Sportstadt Solothurn
Volley-Präsident: «Stadtpräsident Fluri hat kein Sportkonzept und will auch keines»

Sportlich kommt Volley Solothurn nicht weiter. Dafür fehlt laut Präsident Gerd Müller das Geld. Er wünscht sich eine professionell organisierte Sportfachstelle und ist der Meinung, dass Solothurn neben einer Kultur- auch eine Sportstadt werden kann.

Hans Peter Schläfli
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Gerd Müller, Volley Solothurn: «Die Kräfte in der Region sind auf verschiedene Teams verteilt und es gibt keinen Grossverein, der den Lead übernehmen könnte.»

Gerd Müller, Volley Solothurn: «Die Kräfte in der Region sind auf verschiedene Teams verteilt und es gibt keinen Grossverein, der den Lead übernehmen könnte.»

Hans Peter Schläfli

Volleyball hat in der Stadt eine lange Tradition, und selbst durch sportliche Rückschläge lässt man sich den Spass nicht verderben. Nach dem Abstieg in die 2. Liga hofft Gerd Müller, Vereinspräsident Volley Solothurn, mindestens bei den Frauen auf eine baldige Rückkehr in die 1. Liga. Keine einfache Aufgabe, denn hohe Hallengebühren und die Aufteilung auf vier Trainingslokale machen den Volleyballern das Leben nicht gerade leicht.

Vor bald 40 Jahren spielten die Solothurner Volleyballerinnen im damaligen Lehrerseminar noch in der Nationalliga B. Daran erinnert sich auch der heute 49-jährige Präsident noch vage. «Träumen darf man immer, aber im Augenblick sind solche Erfolge nicht möglich, da muss man realistisch bleiben», relativiert Gerd Müller die sportlichen Ambitionen. «Die Kräfte in der Region sind auf verschiedene Teams verteilt und es gibt keinen Grossverein, der den Lead übernehmen könnte.»

Sportstadt Solothurn

In unserer Sommerserie «Sportstadt Solothurn» beleuchten wir verschiedene Stadtvereine und zeigen ihre Anliegen auf. Dies nicht zuletzt auch im Hinblick auf den jüngsten Wahlkampf ums Stadtpräsidium, in dem der Sport breit thematisiert worden ist.

Volley Solothurn ist 2004 aus der Fusion des VBC Solothurn und der Volleyballriege des TV Kaufleute hervorgegangen. Der Verein stellt in der kommenden Saison zehn Teams bei den Frauen und Juniorinnen, aber nur noch eine Mannschaft bei den Männern. Derzeit hat Volley Solothurn 214 Mitglieder und davon sind 91 im Juniorinnen-Alter. Das Jahresbudget beläuft sich auf rund 52 000 Franken. (hps)

Zudem habe sich der Sport seither stark entwickelt. «In der NLB wird heute von einem Verein sehr viel mehr gefordert und es stehen zum Teil bereits Profis auf dem Feld. Davon sind wir in Solothurn weit entfernt.» Zudem sind die Voraussetzungen nicht ideal: Mehr als ein Viertel des recht kleinen Budgets von 52'000 Franken machen die Gebühren für die Hallen aus. Der Betrag, der für die Trainer zur Verfügung steht, ist nur unwesentlich höher.

«Ein Trainer in der 1. Liga leistet heute eine Arbeit, die einem Teilzeitjob entspricht. Aber Volley Solothurn kann nur eine minimale Entschädigung zahlen. Um sportlich vorwärtszukommen, müssten wir mehr Trainings mit qualifizierten Trainern anbieten können. Aber dafür fehlt Volley Solothurn das Geld.»

Hohe Gebühren

Eine Stunde in der Halle in der Pädagogischen Hochschule – dem früheren «Semi» – kostet pro Jahr 1200 Franken. «Das können wir uns in Zukunft nicht mehr leisten», sagte Müller bereits vor zwei Jahren, als diese Gebühr auf einen Schlag mehr als verdoppelt wurde.

Mittlerweile hat sich auf Initiative der CVP etwas getan: Die Stadt will in Zukunft die Differenz zur üblichen Hallengebühr von 240 Franken übernehmen; das Geschäft ist in Bearbeitung. «240 Franken ist zwar im Vergleich mit den Hallengebühren anderer Gemeinden immer noch sehr viel Geld, aber damit können wir leben», meint Müller. «Wir akzeptieren, dass die Hallen etwas kosten müssen, sonst könnte es passieren, dass ein Verein die Hallen auf Vorrat belegt, ohne sie wirklich zu nutzen.»

Grosszügige Entschädigungen

Andererseits machen die Unterstützungsbeiträge der Stadt und des Kantons rund die Hälfte der Einnahmen des Vereins aus. «Die Entschädigungen, die wir von der Stadt für unsere Nachwuchsförderung erhalten, sind recht grosszügig», findet denn auch Müller.

