Vorstadt Solothurn
Volkshaus-Besitzer wälzen Pläne für Wohnungen statt Büros

Zuletzt wechselten die Restaurant-Betreiber im Volkshaus am Rossmarktplatz immer wieder. Aber auch im restlichen Gebäude kam es zu Leerständen. Nun warten die auswärtigen Eigentümer mit neuen Plänen auf: Wohnungen sollen die Büros ersetzen.

Wolfgang Wagmann
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Im Volkshaus sollen 20 Wohnungen entstehen

Im Volkshaus sollen 20 Wohnungen entstehen

Solothurner Zeitung

Im Restaurant Volkshaus am Rossmarktplatz sind die Tische fein säuberlich aufgedeckt. Doch an der Türe steht «Heute geschlossen». Im Sommer seien die Wirtsleute plötzlich verschwunden gewesen, weiss ein Mieter. Was er da noch nicht weiss: Sein Büro könnte in eine Wohnung umgewandelt werden. «Nein, darüber wurden wir vom Vermieter nicht informiert», bestätigt er lediglich den Wissenstand der anderen, angefragten Mietparteien. Darunter sind beispielsweise die dreiköpfige Fachstelle des Kantons für Beziehungsfragen oder auch Umberto «Jumbo» Monopoli mit seinen «Adventure rooms» im Keller.

«Nein, wir wurden über die Absichten des Besitzers nicht informiert», meint auch er ‐ aber man habe das Abenteuer-Angebot auch schon an anderen Standorten wie der Landi Solothurn oder in Baden aufgezogen. Und ein grosser Mieter, das Rote Kreuz, ist ebenfalls weg ‐ im ehemaligen Saal hat dafür ein Eritreer-Treff mit Bar und Beiz Obdach gefunden.

«Die Mietverträge werden eingehalten»

Keinen Grund zu Panik bei den Mietparteien sieht Nikita Reim, Geschäftsführer der W. Heiri Architekten AG in Bettlach, zuständig für die Bewirtschaftung des Volkshauses und dessen Weiterentwicklung. «Vor dem Sommer passiert gar nichts und die bestehenden Mietverträge werden eingehalten.»

Die Eigentümerschaft, die ADA Immobilien AG in Basel sowie die Centralstrasse AG in Hergiswil, hätten sich Gedanken zur Umnutzung des Hauses mit seinen vielen Leerständen gemacht. «Mit 20 kleinen Wohnungen und einem verkleinerten Restaurant möchten wir nicht nur Wohnraum für eine jüngere Generation, sondern auch und etwas Attraktives für die Altstadt schaffen», betont Reim. Denn die jetzige Restaurantküche beispielsweise sei «gigantisch». Nebst Studenten könne man sich aber auch eine ältere Bewohnerschaft könne man sich durchaus vorstellen, seien doch alle Wohnungen behindertengerecht durch einen neuen Lift erschlossen. Vorerst gehe es jetzt darum, eine Baubewilligung für das Projekt zu erhalten und danach zu schauen, wie der Markt darauf reagiere.

«Wir standen bei der Projekterarbeitung auch schon im Kontakt mit der Altstadtkommission», zeigt Reim weiter auf, dass der Umbau komplexer werden könnte. Denn das altehrwürdige Volkshaus (vgl. oben) ist im neuen Ortsbild-Inventar der Stadt als «schützenswertes Inventarobjekt von kommunaler Bedeutung» aufgeführt.

Ein Haus mit Vergangenheit

Auf und Ab Noch bevor der Rossmarkt so hiess, wurde 1833 bis 1835 das Gasthaus zum Falken direkt vor dem damals noch stehenden Inneren Berntor errichtet. Die ursprünglich strenge Symmetrie des Hauses mit seinem Mansarden-Walmdach wurde in den 1950er Jahren durch den Anbau der seitlichen Bogenarkaden beeinträchtigt. Von 1860 bis 1873 war im «Falken» nebst dem Hotelbetrieb auch eine eigene Brauerei beheimatet. 1919 übernahm die Arbeiterunion Solothurn die Liegenschaft und tauften den «Falken» in «Volkshaus» um.

In der späteren Geschichte sah das Haus manches Auf und Ab. Zwischenzeitlich fanden über Jahrzehnte im Saal oben die Lottomatches von Stadtvereinen unter der «Solothurner Lotto-Mafia» statt. Der gut gemeinte Versuch eines einheimischen Malermeisters, das Volkshaus mit einer Gesamtrenovation unter dem Namen «Solothurner Hof» wieder besser in der Stadt zu verankern, scheiterte in den achtziger Jahren, auch wenn noch einige Jahre Fasnachtsbälle stattfanden. Am längsten hielt sich der «Nelson Pub», aber viele Besitzerwechsel und kurzlebige Restaurant-Experimente (Bierhalle, «Gallo Nero») prägten die jüngere Geschichte, auch wenn der Name Volkshaus für das zwischenzeitlich auch als Partytempel genutzte Gebäude wieder «reanimiert» worden war. (ww)