Solothurn
Vom einstigen Glanz der «Krone» ist wenig geblieben

Das seit zwei Jahren leer stehende Hotel Krone zog am Tag des Denkmals viele Interessierte an Rundgängen an. «Das Hotel Krone gehört historisch zu den wichtigsten Gebäuden der Stadt», betonte Denkmalpfleger Stefan Blank.

Katharina Arni-Howald
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Vor genau zwei Jahren wartete das Inventar der «Krone» auf den Abtransport nach Schanghai.

Vor genau zwei Jahren wartete das Inventar der «Krone» auf den Abtransport nach Schanghai.

Wolfgang Wagmann

Die Küche im Hotel Krone ist zwar zurzeit geschlossen. Auch Tische, Stühle und weisse Tischtücher fehlen, um sich im vornehmen Haus an bester Lage mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnen zu lassen. Dort, wo sich der europäische Adel auf der Durchreise niederliess und die Bewohner des kleinen Städtchens am Jurasüdfuss einen Hauch der grossen weiten Welt zu spüren bekamen, ziehen in die Jahre gekommene Teppiche, kahle, renovationsbedürftige Wände und unzeitgemäss eingerichtete Hotelzimmer den Blick auf sich.

Trotz leerem Haus hat sich das Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons entschlossen, am Europäischen Tag des Denkmals die Tür zum Barockbau vor der St.-Ursen-Kathedrale zu öffnen. «Zu Tisch» hiess das diesjährige Motto, das einen Zusammenhang zwischen Baukultur und Gastronomie herstellen sollte und auch andere Einrichtungen in der Stadt in den Vordergrund rückte.

Barocke Gestalt gut bewahrt

«Das Hotel Krone gehört historisch zu den wichtigsten Gebäuden der Stadt», hob Denkmalpfleger Stefan Blank bei einer Führung mit einer stattlichen Anzahl Besuchern die Bedeutung des mächtigen Baukörpers hervor. Die erste Erwähnung eines Hauses an der Ecke Hauptgasse/Kronengasse datiere ins Jahr 1418. Gut 50 Jahre später sei erstmals die Rede von einem Wirtshaus, das bei weitem nicht dem späteren Standard der Krone entsprach. 1487, so Blank, kam die Krone in den Besitz der Familie Kissling, die bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts Eigentümerin war.

Während dieser Zeit muss ein grösseres Gebäude entstanden sein, das später an den Wirt Franz Josef Schmid überging. Diesem verdanken wir den jetzigen Baukörper. In den folgenden Jahren erwarb Schmid auch die südlich anstossenden Häuser an der Kronengasse. Offenbar brauchte Schmid mehr Platz für seine Hotelgäste. 1782 wurde dieser Südflügel neu eingedeckt. «Der viergeschossige Hauptbau unter einem Mansarddach hat seine barocke Gestalt gut bewahrt», meinte der kantonale Denkmalpfleger, sodass dieser 1939 unter Schutz gestellt werden konnte.

Gezielt Löcher gebohrt

Als «spannend» bezeichnete Bauforscher Urs Bertschinger die Vorsortierungen, die gegenwärtig vorgenommen werden. Das Haus habe im Innern viele Veränderungen durchgemacht. Immer wieder sei es weiterentwickelt und neuen Bedürfnissen angepasst worden. Vor allem 1942 sei die Ausstattung total erneuert worden, ohne den Grundriss zu verändern. «Wir bohren gezielt Löcher, um zu sehen, was von der Vergangenheit noch übrig ist.» So ist ein Tafelparkett zum Vorschein gekommen, das erhalten werden soll. Bauhistorisch stosse man aber auch im Keller auf interessante Befunde, meinte Bertschinger.

«Einmalige Chance»

Dass die historische Raum- und Gebäudestruktur insbesondere in den Obergeschossen gut ablesbar ist, freut auch die Architekten Graf, Stampfli und Jenni. «Wir werden darauf achten, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Teile gut funktioniert und ablesbar bleibt», versprach Benedikt Graf. Befassen müsse man sich unter anderem mit den Höhenunterschieden. Es gebe auch Bereiche, wo es zu einem Rückbau komme.

So soll das Treppenhaus aus Solothurner Stein wieder geöffnet werden. Zum Teil würden dazu Glaswände eingebaut, die wieder den Eindruck von Grosszügigkeit vermittelten. Graf lobte die gute Struktur des Hauses und die handwerklichen Leistungen der Vorfahren und versicherte, dass die Säle und die Anordnung der Gaststube erhalten bleiben. Was die Möblierung und Beleuchtung angehe, würden diese dem jetzigen Zeitgeist angepasst. Graf kam, wie vor ihm auch Bertschinger auf den Leisttrakt zu sprechen, der zurzeit wegen der Dachkorrektur zu reden gibt, die aber «eine einmalige Chance für dieses Haus ist». Auch die Umnutzung des Leistflügels in eine zweigeschossige Ladenfläche und Wohnungen sei eine gute Sache, meinte Graf.

Dass das Haus im gegenwärtigen Zustand von einem 4-Stern-Standard weit entfernt ist, stellten die Besucher auf dem Rundgang mit Erstaunen fest. Vor allem bei den Nasszellen fühlte man sich weit ins letzte Jahrhundert zurückversetzt. Selbst die Suite, die als Prunkstück des Hauses galt, ist arg in die Jahre gekommen. Gut erkennbar war auch, wie schmal und lang der ständig in die Höhe gewachsene Leisttrakt ist, der der Bevölkerung bisher kaum zugänglich war.