Wenn dank tieferen Hallengebühren mehr davon übrig bliebe, möchte er dieses Geld in den Nachwuchs investieren, den Volley Solothurn hauptsächlich über den Schulsport und den Ferienpass findet. «Bisher beginnen wir mit Kindern im Alter von zehn, elf Jahren. In Zukunft möchten wir mit speziellen Spielformen noch jüngere Kinder begeistern. Idealerweise wäre es, dann jeweils zwei qualifizierte Trainer in der Halle zu haben. Aber das liegt derzeit nicht drin.»

Fehlende Koordination

Volley Solothurn trainiert in vier verschiedenen Hallen: Baseltor, Fachhochschule, Fegetz und Feldbrunnen. Kein Cateringbereich, keine Zuschauertribüne, zu geringe Höhe für Volleyball – die Meisterschaftsspiele müssen unter ungünstigen Verhältnissen durchgeführt werden.

«Zudem ist keine der vier Hallen für Turniere geeignet. Für unsere Miniturniere müssen wir deshalb ins Brühl ausweichen», sagt Gerd Müller.

Hoffnungen liegen beim «Hemmli»

Er hofft, dass vielleicht dank den beiden neuen Hallen im Schulhaus Hermesbühl die Trainings nicht mehr über die ganze Stadt verteilt durchgeführt werden müssen. «Aber es fehlt eine koordinierende Anlaufstelle. Unser Kontakt mit der Sportkommission beschränkt sich darauf, dass wir unsere Gesuche um finanzielle Unterstützung mit entsprechenden Belegen unserer Arbeit per Post schicken. Die Anträge werden meistens kommentarlos genehmigt. Es gibt keinen persönlichen Kontakt mit der Sportkommission. Fachliche oder strukturelle Hilfe gibt es keine.»

Deshalb sei Solothurn noch weit davon entfernt, sich das Label Sportstadt zu verdienen. «Der Stadtpräsident zeigt kein Interesse daran, Solothurn zu einer Sportstadt zu entwickeln. Er hat kein Konzept und er will auch keines. Er setzt ganz auf die Kultur. Ich bin der Meinung, es hat Platz für beides. Man muss es einfach einmal anpacken. Aus meiner Sicht wäre es toll, wenn die Stadt eine professionell organisierte Sportfachstelle schaffen könnte. Wir wollen doch alle, dass sich die Leute mehr bewegen. In diesem Bereich könnte eine Sportfachstelle sehr viel erreichen.»

Der Volley-Präsident ist überzeugt: «Investitionen in mehr Lebensfreude, mehr Gesundheit und mehr Lebensqualität würden sich für die Stadt langfristig auszahlen.»

Zusammenarbeit ist nötig

Gerd Müller hat einen Wunschtraum: «In der Kantonsschule müssten die beiden alten Hallen endlich durch eine moderne Dreifach- oder sogar Vierfachhalle ersetzt werden. Jetzt müssen die Schüler zum Teil für eine Turnlektion den Weg in die Pädagogische Hochschule auf sich nehmen, wo der Kanton Miete zahlt. Das macht doch keinen Sinn. Die Stadt müsste sich an den Kosten einer neuen Halle beteiligen.

Tagsüber würden die Kantonsschüler darin turnen und abends stünden diese den städtischen Sportvereinen zur Verfügung.» Das Konzept klingt verlockend. «Der Platz für eine grosszügige Halle ist vorhanden, die Nutzung wäre nachhaltig und die Rahmenbedingungen für eine solche Investition waren noch nie so gut wie heute.»

Überparteiliche Motion zur Sportsituation

Die Solothurner Politik hat auf die breite Kritik reagiert, die von verschiedenen Sportvereinen geäussert wird. So haben die Gemeinderäte Urs Unterlerchner (FDP) und Franziska Roth (SP) als Erstunterzeichner bereits vor einem halben Jahr eine überparteilich abgestützte Motion eingereicht, die von der städtischen Verwaltung eine breit gefächerte Analyse der Bedürfnisse der Bevölkerung und der vorhandenen Sport-Infrastruktur fordert.

«Bevor Entscheide über grössere und kostspielige Renovationen oder den Bau von Ersatz- oder Neuanlagen getroffen werden, sollen die politischen Behörden Klarheit darüber erhalten, welche Massnahmen dafür am zweckmässigsten sind», begründet Urs Unterlerchner diese Motion. «Leider mussten wir feststellen, dass die Basis-Informationen bisher nicht lückenlos erfasst wurden.»

Die Motion verlangt eine Grundlagenplanung für den Sportbereich der Stadt Solothurn. Neben einer Übersicht aller Sportvereine der Stadt und Region Solothurn soll eine Bestandsaufnahme aller öffentlichen und privaten Sport- und Freizeitanlagen erstellt werden. Der Normbedarf an Sportinfrastruktur soll ermittelt und zugleich der Sanierungs- und Entwicklungsbedarf inklusive finanzieller Konsequenzen ausgewiesen werden. Die Nachbargemeinden sind in die Abklärungen einzubeziehen. Die Motion habe bereits Wirkung gezeigt, sagt Urs Unterlerchner: «Diese Anregungen haben dazu geführt, dass die Gemeinden Solothurn und Zuchwil ein gemeinsames Projekt für den Ausbau der Schwimminfrastruktur realisieren werden.» (hps)