«Ah, Sie sitzen drinnen. Ich hätte eigentlich draussen sitzen wollen, wegen dem Rauchen. Nein, nein. Wir bleiben drinnen. Ich gehe dann einfach alle Viertelstunde nach draussen …», sagts und setzt sich an den Tisch. Rudolf Erzer sagt ziemlich direkt, was er denkt, und setzt hinzu: «Ich bin eben ein Schwarzbube.» Er sei immer einer mit ungewöhnlichen Ideen gewesen. «Manchmal hatte ich damit Erfolg, manchmal stiess ich die Leute vor den Kopf.»

Von hundert Ideen seien es vielleicht drei, die wirklich zu einem Erfolg werden. So urteilt der 67-Jährige heute. «Früher war ich schon ungeduldig und unnachgiebig. Heute bin ich ruhiger, abgeklärter und nehme nicht mehr alles so ernst», charakterisiert er sich. Erzer grinst.

Trotz einem Leben in Solothurn hat er, der in Breitenbach aufgewachsen ist, seinen Schwarzbuben-Dialekt auch noch immer nicht ganz abgelegt, und er erzählt weiter: «Meine erste aussergewöhnliche Idee war, eine Galerie am Stalden zu eröffnen. Ich war Lehrer, arbeitete auch als Journalist und betätigte mich als Solothurner Stadtführer. Und einmal, als mir die versprayten Gebäude und Mauern in der Stadt zu viel wurden, hatte ich die Idee, etwas dagegen zu unternehmen.» Erzer gründete mit Gleichgesinnten das Unternehmen Sprayout. «Als Lehrer habe ich auch erfahren, dass viele Schüler auf der Suche nach Nachhilfeunterricht waren.

Also gründete er die Firma Interlink, eine professionelle Nachhilfeorganisation, die es heute noch mit Filialen in Olten, Bern und Solothurn gibt. «Ich absolvierte damals noch eine familientherapeutische Zusatz-Ausbildung, denn meist sind bei Schulproblemen nicht nur die Schüler auf Beratungen angewiesen, sondern auch die Eltern.» Mit seinem Angebot sei er zunächst in der Lehrerschaft auf Skepsis gestossen, doch das änderte sich, so wie auch bei seiner nächsten Idee: einem Integrationsprojekt von Kindern aus Ex-Jugoslawien. «Ich bin eben einer, der Projekte ausbrütet und sie zum Laufen bringen will. Wenn es dann läuft, interessiert es mich nicht mehr so heftig, denn ich bin bereits an einem anderen Vorhaben.»

«Man wird älter»

Ein Projekt, für welches er sich trotz fünfjährigem Bestehen immer noch begeistert, ist die «Akademie der Generationen Solothurn», früher Senioren-Akademie genannt. «Man wird älter», das seine Antwort auf die Frage nach der Motivation zu diesem Projekt. So schön das Alter sein könne, es müsse doch mehr sein, als auf dem Balkon zu sitzen oder den TV laufen zu lassen. «Ich wollte etwas anbieten, das Leute aus dem Haus holt. Ein Angebot auf geistig hohem Niveau. Referate über gesellschaftliche, politische, kulturelle Themen mit bemerkenswerten Referenten.»

Schnell konnte Erzer mit seiner Idee eine kleinere Gruppe von einflussreichen Leuten begeistern. Er zählt auf: Biologe Urs Schwarz, der leider verstorbene Arzt Gianpiero Lupi, oder der ehemalige DEZA-Chef Walter Fust sowie Alt-Bundesrat Samuel Schmid. Denn eine weitere Eigenschaft gehört zu Rudolf Erzer: Er ist der geborene Networker.

Was interessiert das Publikum?

«Ich kam wahrscheinlich auch zur richtigen Zeit mit meiner Idee», sinniert er rückblickend, denn die Resonanz sei unglaublich gewesen. Dennoch sagt er: «Der Aufbau war ein Chrampf, auch finanziell. Gut war, dass wir ein einflussreiches Patronatskomitee einsetzen konnten.» In den vergangenen fünf Jahren habe er genügend Erfahrungen machen können, welche Themen beim Publikum Anklang finden. «Bekannte Referenten-Namen ziehen immer. Kunsthistorisches interessiert, Geschichte, Philosophie.»

In der Regel kämen zwischen 70 und 80 Personen zu den Anlässen. Die ersten Jahre fanden die Vorträge im Tertianum in Solothurn statt, nun ist die Akademie der Generationen im Vigier-Sommerhaus untergebracht. Erzer spricht Klartext: «Obwohl wir im Tertianum sehr gut aufgehoben waren, war doch dieser Standort für gewisse Interessierte ein Hemmschuh. Frisch Pensionierte wollen sich nicht im «Altersheim» ein Referat anhören. Und auch jüngere, interessierte Personen meinten, sie seien hier nicht am richtigen Ort. Deshalb war ein Wechsel des Ortes, verbunden mit einer Namensanpassung, wichtig. «Eine gute Altersdurchmischung bei unseren Anlässen ist unsere künftige Herausforderung», erklärt Erzer.

Schon neue Ideen im Kopf?

Und jetzt? Hat er, seit die Organisation so gut läuft, nicht schon wieder eine neue Idee im Kopf, die er realisieren möchte? «Der Moment zählt und mir gefällt die Aufgabe noch sehr. Es kann schon sein, dass eines Tages wieder etwas Neues kommt.» Eine Stunde ist vergangen, das Gespräch für das «Auf einen Kaffee mit …» beendet. Man staunt: Erzer hat sich nicht einmal zur Zigarettenpause von seinem Stuhl erhoben.