Schaumfestiger, Rundbürste, Föhn, Kamm: Wer als Haarstyle-Model auf der Bühne im Landhaus sitzt, stellt nicht nur den Kopf zur Verfügung, sondern auch die eigene Fingerfertigkeit.

Der Umgang mit den Utensilien, die die angehenden Coiffeusen den Models mangels Ablagefläche in den Schoss legen, erfordert fast das Talent eines Jongleurs, so schnell wechseln die Lernenden ihre Werkzeuge. 62, 4 davon Männer, zeigen ihr Können.

Die (H)Aarewelle, der Wettbewerb der angehenden Coiffeure, hat gestern das 50-jährige Bestehen gefeiert und eine Neuheit präsentiert: die Wahl des Mottos «Rockabilly Day», für das 3. Lehrjahr verbindlich, für das 1. Lehrjahr empfohlen – und vom 2. Lehrjahr auf freiwilliger Basis ebenfalls enthusiastisch umgesetzt. So gab es mehr Langhaarfrisuren zu bestaunen als in den letzten Jahren.

Petticoat und 50er-Styling

Das Motto ist ein Erfolg. Das zeigt sich gleich darin, dass die Mehrheit der Besucher sich in Petticoat und Schale geworfen hat. Da wollen die angehenden Coiffeusen nicht zurückstehen. Mehr als eine zupft in den letzten Minuten der Prüfung die eigene gepunktete Haarschleife zurecht, nachdem sie ihr Model mit einer Wolke Haarspray fixiert hat. Als sich die vier Jurymitglieder auf den Weg durch die zwei Reihen der Models machen, sind die meisten Künstler ebenso herausgeputzt wie ihre Kunstwerke.

«Rockabilly ist eine tolle Sache. Da macht es gleich doppelt Spass, meinen Traumberuf der Öffentlichkeit zu zeigen», strahlt Dzemail Ahmetovic, 2. Lehrjahr-Teilnehmer vom Coiffure Enz in Gerlafingen. Er ist rotschwarz gestylt, bis hin zu den Vintage-Hosenträgern. Sein Model, Dafina Meili, setzt mit der Zigarettenspitze aus den Fifties (ohne brennenden Glimmstängel) das Tüpfli aufs «i». «Meine Chefin hat uns mit dem Outfit geholfen», verrät Ahmetovic.
Musikalisch sorgen Steve und Marc zwischen zwei Vespas für Stimmung. Das Boogie-Woogie-Paar Sonja Emch & Francesco Secchi zeigt sehenswerte Tanzeinlagen zu den Rock-’n’-Roll-Klängen. Schon bevor das 2. Lehrjahr am Mittag zum Schneiden antritt, ist der Saal voll und die Stimmung auf dem Höhepunkt.

Animierende Leistungsschau

Die (H)Aarewelle ist mehr als ein Fest. Es ist eine Leistungsschau, die den Nachwuchs animiert, sein Bestes zu geben. «In den letzten drei Jahren hat sich das Niveau verbessert», zeigt sich Mitorganisator Fritz Schlup zufrieden mit den diesjährigen Leistungen der Solothurner Coiffurebranche. Einziger Wermutstropfen: «Abmeldungen von Lernenden in letzter Minute. Das hat es früher nicht gegeben.»

Die Organisatoren sind vom Erfolg des Rockabilly Days überwältigt. Als drei OK-Mitglieder über einer Reglementsfrage die Haarnetz-geschmückten Köpfe zusammenstecken, sind sie sich einig: «Wir werden nächstes Jahr wieder ein Motto wählen. Das erleichtert den Lernenden die Vorbereitung und gibt ihnen Inspiration.»

Die Auszeichnungen

Laura Felber, vom Salon «Hair Department Ambiente» in Solothurn, erhält den Pokal mit der Auszeichnung «Vorzüglich» im 3. Lehrjahr.

Den Pokal und Sonderpreis der Regiobank mit Bestbenotung in allen 3 Lehrjahren (2-mal «Sehr gut» und 1-mal «Vorzüglich») erhalten Hilda Ndoti, Coiffure Hofi, Oensingen, und Delia Reichen, Le Coiffure, Solothurn.