Die Abschlussarbeit als Steinbildhauerin von Natascha Hess ist jetzt im Steinmuseum Solothurn zu besichtigen. Für die junge Frau aus Schönenwerd stand schon früh fest, dass sie nach Abschluss der Bezirksschule einen kreativen Beruf ergreifen wollte.

Obwohl sie bereits seit dem siebten Lebensjahr Geige spielte, wollte sie nicht die Musik zu ihrem Beruf machen, sondern sie weiterhin als Amateurmusikerin pflegen. Sie entschloss sich, Steinbildhauerin zu lernen und fand eine Lehrstelle bei der Firma Wyler & Co in Langenthal.

Natascha Hess meint, dass viele Frauen sich in diesem Beruf ausbilden lassen, aber die meisten nicht in diesem Beruf bleiben. Heute sei das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ziemlich ausgeglichen.

Volleyball blieb auf der Strecke

Auf die Frage, wie das Violinenspiel und die Steinbildhauerei zu vereinigen seien, erklärt sie: «Es braucht für beide Leidenschaften viel Geduld, wenn man Erfolg haben will.» Natürlich sei die Umstellung von der Werkstatt am Tage zum Musizieren am Abend nicht immer einfach gewesen.

Sie spielt Erste Violine im Niederämter Orchester. Beide Arbeiten, an der Violine und am Stein, verlangen Kreativität. Hingegen musste sie aus zeitlichen Gründen das Volleyballspielen wieder aufgeben.

Abschlussarbeit als Symbiose

Für die Lehrabschlussprüfung ist eine praktische Arbeit nötig. «Ich habe mir lange Gedanken gemacht, wie meine Abschlussarbeit aussehen soll. Meine erste Idee war schliesslich die richtige, nämlich zwei meiner Leidenschaften miteinander zu verbinden. Da ist erstens meine Arbeit mit und am Stein und zweitens meine Leidenschaft für das Violinenspiel.»

Ab diesem Zeitpunkt begann für Natascha Hess ein auf diese Arbeit hin konzipierter Arbeitsprozess. In einer Dokumentation sind die weiteren Arbeitsschritte detailliert festgehalten. Die Grundidee war, ein Relief für ein Musikzimmer oder einen Unterrichtsraum für eine Musikschule herzustellen.

Am Anfang standen Skizzen, Fotografien und Modelle. Es stellte sich aber auch heraus, dass die Geige ein nicht leicht zu zeichnendes Instrument ist. «Mir kam die Idee mit einer spielenden Geige anstatt eines Stilllebens.

Das sollte etwas Leben in die Arbeit bringen.» Das fertige Relief zeigt auf der linken Seite ein angeschnittenes Gesicht. Dieser wurde von Natascha Hess bewusst nicht detailliert ausgeschaffen, weil die Geige die Blicke auf sich ziehen sollte.

Die sich auf die Prüfung vorbereitende Lehrtochter wurde jedoch etwas überrascht, als ihr der Ausbildner, Hanspeter Wyler, eröffnete, dass zur Arbeit auch ein Kundengespräch gehöre. In diesem Gespräch wurden ihr die Vorgaben für die beiden Schriften, welche zur Abschlussarbeit gehören, mitgeteilt.

«Ich zeichnete das Wort «Bratsche» in Kapitalis Quadrata (graviert) und das Wort «Posaune» in Blockschrift (Relief). Der Kunde wünschte zusätzlich auch noch, dass im Relief mit der Violine im Hintergrund ein Notenständer stehen sollte.»

«Nochmals sehr viel gelernt»

Für die weitere Arbeit waren nun Kreativität und Ästhetik gefragt. Bis zur endgültigen Fertigstellung des Reliefs gab es immer wieder leichte Verschiebungen des Notenständers und des Kopfes.

Ein Prozess, der schliesslich zu einem guten Ende geführt hat und mit der Note 5,2 an der Lehrabschlussprüfung belohnt wurde. Das Fazit von Natascha Hess zum fertigen Werk: «Ich habe bei dieser Arbeit nochmals sehr viel gelernt, zum Beispiel das Planen einer Arbeit und der damit verbundene Zeitdruck.

Ich habe mich jedoch nicht stressen lassen von diesem Zeitplan und so gearbeitet, wie ich es immer tue.» Nun sucht die junge Steinbildhauerin eine Teilzeitstelle, denn ihr nächstes Ziel ist die Berufsmatur.

Die Vernissage findet am Samstag, 27. August, um 17 Uhr im Steinmuseum Solothurn statt.