Velobörse Solothurn

Vom kleinen klappbaren bis zum Militärvelo - An der Velobörse gab es alle Modelle

272 Fahrräder sind am Samstag in Solothurn verkauft worden – «Oldtimer» sind im Trend. Der Umsatz beläuft sich auf rund 48 000 Franken, davon gehen rund 7 000 Franken an den VCS Solothurn.

Die klassischen Dreigänger sind wieder im Trend. «Für die Jungen sind sie so etwas wie ein Kultgegenstand», sagt Heinz Flück, Mitglied des organisierenden VCS und einer der zahlreichen Helfer, die an diesem kalten Samstagmorgen auf dem Platz vor der Gewerbeschule die Velos in Empfang nehmen und mit einer Preisetikette versehen. Für ein altes Mondia oder Condor greift man gerne etwas tiefer ins Portemonnaie, das beweist auch eine junge Frau, die ihren rosaroten Oldtimer zufrieden zur Kasse schiebt. Über die Farbe will sie sich noch Gedanken machen. «Wahrscheinlich werde ich das Fahrgestell übermalen, aber das hat noch Zeit.» Sie ist überzeugt, dass sich alte Dreigänger hervorragend als Stadt- und Pendlervelo eignen.

«Etwas schneller vorankommen»

Fast schon ein Museumsstück ist das Militärfahrrad, das stolze 85 Jahre auf dem Buckel hat. «Ich habe mich ein bisschen getäuscht», sagt die Zuchwilerin, die das Aufsehen erregende Vehikel letztes Jahr an der Börse erstanden hat. «Es hat nur einen Gang und ist zu schwer für mich.» Wer sich gerne gemütlich vorwärts bewege, sei damit bestens bedient, aber: «Ich möchte nun gerne etwas schneller vorankommen.» Das möchte auch der junge Mann, der beim Absperrgitter ein Pocket Bike auf seine Tauglichkeit prüft. Er versteht zweifellos etwas von Technik, denn schon bald hat er herausgefunden, wie man das Ding zusammenlegt. Spätestens dann erkennt auch ein Laie: Mit einem Fahrrad, das zusammenlegbar ist und in einer grösseren Tasche mit in den Zug genommen werden kann, erspart man sich Ärger in überfüllten Velostationen.

Direkt vor dem Eingang zur Berufsschule hat Philipp Biberstein vom «Fahradies» in Luterbach alle Hände voll zu tun. Von ihm wollen die potentiellen Käufer wissen, ob das angepeilte Objekt Mängel aufweist und der Preis nicht überrissen ist. Trotz der Menschenschlange, die sich vor seiner mobilen Werkstatt gebildet hat, nimmt er sich Zeit und hält mit Kritik nicht zurück: «An diesem Fahrrad wurde schon lange kein Service mehr gemacht, da stehen etliche Reparaturen an. Ich würde von einem Kauf abraten», warnt der begehrte Fachmann vor späterem Ungemach.

Gut geschmiert ist halb verkauft

Derartiger Kritik muss sich ein gestandener Herr aus Riedholz nicht unterwerfen. Gerade mal eine Viertelstunde dauert es, bis sein Fahrrad in neuen Händen ist. «Ich habe es im Herbst immer geputzt und geölt, bevor ich es ins Winterquartier stellte.» Drei Käufer haben das bereits bei der Anmeldung erkannt, aber zwei gingen schliesslich leer aus.

Es ist zehn Uhr, und der Platz füllt sich mit immer mehr Velofans. Für die Probefahrer wird es zusehends schwieriger, sich durch die Leute hindurch zu schlängeln. Entgegen den Vorjahren ist es immer noch bitter kalt. «Ich habe zwei Pullover und warme Unterwäsche angezogen», sagt Heinz Flück. Es ist zu hoffen, dass dies auch auf die anderen, an ihren gelben Westen erkennbaren und ehrenamtlich tätigen Helferinnen und Helfer zutrifft. Was die erste Blustfahrt mit dem neu erstandenen Zweiräder betrifft, muss diese heuer wohl verschoben werden.

Fahrt ins Grüne muss noch warten

Auch der Vater von Sebastian, dessen blonde Locken in eine warme Mütze verpackt sind, drängt zum Verkaufsabschluss, was dem Knirps nicht ungelegen kommt. Wie all die anderen Kinder, die heute Besitzer eines neuen oder gar des ersten Fahrrades werden, mag er es kaum erwarten, seine Fahrkünste auszuprobieren.

Etwas weniger als im Vorjahr

Ein paar Stunden später zieht Heinz Flück Bilanz: «Wir haben 400 (Vorjahr 470) Fahrräder angenommen und 272 (Vorjahr 300) verkauft. Der Umsatz beläuft sich auf 48 000 Franken, wovon 41 000 Franken an die Verkäufer gehen.» Mit den verbleibenden 7000 Franken werden die Kosten für Infrastruktur und Spesen gedeckt. Rund 4500 Franken will der VCS Solothurn schliesslich in neue Veloprojekte investieren. Als Erinnerung: An der ersten Velobörse, die vor 25 Jahren auf dem Friedhofplatz durchgeführt wurde, wechselten 99 Velos ihre Besitzer.
Den Verlauf der diesjährigen Velobörse bezeichnet Flück als sehr geordnet: «Wir haben unser Ziel erreicht, nämlich gebrauchte Fahrräder wieder unter die Leute zu bringen.» Zudem sei es gelungen den immer grösser werdenden Zustrom von Händlern zurück zu binden. «Wir wollen vor allem den Privatpersonen eine Plattform bieten und vermeiden, dass Ramsch-Velos auf den Platz kommen.»

Meistgesehen

Artboard 1