Solothurn
Vorsicht: Diese grossen Meisterwerke sind alle echt - «echt falsch»

Yvonne Bettiger macht mit ihrem International Imaginary Museum im Palais Besenval Halt. Dabei präsentiert sie Fälschungen grosser Werke. So wird Kunst, die sonst hinter verschlossenen Türen gelagert wird, der breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Sven Altermatt
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Auch ein Klimt wäre zu haben
13 Bilder
Auch William Turners Parlament brennt im Palais Besenval von Neuem
Das wohl berühmteste Mohnfeld der Welt
Der Kunstsupermarkt der Fälschungen
Die Mona Lisa und Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring
Fälschungen grosser Meisterwerke im Palais Besenval
Landschaften und Seerosen
Madame Monet begibt sich in den Garten - aber nicht von ihrem Mann gemalt
Quasi in Serie entstehen die Fälschungen
Reihenweise falsche Meisterwerke zieren das Palais Besenval
Auch ein Klimt wäre zu haben
Vincent van Goghs Caféterrasse bei Nacht
Yvonne Bettinger ist auch auf Fälschungen stolz

Auch ein Klimt wäre zu haben

Hanspeter Bärtschi

Wurde Solothurn zum Schauplatz eines spektakulären Kunstraubes? Schreibt unsere Stadt etwa gerade Weltgeschichte? Das Who's who der Malerei strahlt im Weissenstein-Saal des Palais Besenval um die Wette.

Grossmaler treffen auf verkannte Genies, Expressionisten auf Romantiker. Da Vincis «Mona Lisa» und van Goghs «Fünfzehn Sonnenblumen» hängen zusammen in einem Raum! Oder dort, ein paar Schritte weiter: Ist das nicht Monets «Charing Cross Bridge», das vor kurzem in Rotterdam entwendet wurde?

Yvonne Bettinger, eine Frau mit feinen Gesichtszügen und Nasenpiercing, nimmt die Besucher strahlend in Empfang. Die 43-Jährige trägt einen schwarzen Hosenanzug und Ballerinas, über ihre linke Schulter hat sie bohèmehaft ein farbiges Tuch geschwungen. Rein zufällig natürlich. «Was Sie hier sehen, ist alles echt», kokettiert sie, «echt falsch.»

Fälschungen - pardon: «echte Fälschungen!» - sind Bettingers Geschäft. Seit zwei Jahren besitzt die Baslerin das International Imaginary Museum, das 1987 vom Piloten und selbst ernannten Weltenbummler Bruno Schmed gegründet wurde. Bettinger tourt mit ihrem Museum durch ganz Europa. So kann es sein, dass ihre Sammlung auch mal im «Möbel Märki» in Hunzenschwil zu sehen ist.

Märchenhaft mutet die Entstehungsgeschichte des Museums an. Yvonne Bettinger erzählt sie gerne. 1986 habe Bruno Schmeds Kumpel für 280 000 Dollar ein Kleinod von Miró erworben, das sich bald als Fälschung herausstellte. Die Initialzündung zu einer, so Bettinger, «weltweit einmaligen Idee».

Wenn schon Fälschen, dann wenigstens ehrlich, dachte sich Schmed. Yvonne Bettinger sieht dahinter gar einen idealistischen Sinn: «Viele der wichtigsten Kunstwerke liegen hinter verschlossenen Türen. Wir machen diese für die breite Öffentlichkeit zugänglich.» Soll mal einer behaupten, das Kunstfälschen nicht auch Kunstförderung ist.

Zurück zu Bruno Schmed. Dieser begann bald selbst, Kopien in Auftrag zu geben. Der Fälschermarkt floriert, weltweit wird mehr Umsatz mit falscher Kunst als mit illegalen Waffengeschäften erzielt. Jedes Bild im Imaginary Museum ist auf der Rückseite mit einem «Legal Fake»-Stempel gekennzeichnet. Unlauterem Handeln wird damit die Basis genommen - und den Fälschern das schlechte Gewissen, etwas Verbotenes getan zu haben.

Wer aber sind diese Fälscher? Nicht selten Restauratoren, die mit der Materie bestens vertraut sind. Denn auch wenn sie von der Substanz anderer zehren können: «Das Imitieren ist ein schwieriges Handwerk», findet Bettinger. Bis zu einem Jahr würden ihre Fälscher an «ihren» Werken arbeiten.

Die Besucher des Imaginary Museum entwickeln schnell ein eigenes Gespür für die Imitate. Wer den Fälschungen auf die Spur kommen will, muss diese früher oder später an ihren Vorbildern messen. Die Jagd nach dem perfekten Van-Gogh-Kleckser oder der besten Nuance à la Turner ist ein harter Sport. Irgendwie hat dabei jeder gewonnen: Grosse Meisterwerke geraten nicht in Vergessenheit, während Kleinstädte auch einmal vom Glanz des Unerreichbaren profitieren können.

Und manch einer bekommt, was er sich schon immer gewünscht hat: ein Meisterwerk über dem heimischen Sofa. Wer nämlich das nötige Kleingeld - in diesem Fall keine Worthülse - aufbringt, kann sich für etwa 4000 Franken eine der Fälschungen kaufen. Mit einem echten Fake-Zertifikat, versteht sich.

Die rund 100 Fälschungen sind heute von 10 bis 20 Uhr und morgen Sonntag von 10 bis 17 Uhr im Palais Besenval zu sehen.

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