Der Mond ersetzt die stillgelegte Strassenlampe, blaues Licht schimmert auf der Mauer des Prisons mit seinen Gitterfenstern. Vorne auf der Bühne jazzt es vom Feinsten. Längst sind die 160 Rindfleischspiesse im Verdauungstrakt der Festbesucher gelandet, die Risottokessel leergegessen.

«Es ist so gut gelaufen, dass wir es wieder machen müssen», wird OK-Mitglieder Martin Wagmann rapportieren. «Es», das Street Music Festival im Unteren Winkel. Seit 1997 existiert das Idealisten-Festli in der Vorstadt - the show must go on.

Vielseitiges Programm

Die Show beginnt eher verhalten. Das Quartett Les Solörs, eine Mixtur Aargau-Biel, setzt auf den klassischen Jazz, pflegt den Dixie ebenso wie den Blues. Die Herren bleiben sitzen, beackern Waschbrett und Banjo, wirken fast ein bisschen intim für die grosse Arena mit Hunderten von Kiebitzen.

Eine perfekte Einstimmung für die Platzhirsche des Street Music Festivals: die Eigebröi Streetband, inzwischen acht Musiker zählend. Seit 1997 ist die Solothurner Band gewachsen an Erfahrung, in Sachen Repertoire und Interpretation. Ihr grooviger, sehr modern anmutender Jazz wird lautstark unterstützt durch vokale Einlagen, die das Publikum ins Wippen, ja beim zweiten Set gar zum Tanzen bringen.

Ungewohntes dann beim dritten Auftritt: Rock und Pop statt wie in den Vorjahren Reggae, Ska oder Klezmer-Sound. «Die Mischung ist beim Publikum gut angekommen», glaubt Martin Wagmann. Tatsächlich stehen die fünf Jungs von «Glass Tower - auch ein Solothurner Gewächs - für die perfekte Cover-Band. Man schliesst die Augen, hört Zucchero. Öffnet sie wieder und sieht - «Glass Tower.»

Sonntagsmatinee entfällt - trotzdem voller Erfolg

Das Open Air im Winkel braucht keine grossen Namen, weil kleine Bands grosse Musik machen. Und wer seinen Schlummertrunk unter dem alten Wellblechdach der «Gaslight-Bar» schlürft, weiss: So schön kann der Sommer in Solothurn sein. Mit dem Street Music Festival, das einfach dazugehört. Auch 2014 wieder.

Dank sechs Idealisten im OK und dem 50-köpfigen Helferteam, das für sechs Stunden ein Fest aus dem Boden stampft, das seine treuen Fans immer wieder mobilisiert. Auch wenn aus Kostengründen die Sonntagsmatinee gestrichen werden musste.