Holunderweg
«Vor den Kopf gestossen»: Visionäre Pläne für den Hauptbahnhof Süd irritieren Grundeigentümer

In einem Studienauftrag liess die Stadt Solothurn skizzieren, wie sich das Gebiet beim Hauptbahnhof Süd neu gestalten und aufwerten liesse. Über den Auftrag waren aber nicht alle Eigentümer im Perimeter informiert. Das sorgt für einige Irritationen.

Andreas Kaufmann
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Mit dem Studienauftrag soll die Aufwertung des Hauptbahnhofs im Süden nachgewiesen werden
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Das Planungsgebiet erstreckt sich nördlich der Zuchwilerstrasse und des Güggustutz-Kreisels
Die Hochhaus-Eigentümer wurden in den Studieauftrag einbezogen. Die Moschee im Vordergrund nicht
Studienauftrag Holunderweg
Von hier aus Richtung Osten wurden die Liegenschaftenbesitzer nicht mit einbezogen
Diese Häuser mitsamt der Moschee rechts liegen allesamt im Bereich Holunderweg Mitte und Ost
Auch die Faith-Moschee liegt im Planungsperimeter Holunderweg Mitte

Mit dem Studienauftrag soll die Aufwertung des Hauptbahnhofs im Süden nachgewiesen werden

Wolfgang Wagmann

Es ist ein Studienauftrag, der den Perimeter Hauptbahnhof Süd neu erfinden will: Zwischen Bahngeleise und Zuchwilerstrasse zeigt sich Solothurn nicht gerade von der Schokoladenseite. Weil die bestehenden Gestaltungs- und Bebauungspläne den Absichten der Grundeigentümer nicht mehr entsprochen haben, beauftragte die Stadt drei Planungsteams mit je einer Gestaltungsstudie: Das Rennen machte schliesslich ein Zürcher Team, das einen südlichen Bahnhofplatz, einen zweigeschossigen Neubau beim RBS-Perron sowie eine neue Überbauung auf dem Areal des Museums Enter skizzierte. Weiter wurde auch der ostseitig gelegene Holunderweg in den Studienperimeter aufgenommen – ebenso mit dem Vorschlag, die dortigen Gebäude teilweise durch Neubauten zu ersetzen.

So wird die neue RBS-Peronhalle mit dem darüberliegenden Museum visualisiert.
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Situation am Hauptbahnhof Süd in der Studie Feddersen & Klostermann Räumliches Kernstück des Konzeptes ist ein neuer Bahnhofplatz-Süd zwischen Gleisfeld und Zuchwilerstrasse. Es sind Neubauten auf dem RBS- sowie dem Enter-Areal vorgesehen.
Studie von :mlzd, Biel Visualisierung des Abgangs zur Personenunterführung vor den Ersatzbauten «Espace»
Studie von :mlzd, Biel Das Team schlägt perspektivisch eine Raumabfolge zwischen RBS-Perronhalle und unterschiedlich dimensionierten Bauten entlang der Zuchwilerstrasse vor.
Studie Graf Stampfli Jenni, Solothurn Visualisierung des Platzes zwischen der RBS-Perronhalle und den Espace-Gebäuden
Studie Graf Stampfli Jenni, Solothurn Als Bahnhofsplatz wird der Raum zwischen der neuen RBS-Halle samt Überbauung mit Wohnungen und dem Espace-Gebäude definiert.

So wird die neue RBS-Peronhalle mit dem darüberliegenden Museum visualisiert.

zvg

Holunderweg blieb uninformiert

«Die Nachricht, das geplant wird, unser Haus zugunsten eines Neubauprojektes abzureissen, kam ziemlich unerwartet», reagierte die dort seit nunmehr zehn Jahren ansässige Familie Fitz/Amsler mit einem Leserbrief in dieser Zeitung. Dabei habe man bis zur Berichterstattung über den Studienauftrag von diesem gar nichts gewusst. «Wir waren schon vor den Kopf gestossen», sagt dazu Beatrice Fitz auf Anfrage. Zwar habe man von Absichten gehört, das Gebiet mit den beiden Blöcken an der Zuchwilerstrasse 41 und 43 neu zu gestalten, nicht aber von Plänen rund um den Holunderweg. Auch andern Liegenschaftsbesitzern am Holunderweg sei der Studienauftrag nicht bekannt gewesen.

Der Planungsperimeter mit den Teilgebieten Hauptbahnhof Süd

Der Planungsperimeter mit den Teilgebieten Hauptbahnhof Süd

zvg

Selbiges gilt auch für die dort ansässige Moschee des Anadolu-Helvetia-Vereins. Sie wäre von einem allfälligen Neubauprojekt ebenfalls betroffen: Wie deren Mediensprecher Mustafa Dikbas mitteilt, sei weder der Verein, noch die Liegenschaftseigentümerin, die Türkisch-Islamische Stiftung Schweiz, über den Studienauftrag informiert worden. «Erst durch die Presse haben wir von den Plänen erfahren. Wir sind überrascht, auch, weil wir nie seitens der Stadt kontaktiert wurden», so Dikbas.

«Fokus nicht auf Holunderweg»

Indes ist im Schlussbericht zum Studienauftrag zu lesen, dass die Grundeigentümer sowie die Fachexperten an einem ersten Rundgang die drei Studien aus ihrer Perspektive beurteilt und ihre Einschätzungen dem Plenum vorgestellt hatten. Dies gilt nun aber eben nicht für die Grundeigentümer am Holunderweg. Zur Beteiligung am Projekt sagt Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamts: «Die Grundeigentümer RBS, Espace Real Estate AG und Felix Kunz vom Museum Enter wurden in den Studienauftrag einbezogen und haben sich auch an der Studie beteiligt.»

Es seien diese Grundeigentümer, die einen aktuellen Bedarf angemeldet hatten. «Es ging dabei hauptsächlich um die Aufwertung des Bahnhofplatzes Süd.» Weiter wendet Lenggenhager ein, dass eine Information auch an die Grundeigentümer des Holunderwegs Ost und West hätte stattfinden können, da sich diese ebenfalls im Planungsperimeter befänden. «Da es sich jedoch um sehr viele einzelne Grundeigentümer am Holunderweg handelt, ist oder wäre eine neue Gesamtentwicklung nur in einem langen Zeitraum möglich und planerisch kaum realisierbar.»

Dementsprechend ist im Schlussbericht auch zu lesen, dass der östliche Arealteil mit dem Holunderweg für die Gestaltung oder eine «Adressbildung» nicht zwingend notwendig sei. Die Entwicklung sei hier losgelöst vom Rest des Perimeters zu konkretisieren – respektive: es bestehe derzeit kein Handlungsbedarf.

Dennoch zeigt sich, dass sich Eigentümer am Holunderweg zumindest eine Information seitens Stadt gewünscht hätten – nicht zuletzt, um Irritationen zu vermeiden. Umso mehr interessiert sich (nicht nur) die Familie Fitz/Amsler für die Details der visionären Ideen: Am 13. und 14. Juni werden die Studien jeweils von 16 bis 18 Uhr an der Zuchwilerstrasse 41 präsentiert. Darüber hinaus sind die Studien in den dortigen Schaufenstern durchgehend zu sehen.