Konzertsaal Solothurn
Virtuoses Orchester mit jungen Talenten löst sein Versprechen ein

Mit dem 6. Konzert schloss das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester seine Herbsttournee in Solothurn ab. Weit über die Stadt hinaus freute man sich über die Gelegenheit, dieses bedeutende Orchester einmal hier geniessen zu dürfen.

Hans Blaser
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Das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester trumpft im Konzertsaal auf.

Das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester trumpft im Konzertsaal auf.

blaser

Der Konzertsaal war von dankbarem Publikum nahezu besetzt, das sich die jungen Musikerinnen und Musiker nicht entgehen lassen wollten. Ein so imposanter Klangkörper von rund 90 angehenden Berufsmusikern aus der ganzen Schweiz wurde zu Recht als Versprechen verstanden. Geleitet wird das Orchester seit 1998 vom Deutschen Kai Bumann, der aber vorwiegend in Polen tätig ist. Im Programm hatte es zwei Werke.

Sicherer Solist

Aram Chatschaturjan widmete sein Konzert für Violine und Orchester dem Violinisten David Oistrach. Das einzige Violinkonzert des Armeniers ist in d-Moll geschrieben. Uraufgeführt wurde es am 16. September 1940 in Moskau.

Es ist nach dem «Säbeltanz» sein bekanntestes Werk. Als Solist auf der Violine – einer Bergonzi – trat Andreas Janke auf. Der 1983 in München geborene Musiker ist erster Konzertmeister des Tonhalle-Orchesters Zürich und hat seit Herbst 2013 eine Professur an der Zürcher Hochschule der Künste.

Sein musikalisches Rüstzeug holte er an der Universität Mozarteum in Salzburg. Danach begann er früh eine rege Konzerttätigkeit mit führenden Orchestern. Gleichzeitig brachten ihm erlesene Wettbewerbe zahlreiche internationale Auszeichnungen und Preise.

Keine Sekunde vermittelte der Solist ein Anzeichen von Unsicherheit. Selbstsicher setzte Andreas Janke das mehrfach wiederholte Hauptthema zu Beginn des ersten Satzes in den Konzertsaal.

Im Nebenthema zeigte er dann aber auch seine Fähigkeit, lyrische Passagen überzeugend interpretieren zu können. Die Virtuosität wiederum kam in der grossen Kadenz des ersten Satzes besonders zur Geltung. Er liess sich nie vom Orchester verdrängen. Das spricht natürlich auch für das junge Nachwuchsensemble.

Nach langem Applaus erhielt das Publikum schliesslich die verlangte Zugabe. Janke spielte den Schlusssatz aus der 2. Sonate für Violine solo in a-Moll von Eugene Ysaÿe. Damit konnte er nochmals seine Virtuosität aufblitzen lassen. Gleichzeitig lieferte er damit einen Hinweis auf die verbreitetste Komposition des belgischen Komponisten, der von 1858 bis 1931 lebte.

Versteckte Regime-Kritik

Für sein Opus 103, die «Sinfonie Nr 11 g-Moll» nahm sich Dimitri Schostakowitsch die Unruhen von 1905 als Inspiration. Sie trägt denn auch den Untertitel «Das Jahr 1905». Darin verarbeitet der Komponist auch den Petersburger Blutsonntag.

Auch nach Stalin war es für die Künstler in der Sowjetunion nicht einfach, Werke zu publizieren, die auch nur entfernt Kritik an der revolutionären Gesinnung erkennen liessen.

Die Sinfonie wurde am 30. Oktober 1957 uraufgeführt. Schostakowitsch schaffte den Spagat mit Einbezug von Revolutionsliedern. Widerstand und Kritik vermochte er nur versteckt einzubauen.

Dennoch, oder gerade deshalb wurde dieses Werk ein eindrückliches Musikerlebnis. Das haben die jungen Leute, hervorragend geführt von Kai Bumann, ausgezeichnet in den Konzertsaal gebracht.

Lang anhaltende Stille im Saal – regungslos der Dirigent – sowohl Ergriffenheit vom Werk, dessen Hintergrund, ganz sicher auch der Interpretation, wohl aber auch im Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in Frankreich tags zuvor.

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