Solothurn
Visionen für eine Sportstadt – und dann wird einmal mehr übers vernachlässigte CIS diskutiert

Nach der Kulturstadt soll Solothurn auch noch zur Sportstadt werden. An einer Info-Veranstaltung war eine allfällige Gross-Sporthalle mit einem Kostenpunkt von rund 24 Mio. Franken Thema. Bald drehte sich die Diskussion aber einmal mehr um das vernachlässigte CIS-Sportcenter.

Hanspeter Schläfli
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Frank Hofer zeigte die Strategie für eine mögliche Sportstadt Solothurn auf.

Frank Hofer zeigte die Strategie für eine mögliche Sportstadt Solothurn auf.

Hanspeter Schläfli

Zwei Dutzend geladene Gäste fanden sich im Restaurant des Tennisclubs Schützenmatt ein, um über eine Vision mit dem Titel «Sportstadt Solothurn» zu diskutieren. Organisiert wurde die Veranstaltung durch den Verein sovision espace Solothurn.

Die Moderation übernahm Frank Hofer, Mitglied des Direktoriums des Olympiaprojekts «Sion 2026», der durch die Organisation des Eidgenössischen Turnfests 2013 in Biel bekannt geworden war. Auf dem Tisch lag ein – allerdings noch sehr rudimentäres – Projekt mit dem Namen «solothurn arena», einer dreifachen Dreifachhalle an der Stelle des heutigen Sportzentrums CIS.

Bedarf von 24 Mio. Franken

In dieser neuen Sportarena soll in Zukunft tagsüber das Lehrlingsturnen stattfinden, am Abend sollen die Sportvereine zum Zug kommen. Am Wochenende wären dann Grossanlässe und Sportveranstaltungen möglich, die bis zu 4000 Zuschauer anlocken dürften. Nicht weniger als 24 Millionen Franken würde die Investition betragen.

Wenn es gelingen würde, Solothurn zum nationalen Zentrum für Sportarten wie zum Beispiel Unihockey oder Badminton zu entwickeln, könnte das grössere Millionenbeiträge an Bundessubventionen generieren, erklärte Frank Hofer. «Wir leben in der besten denkbaren Phase, um solche Projekte dank Niedrigstzinsen nachhaltig finanzieren zu können», sagte sovision-Präsident Ivo Bracher. «Jetzt ist das ideale Zeitfenster, um grosse Träume zu realisieren.» Ivo Bracher war als Verwaltungsratspräsident der bonacasa Holding AG massgebend am inzwischen auf Eis gelegten Grossprojekt «Wasserstadt Solothurn» beteiligt.

Frank Hofer präsentierte anhand anderer Städte verschiedene Konzepte. Bern konzentriere sich darauf, möglichst viele Menschen sportlich zu bewegen. Verbringe eine Person eine Stunde im Hallenbad, so subventioniere Bern dies mit 31 Franken. Vorbildlich sei Winterthur mit einem umfassenden Konzept, vom Breitensport bis zur Talentförderung. Hofer empfahl, nun die Bedürfnisse der Menschen und die Ziele aller Beteiligten zusammenzutragen, um dann die Art der Sportstadt zu definieren, in die sich Solothurn gerne entwickeln möchte.

Der CIS-Stachel im Fleisch

In der Diskussion der Vertreter verschiedener Sportvereine, an der auch die beiden Kandidierenden für das Stadtpräsidium teilnahmen, zeigte sich einmal mehr, dass das gefährlich marode CIS der grosse Stachel im Fleisch der Stadt ist. Nach einer kurzen Phase der positiven Kooperation sei die Holding, die das Baurecht der CIS-Hallen besitzt, wieder in den alten Zustand der Untätigkeit verfallen, erklärte Stadtpräsident Kurt Fluri (FDP).

«Verwaltungsratspräsident Antoine Bonvin als einzig verantwortliche Person ist nie erreichbar.» Dringende Arbeiten würden nicht ausgeführt und die Situation sei wieder besorgniserregend. «Am besten wäre es, wenn diese Holding endlich in Konkurs ginge und das Baurecht zurück an die Stadt fallen würde», sagte Fluri. Dann wäre der Weg offen, die Sportanlage in eine Stiftung einzubringen, um das CIS von Grund auf zu erneuern. Stefan Blaser, Präsident der Solothurner Handballer, ergänzte: «Diese Leute nehmen nur das Geld heraus und erfüllen die vertraglichen Verpflichtungen zum Unterhalt der CIS-Hallen nicht. Wir müssen sie jetzt aushungern und die Miete auf ein Sperrkonto einzahlen.»

Für und wider Sportfachstelle

Franziska Roth (SP) fand, dass «die Stadt dringend ein Sportkonzept braucht sowie eine professionell geführte Sportfachstelle.» Würde sie, die Herausforderin, zur neuen Stadtpräsidentin gewählt, wolle sie den Bau einer neuen Dreifachhalle vorantreiben. «Wir brauchen keine bezahlte Fachstelle für Sport, wir setzen das Geld lieber für den Sport ein», entgegnete Fluri. Das Thema einer neuen Dreifachturnhalle könne man gerne in der nächsten Legislaturperiode aufnehmen.

Zusammen lösen

Als Präsident der Regionalplanungsgruppe repla espace Solothurn, der 41 Gemeinden angehören, fasste Roger Siegenthaler die Situation prägnant zusammen: «Wenn die Stadt das Sporthallenproblem tatsächlich alleine lösen will, dann sagt die Repla ‹merci viel mal›. Aber die sportliche Infrastruktur ist ein Problem, das wir zusammen lösen sollten. Eine Sportarena würde schliesslich nicht nur von den Einwohnern der Stadt genutzt, sondern von den Menschen der ganzen Repla-Region.»

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