Höhepunkt der prächtigen Vorstädterchilbi war der schwungvolle, mit feinem Humor gewürzte Toast aufs Vaterland von Regierungsrat Roland Heim. Eindringlich erinnerte er an die Bedeutung von Toleranz, Ausgleich und Vermittlung, echtem Wengigeist eben, der es bis in die Kantonsverfassung gebracht hat. Besonders freute er sich, ihn in der Vorstadt und bei den St. Margrithenbrüdern zu erleben. So etwa beim Festgottesdienst, wo sich Brüder und Schwestern versammeln, egal ob sie nun katholisch, reformiert, christkatholisch seien oder modernerweise (wenigstens steuertechnisch) als konfessionslos gälten.

«Vaterland ist auch Heimat», fuhr Heim weiter, Und näher auf den Begriff Heim eingehend: «Er ist auch Wortstamm von Heimweh.» Da wäre es spannend, über Wehen zu berichten, die ausgestanden werden müssen, bis ein politisches Geschäft durch ist. Das zieht unweigerlich Heimarbeit nach sich. Heimweh sei im 17. Jahrhundert vom Basler Arzt Hofer als «Schweizer Krankheit» beschrieben worden. Sie habe bei Schweizer Söldnern bis zur Fahnenflucht geführt, und so sei ihnen das Singen heimatlicher Lieder untersagt worden. Im Zusammenhang mit der Fussballnationalmannschaft habe er aber nichts solches vernommen, meinte Heim mit einem leichten Seitenhieb.

Lebendige Tradition

Die Vorstädterchilbi, ausgerichtet von der Bruderschaft Sanctae Margarithae, ist von lebendiger Tradition durchdrungen. Besinnlichkeit und Fröhlichkeit wechseln sich ab. Das läuft seit Urzeiten wie folgt ab: Ein sehr lauter Moment macht den Auftakt – um sieben Uhr früh werden auf dem Rossmarktplatz aus der Bruderschaftskanone elf Böller abgegeben. Es folgt ein beschwingter Moment mit dem Morgenständchen der Blaskapelle Konkordia, die zudem die Anwesenden beim Gesang des Solothurner Liedes unterstützte. Erhebend auch dieses Jahr der vom Domchor St. Urs mitgestaltete Festgottesdienst in der Alten Spitalkirche zum Heiligen Geist. Pfarrer Wolfgang Kunicki aus Bremgarten hielt eine zu Herzen gehende Festpredigt. Ehrenprediger Anton Cadotsch zelebrierte mit Co-Zelebrant Martin Gächter die heilige Messe.

Während Vorstand, Ehrenbrüder und Offizielle den Ehrwürdigen Schwestern und kranken Brüdern und Schwestern im Bürgerspital einen Besuch abstatteten, tummelten sich festlich Herausgeputzte in den Vorstadttavernen. Zu ihnen gesellten sich nach der Pfannenprobe der Krebsensuppe auch wieder Vorstand und Gäste – für den Weibel Peter Neuenschwander keine einfache Aufgabe, die Leute beieinander und den Ablaufplan im Griff zu behalten.

Das Chilbimahl

Pünktlich eröffnete Obmann Franz Gamper im Alten Spital das Bruderschaftsmahl, das diesmal von 171 Brüdern und Gästen besucht war. Das Tischgebet eröffnete das Essen, welches nach alter Sitte unterbrochen wurde: Nach der Totenehrung folgte der Hauptgang, sodann verlas Cancellarius Patrick Schwaller sein Protokoll zur letztjährigen Chilbi, ihm folgte Roland Heim mit dem Toast aufs Vaterland. Nach ihm verlas Schwaller den Bericht von Robert Glutz über die Dornacherschlacht.

1361 Franken für den Vortanz

Dem Dessert folgte die Versteigerung des Vortanzes, die nach amerikanischer Manier vorgenommen wird. Bieter Daniel Ritschard brauchte Geduld und Überblick, damit alles in geordnetem Rahmen ablief. Der Vortanz ging für 1361 Franken an Dominik und Andrea Tschumi. Das Vortänzerpaar führt jeweils das Chilbizüglein, seit 50 Jahren von der Kapelle Gebrüder Reber begleitet, durch die Vorstadt bis auf die Mitte von Kreuzacker- und Wengibrücke und zurück in den Oberen Winkel zur Bräntelärete. Am Abend eröffnet es den Chilbitanz.