Stadtbummel
Vom Herbst zum Grittibänz

Mark A. Herzig
Mark A. Herzig
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Der Herbst hat in Solothurn definitiv Einzug erhalten.

Der Herbst hat in Solothurn definitiv Einzug erhalten.

Allerheiligen und Allerseelen – gestern und heute. Das ist ein Zeichen, dass bei aller Hartnäckigkeit der Sommer auf Ende Oktober hin doch noch zum Herbst wird. Es wurde gestern aller Heiligen gedacht, heute nun aller Seelen, nämlich derer, die noch im Fegefeuer schmoren. Vorgestern wurde, was auch in unseren Landen Mode geworden ist, das «irisch-amerikanische Halloween» abgefeiert – was leider nicht selten zu einem irdischen Vorgeschmack auf das himmlische Fegefeuer ausartet.

Extrem farbenprächtig, ja schon fast kitschig war die Natur rund um die Stadt bis vor kurzem. Trat man etwa aus dem Franziskanertor Richtung Kunstmuseum, leuchteten einem noch grüne, aber immer mehr auch in allen Gelb- und Rottönen gehaltene Blätter entgegen, alles überwölbt von einem tiefblauen Himmel, leicht strukturiert durch weisse Wolkenflocken. Lange hatten sich auch die schönen, gepflegten Beete der Stadtgärtnerei gehalten, nun wurde es Zeit, nicht winterharte Pflanzen hereinzunehmen, abgeblühte zu entfernen.

So ist es, wenn der Wein- in den Wintermonat übergeht. Herbstputz steht an, und es wird an allen Ecken und Enden gesäubert, renoviert, um- und neu gebaut. Die Stadt lebt auch wirtschaftlich, auch wenn es nicht allen Zweigen gut geht.

Farbenträchtige Herbstveranstaltung im Konzertsaal. Es fand die erste Volkstanzgala statt – ein Grosserfolg. Sie wuchs sich in der Innenstadt zum internationalen Trachtentreffen aus. International? Ja, denn in der Reithalle wurde Oktoberfest nach bayrischer Art gefeiert – in Dirndl und Lederhose. Und das sind schliesslich auch Trachten, mit denen es die Bayern ebenso ernst nehmen wie wir mit den unsrigen. Automatisch erinnerte sich manch einer an die letztjährige Sonderausstellung «Die Pracht der Tracht» im Kunstmuseum. Dort war auch Cuno Amiet vertreten, den wir derzeit am gleichen Ort in einer Sonderschau zu seinen Ehren geniessen können. Und das noch bis 6. Januar nächsten Jahres. Dann schliesst das Kunstmuseum für etwa vier Monate, und wir werden uns noch bis Ende April nach einem anderen, farbigen Indoorbummel umsehen müssen.

Der Kunstsupermarkt öffnet in einer Woche seine Pforten – ein weiteres untrügliches Zeichen jahreszeitlicher Veränderung: Winter- und Feiertage stehen bevor. Der Supermarkt in der Rothushalle schliesst ebenfalls am 6. Januar.

Vorgewarnt vor Weihnachten werden wir allerdings schon länger – da und dort sind weihnächtliche Angebote und Dekorationen zu sehen, und Grittibänze werden auch schon angeboten – Samichlaus ist noch mehr als einen Monat weg. Aber man kann ja diese «wohlgeformten Weggli» allenfalls übers ganze Jahr verzehren, so wie wir mit dem Biertrinken nicht bis zu (Pseudo-)Oktoberfesten oder mit dem Wein bis zum nächsten Winzerfest warten müssen.