Der sonntägliche Fasnachtsumzug ist noch zwei Tage entfernt, als bereits die erste Euphorie-Welle über die halb fertige Tribüne auf dem Dornacherplatz rollt. Es ist Freitag, 11 Uhr morgens, die Fasnächtler der Guggenmusig Ambassadonner sitzen in ihren Kostümen auf den wenigen bereits montierten Stühlen, sehen von ihren erhöhten Plätzen hinab auf die Strasse – jubeln, klatschen und johlen, sobald jemand auf dem Trottoir vorüber geht.

Eine Stimmung, die sich die Vorstadtzunft für den Sonntag und Dienstag erhofft, dann wenn sich historisches zuträgt. Erstmals in der Geschichte der Solothurner Fasnacht ziehen die Umzugsteilnehmer in ihren bunten Kostümen und auf ihren kreativen Wagen an einer Tribüne vorbei. Auf der «Looge» der Vorstadtzunft sitzen dann im Idealfall 524 Zuschauer und jubeln den Fasnächtlern zu.

Zwei, drei Gläschen Weisswein

«Wir wollten wieder einmal etwas Verrücktes machen», sagt Reto Huber, Wagenbauchef der Vorstadtzunft und der Initiant der Umzugstribüne. Mit zwei, drei Gläschen Weisswein hätte er Kurt Füeg am «Chästag» überzeugt, ihn bei der Organisation zu unterstützen. Ihr Ziel ist es, die Vorstadt noch besser in die Fasnacht zu integrieren und dabei ein weiteres Highlight auf der Umzugsroute zu setzen.

Auf dem Dornacherplatz in Solothurn gibt es 2017 zum ersten Mal eine Tribüne für den Fasnachtsumzug

Die Bühne wird aufgebaut. Reto Huber erklärt die Idee dahinter.

Die beiden Vorstadtzünftler richten sich mit ihrem Projekt vor allem an die älteren Umzugsbesucher, für die es besonders anstrengend ist, über zwei Stunden am Strassenrand zu stehen.

Ideal ist die Tribüne auch für Rollstuhlfahrer. Für sie ist die Fläche in der Front der Tribüne reserviert und sie haben somit freie Sicht auf den Umzug. Für die Rollstuhlfahrer ist der Eintritt frei, die restlichen Besucher zahlen für den Eintritt 12 Franken. Zudem erhalten nur jene Zutritt, die eine Fasnachts-Plakette tragen. Nebst einer guten Sicht ist mit der Festwirtschaft auch für das leibliche Wohl gesorgt.

Das neue Angebot kommt an, wie das Zwischenergebnis der beiden Vorverkaufsstellen im Mode Küng und der Dropa Drogerie Tschumi zeigt. Bisher sind für den Umzug vom Sonntag bereits 400 der 524 Plätzen vergeben, für jenen am Dienstag 150. Dennoch sollte es noch möglich sein, sich am Sonntag kurzfristig für die Tribüne zu entscheiden. Vorausgesetzt man kommt nicht allzu knapp. «Wir rechnen, dass es an der Tageskasse noch rund 50 Tickets gibt», sagt Eventmanager Harri Kunz, der das Projekt der Vorstadtzunft unterstützt.

Falls das Tribünenprojekt einen Gewinn abwirft, fliesst alles in die Kassen der Vorstadtzunft. Doch dies sei dieses Jahr noch nicht das Ziel, sagt Huber. Denn die Investionen sind nicht ohne: 9000 Franken kostete alleine das Mieten und Auf- und Abstellen der Tribüne. «Darum war es für uns gar nicht möglich, den Eintritt kostenlos zu machen», sagt Huber. Die Organisatoren rechnen damit, dass sie rund 700 Tickets verkaufen müssen, um schwarze Zahlen zu schreiben.

Die Mitglieder der Solothurner Gugge Ambassadonner sitzen Probe

Die Mitglieder der Solothurner Gugge Ambassadonner sitzen Probe

Wird es die Tribüne im nächsten Jahr wieder geben? «Wir haben für drei Jahre geplant», antwortet Huber, Kunz wirft ein: «Zuerst warten wir einmal ab, wie es läuft.» Er grinst und ergänzt: «Allenfalls kann man die Tribüne noch erhöhen.»

«Aui gaffe»

Falls dann an den Umzügen noch einige Plätze frei bleiben, sei dies auch keine Katastrophe, so Huber. Er scherzt: «Dann hat es noch Sitze für uns.» Denn die Vorstadtzunft zieht wie jedes Jahr mit der Nummer 2 durch die Stadt. Ihr diesjähriges Motto: «Für’s Vorstadt-Camp mache mir üs zu Affe, es luegt zwar niemer, doch aui gaffe!»

Die Vorstadt ist für die Vorstadt-Zunft logischerweise das Highlight des Umzugs, doch in diesem Jahr besonders. Es muss ein tolles Gefühl sein, vor der eigenen Tribüne, vor der eigenen Fan-Kurve vorbei zu gehen. Dass es dabei besonders hoch zu und her geht, dazu hat die Vorstadtzunft vorgesorgt. Sie haben Klatscher produziert, die sie den Zuschauer auf der Tribüne verteilen.