Solothurn
Von der Vorstadt auf den Hügel: die Geschichte des Bürgerspitals

Erste genaue Hinweise auf ein Spital in Solothurn gab es im 14.Jahrhundert. Seither ist viel passiert. Der Wechsel von der Stadt auf den Spitalhügel ist erst 1930 erfolgt.

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das «Alte Spital» zu klein. Da wurde auf dem Hügel ausserhalb der Stadt gebaut.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das «Alte Spital» zu klein. Da wurde auf dem Hügel ausserhalb der Stadt gebaut.

ww/zvg
Das heutige «Alte Spital»

Das heutige «Alte Spital»

Wolfgang Wagmann

Ein Spital war nicht immer ein Spital: Das «Hospital», das die Bürgergemeinde 1420 südlich der Aare baute, hatte noch ganz andere Zwecke: Es betrieb eine Bettlerstube, liess Pilger und Handwerker übernachten, nahm Waisen auf und verpflegte Arme. Bald betrieb die Bürgergemeinde Solothurn in der Vorstadt einen Komplex an Fürsorgeinstitutionen: Neben dem heutigen «Alten Spital» baute die Bürgergemeinde 1465 nämlich ein weiteres Spital. Später wird dieses «Wengi-Spital» zum Waisenhaus.

Wann in Solothurn das erste Spital stand, weiss man nicht genau. Genaue Hinweise in Urkunden finden sich erst im 14. Jahrhundert. Sowohl die Bürgergemeinde als auch das St.-Ursen-Stift betrieben damals ein Spital.

1375 wurde das Spital der Bürger beim Einfall der Gugler zerstört. Bis die Bürgergemeinde 1420 ein neues «Spittel» in der Vorstadt neben der Aarebrücke bauen durfte, dauerte es einige Jahre. Erst 1418 erlaubte Papst Martin V. in einer Bulle den Neubau mit Kapelle.

Ab 1726 wird ein neues, grösseres Spital gebaut. Die heutige Gestalt erhielt das Gebäude später: Paolo Antonio Pisoni entwarf Pläne, die zwischen 1784 und 1788 ausgeführt wurden. Schon bevor Ende der 1790er-Jahre nochmals ausgebaut wurde, begannen die ersten Spitalschwestern in Solothurn zu arbeiten.

Ab 1509 ist in Solothurn ein Stadtarzt erwähnt. Beim damaligen Spital finden sich erst im 16. Jahrhundert Namen von Ärzten vermerkt. Mitte des 16. Jahrhunderts gab es auch noch den Spitalscherer, der Adern öffnete oder Operationen (oft Amputationen) vornahm. 1545, so weiss man, blieb ein Mann einen Monat im Spital, um sich «das Bein absagen zu lassen». 1694 liest man von einem eigenen Zimmer für die Kranken. Schon vor 1626 gab es eine Kindbettstube für Wöchnerinnen. Im 19. Jahrhundert trat der Spitalarzt neben den Stadtarzt.

Dann, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wird das «Alte Spital», das heute Begegnungs- und Kulturzentrum ist, zu klein: Die Zahl der Patienten wächst von 368 im Jahr 1870 auf 1800 im Jahr 1920. (lfh)

Das 4,64 Mio. teure Spital auf dem Hügel

Das 4,64 Mio. teure Spital auf dem Hügel

zvg

1930 ist es so weit: Die Bürgergemeinde Solothurn verlässt die Vorstadt und eröffnet ihr neues 4,64 Mio. Franken teures Spital auf dem Hügel, der bald zum Spitalhügel wird. Die Säle sind freundlicher, die Eisenbahn rattert nicht mehr neben dem Operationssaal vorbei. Doch die Bevölkerung wächst. Kamen 1929 noch 1681 Patienten ins Bürgerspital, steigt die Zahl bis 1945 auf 4285. Das Spital gerät an seine Grenzen: Ausser in Notfällen müssen Kranke teilweise Tage vertröstet werden. Man hofft zwar, dass der Bau von Altersheimen eine Entlastung bringt, doch die Raumnot wird nicht gelindert: Die Medizin schreitet voran, Spezialuntersuchungen benötigen eigene Räume. Und eine Privatabteilung wird gebaut, weil die besser situierte Bevölkerung den Krankensälen fernbleibt. Bald werden erste Gedanken über ein neues Spital wach. Damit endet die jahrhundertelange Ära der Bürgergemeinde Solothurn als Spitalbetreiberin: Bis 1956 kam die Bürgergemeinde ohne staatliche Hilfe aus. Dann ist das Kapital aufgebracht. Einen erneuten Neubau kann sie nicht mehr finanzieren. Mit dem neuen Spital stellt der Kanton die Mehrheit in der Spitalstiftung. (lfh)

Das 1974 eröffnete Bürgerspital Solothurn

Das 1974 eröffnete Bürgerspital Solothurn

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1974 wird für 62,5 Mio. Franken das neue Bürgerspital eröffnet, das bis heute ohne Komplettsanierung funktioniert. Der medizinische Fortschritt hält Einzug. Es gibt einen Labortrakt und eine Röntgenabteilung, Rohrpost, Notstromanlage und eine zentrale, weitgehend automatisch funktionierende Sterilisation. Stolz ist man auf die Intensivpflegestation. «Jedes Hausfrauenherz wird sich an der prächtigen Küchenanlage mit den blitzblanken Herden und automatischen Fliessbändern erfreuen», hielt der damalige Chefarzt zur Eröffnung fest. Im Oktober 1974 arbeiten 681 Personen im Spital, davon 40 Ärzte. Schon damals gibt es Personalmangel in der Pflege: Gesucht werden diplomierte Schwestern. Wie wichtig die Aus- und Weiterbildung sind, zeigt sich beim Bau: Die Schwesternschule wird wesentlich erweitert. Es gibt einen Hörsaal mit 150 Plätzen für klinische Demonstrationen und Fortbildungskurse. Heute bezeichnet der aktuelle Spital-CEO Martin Häusermann das Haus als Bau der «Königreiche»: Die Ärzte haben ihre eigenen Abteilungen. Interdisziplinarität wurde noch nicht derselbe Stellenwert zugewiesen. (lfh)