Stadtbummel Solothurn

Vom Bummeln und anderen Arten zu gehen

Bummeln durch den Märet?

Bummeln durch den Märet?

Nicht ohne Grund heisst es Stadtbummel. Man bummelt durch die Altstadt. Weil sie so schön ist und wir beim Flanieren durch die Gassen immer wieder Neues entdecken: ein Erker, ein Schild, eine Fassade, die gelb oder rosa zwischen anderen hervorsticht – was uns zuvor nicht aufgefallen ist.

Manchmal bummeln wir auch, weil es nicht anders geht. Auch wenn mir vielleicht lieber etwas zackig marschieren würden. Etwa am Samstag, wortwörtlich um fünf vor zwölf, weil das Eingeschriebene noch auf die Post muss. Der Samstagvormittag gehört aber (seit zwei Wochen wieder) den Märet-Besuchenden, die nicht nur spazieren und schlendern, sondern auch gerne stehen bleiben und schwatzen. Was aufgrund der Abstandsvorgaben auch diskretes Vorbeischlängeln erschwert.

Gebummelt wird dann auch samstagabends. Vielleicht auch getorkelt? Seit kurzem
gilt für Aaremürli-Gäste nämlich wieder: Nur wer einen Sitzplatz hat, darf etwas
bestellen. Bei gutem Wetter einen Tisch zu ergattern, ist also gar nicht zu einfach. Für die Erfolgreichen lohnt es sich von daher schon, den Sitzplatz mit mehreren Runden zu feiern.

Wie Märet-Besuchende mögen es auch Nachtschwärmende, innezuhalten und zu intensiv zu diskutieren. Etwa Beziehungsprobleme werden lautstark (nicht) gelöst. Oder die Gruppen machen Mutproben (Wie weit kann ich das Velo schmeissen?) – um die gängigsten Vorurteile gegenüber den «Jungen» abzuhandeln. Dies geschieht auch unter geöffneten Fenstern. Oft vergisst man beim Bummeln nämlich, dass in der schönen Stadt auch Menschen leben. Und schlafen. Diese verzeihen diese Störungen natürlich – oder nerven sich gar nicht daran – gehören sie doch selbst immer mal wieder zum Volk der Nachtschwärmenden oder Märet-Besuchenden.

Manchmal auch zu den Sportlichen. Die nicht bummeln, sondern schwimmen – unter viel Aufmerksamkeit künftiger Nachtschwärmenden, die bereits am Nachmittag an ihrem Tischchen hocken und die Wengibrücke gut im Blick haben. Von dort aus zeigen Athletinnen und Athleten ihre Sprünge und stolzieren nach dem Schwumm der Aare entlang. Manchmal sogar joggend.
Apropos Joggen: Da gibt es eben die einen, die das ohne Hemmung tun, zmitz dür’s Städtli. Und die anderen, die sich in Sportbekleidung unauffällig durch die Gassen stehlen, um dann ausserhalb der Stadt loszutraben. Um später mit der Tomate von Kopf auf den verschwitzten Schultern betont lässig durch die Stadt zurück zu schlendern. Oder zu Bummeln eben.Noëlle Karpf

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