Stadtbummel Solothurn

Vom Versuch, eine kluge Ampel auszutricksen

Um diese Ampel gehts.

Um diese Ampel gehts.

An dieser Stelle muss ich es offen und ehrlich gestehen: Ich bin gescheitert. Sogar kläglich. Ich bin einfach nicht in der Lage, eine Ampel auszutricksen. Böse Zungen werden jetzt behaupten, diese sei halt einfach klüger als ich. Vielleicht haben sie sogar recht. Doch von Anfang.

Ich wohne in der Nähe der blauen Post. Für Solothurnerinnen und Solothurner eine normale Bezeichnung für das blaue Gebäude, meine Luzerner Kollegen denken dabei jeweils an eine torkelnde Filiale. Item. Jedenfalls bedeutet dies, dass wenn immer ich in die Altstadt oder einkaufen gehen will, benutze ich die dortige Unterführung. Bekannt ist diese durch die teils rasenden Fahrradfahrer, die vor den Kurven wie wild klingeln, und zur Seite springenden Fussgänger, wenn diese es einmal nicht tun. Zudem ist die Unterführung ein beliebter Treffpunkt von Jugendlichen, um ihr erstes Bier zu trinken. Nicht zu vergessen: Der teils leichte Urinduft, der vor allem am Wochenende in der Luft festhängt. Wieder abgeschweift.

Jedenfalls gibt es am einen Ende der Unterführung eine Ampel. Diese ist nur für Fahrradfahrer und regelt den Verkehr mit der dortigen Einfahrt zum Parkhaus. Sprich: Wenn ein Fahrrad durch die Unterführung in Richtung Vorstadt fährt, schaltet die Ampel automatisch von Rot auf Orange, falls gerade kein Auto ins oder aus dem Parkhaus fahren will.

Nun kam ich vor einigen Jahren auf die glorreiche Idee, ich weiss nicht mehr ob nüchtern oder nach ein, zwei Bier, zu versuchen, die Ampel zu Fuss auf Orange zu schalten. Ich bin also einfach auf der Velostrecke Richtung Ampel gelaufen. Passiert ist nichts. Das nächste Mal bin ich gerannt, falls ich für ein Fahrrad zu langsam war. Auch wieder keine Reaktion.

Als ich es Monate nach der ersten Niederlage wieder einmal versuchte, simulierte ich ein Rad, indem ich in schneller Abfolge ein Fuss jeweils direkt vor den anderen setzte. Und schon wieder. Die Ampel wusste genau, dass ich kein Fahrrad bin, und blieb rot.

Andere Male agierte ich um einiges unüberlegter und wedelte einfach einmal mit den Händen vor der Ampel herum oder hüpfte davor auf und ab. Auch nichts. Zuletzt wiederholte ich den Versuch mit der Velosimulation, einfach zu zweit. Ich lief in Gänseschritten voraus, der Kollege im richtigen Radabstand hinterher. Erneut gescheitert.

Habe ich aufgegeben? Nein. Werde ich noch lange nicht. Irgendwann trickse ich die Ampel aus. Vielleicht verkleide ich mich als Nächstes als Velo.

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

Meistgesehen

Artboard 1