Solothurn
Vom Figurativen zur Abstraktion

Mit den neuen Arbeiten von May-Lucy Suess (Papier) und Saajid Zandolini (meditative Malerei) wird in ihrer ersten Ausstellung in der Galerie ArteSol ein frappanter Kontrast von Farbe und Textur bewirkt.

Hans R. Fröhlich
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Saajid Zandolini schafft Landschaften, die zum Meditieren anregen.

Saajid Zandolini schafft Landschaften, die zum Meditieren anregen.

Hans R. Fröhlich

Die Kunstschaffende May-Lucy Suess Robert befasste sich jahrelang mit Textilien und durchlief eine Ausbildung zur Schneiderin am Technikum La Chaux-de-Fonds sowie für die Lehrtätigkeit für kreative Tätigkeiten im textilen Bereich. Im Umgang in ihrem künstlerischen Freundeskreis entdeckte Suess das Faszinosum Papier, wobei ihr das Recycling und die Verwendung der Fasern für das Handschöpfen von Papier nahe lagen.

In ihrer spielerisch kreativen Experimentierfreude kam May-Lucy Suess auf das Prinzip ihrer heutigen künstlerischen Technik. Die Künstlerin formt das Papier in nudelartige Streifen und fügt diese in kurzwelligen Schichtungen und deren Kombinationen eng anschmiegend in eine schliesslich kompakt und flach erscheinende rechteckige Bildform.

Die so in idealer Unordnung entstandene Struktur wirkt erstaunlich harmonisch. Die noch weisse Oberfläche wird alsdann in intensiven Farben aus Pigmentmischungen meist monochrom oder in bunte Streifen geteilt bemalt. Zusammen mit weiss verbleibenden Zwischenräumen entstehen rhythmische Kompositionen und wechselreiche kalligrafische Spannungen. Eine Variante sind Kugelformen. Die Arbeiten werden zu nonverbalen, intimen Botschaften und Objekten der Verinnerlichung. May-Lucy Suess integriert darin ihre Illusionen und Träume und die Hoffnung auf eine hypothetische Kommunikation.

Das Spielerische bewahren

Ganz anders die feinfühlige Welt des in Bern lebenden Malers Saajid Zandolini. Das Spielerische zu bewahren ist auch sein Anliegen. Der in Karlsruhe geborene Künstler besuchte in Basel die Fachklasse für Gestaltung bei Franz Fedier. Als Angehöriger und Mitbegründer der Berner Künstlergruppe Silo (1980) gehörte Zandolini einer jüngeren Generation an, die abseits des offiziellen Kunstbetriebes eine eigenständige künstlerische Sprache entwickelt hat. Es sind heute hauptsächlich Landschaften, die zum Meditieren anregen, denn für ihn bildet die Kombination von Meditation und Malerei einen wesentlichen Teil seines Lebensweges.

Es erstaunt nicht, wenn in seinen Arbeiten in immer wieder der Horizont als Trennung des rationalen vom irrationalen Teil der Landschaft ein zentrales Merkmal seiner lasierenden Malerei in Öl auf Leinwand oder Kreidegrund auf Baumwolle bildet. Weiter kommt quasi parallel dazu die Wandlung vom Figurativen zur Abstraktion als Balanceakt. Dies geschieht in konstant intensivem Duktus bei Tuschpinselzeichnungen von konkreten Formen (Tannen) nach unten zur verdichteten abstrakten Struktur. In der Malerei ist es die an sich neblige Stimmung und minimalste Gegenständlichkeit, die sich nach oben der Wahrnehmung schliesslich ganz entzieht. Kalligrafische Elemente bilden die Grenze zwischen Geist und Materie.

Öffnungszeiten: Mi, 14.30 bis 17 Uhr, Do, 15 bis 18 Uhr, Sa, 11 bis 17 Uhr. Apéro: Sa, 25. Oktober, 11 Uhr. Finissage: So, 2. November 2014. www.artesol.ch