ein Gedränge wie sonst wohl selten: An der «Fassstrasse» der Organisatoren decken sich die Schüler aus mehreren Unter- bis Oberstufenklassen mit Proviant für den Waldunterricht ein. Dort steht auch Kreisförsterin Daniela Gurtner für die 1a bereit. Sie zählt zu den zahlreichen Fachleuten, die sich für das Schulprogramm engagieren. An insgesamt drei Posten – für mehr reicht die Zeit nicht – werden die 25 Schüler heute vorbeikommen. «Dabei haben die einzelnen Posten unterschiedliche Aktivitätslevels», erklärt Gurtner.

Junge Beobachter und Forscher

Mit einem aktiven Programmpunkt beginnt für die 1a der Waldunterricht. Um zu erkunden, welchen Kampf die Bäume um Licht, Wasser und Nährstoffe austragen, «vermessen» die Schüler die Umgebung. Welchen Platz braucht ein Baum im Laufe seines Wachstums? Wie weit breitet er die Krone aus? Was bedeutet es für Jungbäume in seiner Nähe? Wo finden sich «Buechenüssli», und was geschieht mit ihnen? «Die Schüler werden zu Beobachtern – und kommen manchmal mit Resultaten zurück, manchmal nicht», sagt Gurtner, die in ihrem Beruf mit einem breiten Aufgabenfächer betraut ist: Dazu zählen ebenso Kommunikation und Waldpädagogik: «Es ist wichtig, dass wir Waldfachleute auch aus dem Wald kommen und das Thema unter die Leute bringen.» Doch springt eine von digitalen Verlockungen geprägte Jugend auf dieses Thema auf? «Der Wald hat bei vielen Jugendlichen zwar keinen grossen Stellenwert mehr.» Sobald sie aber mit dem Wald in Kontakt kommen, zeige sich: «Der ‹Gwunger› ist allemal da.»

Was gerade auch der zweite Posten beweist: Die Jäger Walter Frei und Hansruedi Meister ziehen die Jugendlichen mit ihrer mobilen Fauna-Ausstellung in den Bann und lassen sie Tiere raten, erklären, warum «Bambi» kein Rehkitz, sondern ein Hirschkalb ist und warum der Eichelhäher auch «Waldpolizist» genannt wird. Und nach einem Crashkurs in Sachen Jägerlatein demonstrieren sie ihr Arbeitsinstrumentarium: Feldstecher, Signalhorn («Wir haben zwar ein Handy dabei, benötigen für die Jagd aber das Signalhorn.») – und schliesslich die Jagdgewehre. Bald wird auch klar, dass es neben der Forstarbeit die Jagd braucht, um den Wald in einem Gleichgewicht zu halten.

Zwischen die Posten streut Daniela Gurtner einige Wissenshäppchen, lässt das Alter der Bäume schätzen, erzählt, wie die tonnenschweren Findlingsblöcke hierher gelangten oder erklärt, warum Totholz wie jenes vom Januarsturm «Burglind» als Lebensraum für viele Lebensformen wichtig ist. «Um das Thema zu vermitteln, braucht keine grossen Installationen», sagt sie. «Der Wald selbst liefert an Arbeitsutensilien alles, was man braucht.»

Kritische Schlussnote

Einen eher nachdenklich stimmenden Schlusspunkt setzt der dritte Posten des Schulnachmittags. Ein Thema, das gerade in diesem Ausnahmesommer offen zutage tritt und damit den Förstern umso mehr Kummer bereitet: Der Klimawandel beeinträchtigt durch steigende Temperaturen und zunehmende Trockenheit auch die Gesundheit hiesiger Wälder. Manuela Schmutz des Umweltbüros Kaufmann+Bader warnt angesichts der prognostizierten Temperaturkurve bis 2100 eindringlich: «Wenn ihr mal alt seid, wird es nicht mehr so sein wie heute.»

So ändere sich das Klima schneller als Bäume reagieren können. Dazu ein kurzer Exkurs in den Kohlenstoffkreislauf der Welt, der vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger aus dem Lot gebracht wird. Aber auch, wenn dies ein düsteres Bild der Zukunft zeichnet, soll der Schultag zumindest mit einigen Sonnenstrahlen zu Ende gehen, die durchs Blätterdickicht dringen. Und mit einer Ermutigung für die Generation, die bald die wichtigen Entscheidungen mitträgt: «Wenn jeder von Euch einen kleinen Schritt in die Richtung geht, dann kommen wir vorwärts», ermutigte Schmutz.

Nach diesem Tag stehen auf einer Wandtafel im Freien von den Jugendlichen festgehaltene Bekundungen: «weniger mit dem Flugzeug fliegen» – «mehr Velo fahren» – «weniger Plastik brauchen» Es sind Bekundungen, die hoffen lassen.