Solothurn
Vom Deux Chevaux bis hin zum Rolls: Oldtimer weckten nostalgische Gefühle

Zum 28. Rassemblement National des Verbands «Swiss Oldtimers» wurden in der Solothurner Altstadt zahlreiche historische Autombobile präsentiert. Organisator Kurt Schär war der Meinung, dass es für eine solche Ausstellung «keine schönere Stadt» gäbe.

Hans Peter Schläfli
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Oldtimer in der Solothurner Altstadt
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Der einzige Oldtimer auf zwei Rädern war dieses Solex.
Der spanische Eroberer heisst De Soto.

Oldtimer in der Solothurner Altstadt

Hans Peter Schläfli

Mit so einem Auto bin ich bis nach Sizilien gefahren, als ich noch jung war», erzählte der noch gar nicht so alte Papi seiner etwa vierjährigen Tochter, die in der Altstadt einen giftgrünen Deux Chevaux bewunderte. «Wir haben einfach die Rückbank herausgenommen, damit wir im Auto schlafen konnten.» Damit traf er den Nagel auf den Kopf - und beschrieb ganz exakt den heutigen Trend bei den Liebhabern von Oldtimern: Weg von den Hochglanz-Luxusmaschinen hin zu den alten Alltagsfahrzeugen, die mit vielen Emotionen und grossartigen Erinnerungen verbunden sind.

Gestern Sonntag wurde mancher Spaziergänger von der automobilen Pracht überrascht. Der Dachverband der schweizerischen Markenclubs historischer Automobile führte zum 28. Mal in einer historischen Altstadt ein Oldtimer-Treffen durch. «Endlich konnte ich das Treffen nach Solothurn holen», sagte Organisator Kuno Schär nicht ohne etwas Stolz. «Ich persönlich bin der Meinung, dass es keine schönere Stadt gibt, um solche Autos auszustellen.»

Die prämierten Fahrzeuge

• Limousine: Jaguar NK II 1965
• Coupé: Abarth Bialbeo 1961
• Cabriolet: Ford Thunderbird 1959
• Diverse Formen: Volvo 1800 ES 1973
• Youngtimer: Ferrari Testarossa 1991
• Publikumsliebling: Fiat Topolino Belvedere 1953. (mgt/hps)

Da stand auch der himmelblaue Opel Commodore GS/E, der mit dem Dach, das aus unerklärlichen Gründen mit schwarzem Kunststoff überzogen war. Mit den paar Flecken im Lack sieht er genauso aus wie damals das Auto des heute längst verstorbenen Nachbarn, mit dem man in den Siebzigerjahren an die YB-Heimspiele mitgenommen wurde, damals, als YB genauso viele Erfolge feierte wie heute wieder.

Gleich daneben ein orangefarbener Renault R12 Baujahr 1973. Eigentlich erstaunlich, dass es jemandem überhaupt gelungen ist, ein Exemplar des unbestrittenen Weltmeisters im Schnellrosten bis in die heutige Zeit zu konservieren - das erbärmliche Häufchen Eisenoxid, das in Vaters Garage übrig geblieben war, konnte man damals fast mit «Schüfeli und Bäseli» entsorgen.

«Ein Oldtimer darf ein abgewetztes Interieur und etwas Patina an der Carrosserie haben», erklärte Schär, warum nicht alle Oldtimer in perfektem Glanz dastehen müssen. «Unter den Liebhabern hat ein grosses Umdenken stattgefunden. Seit es immer mehr Replicas gibt, die sich von den Originalen kaum mehr unterscheiden lassen, geht der Trend vom Überrestaurieren weg. Heute geniessen die Fahrzeuge das höchste Ansehen, die bis ins letzte Detail Originale sind.»

Es gab auch die Autos zu sehen, die für die meisten Leute bis in alle Ewigkeit ein unbezahlbarer Traum bleiben werden, wie einen edlen Rolls-Royce oder den Ferrari Testarossa. Der absolute Publikumsliebling war aber der dunkelolivgrüne Fiat Topolino Belvedere mit 569ccm und 16.5 PS, Höchstgeschwindigkeit 90km/h. Das grosse Argument der winzigen Italiener: Sie hatten als erste Liegesitze, denn die Freundin konnte man nicht mit nach Hause zur Mama mitnehmen, also musste man sich andernorts gern haben ...

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