Solothurn

Vier dunkle und drei helle Schwäne mit Jö-Effekt

Sieben Jungschwäne einer Schwanenfamilie tummeln sich derzeit gut sichtbar in der Aare bei Solothurn. Dies freut viele Passanten, wie eine Umfrage zeigt. Füttern sollte man die Tiere aber nicht.

Seit einigen Wochen bietet sich den Besuchern des Aareufers ein goldiger Anblick. Das Schwanenpaar hat heuer sieben Junge – vier dunkel und drei hell – aufzuziehen. Keine leichte Aufgabe im urbanen Gebiet, oder doch? Andreas Schäfer, stellvertretender Leiter des Naturmuseums, erklärt: «Für Schwäne ist es kein Problem in urbanen Gebieten zu leben und dort Junge aufzuziehen. Für sie ist grundsätzlich nur wichtig, dass sie einen geeigneten Nistplatz haben und genügend Nahrung.» Das sei hier in Solothurn gegeben. «Der Schwan ist ein Vegetarier und frisst vorwiegend Wasserpflanzen. Da er nicht mit dem ganzen Körper tauchen kann, dürfen Pflanzen nicht mehr als eine Halslänge unter Wasser wachsen.»

Flauschig in grau und weiss: Die Jung-Schwäne mit ihren Eltern letztes Jahr auf der Aare in Solothurn – samt Kommentaren von Passanten

Flauschig in grau und weiss: Die Jung-Schwäne mit ihren Eltern auf der Aare in Solothurn – samt Kommentaren von Passanten

Ein imposanter Ziervogel

Der Höckerschwan, wie der schneeweisse Wasservogel in der Fachsprache heisst, sei ursprünglich nicht einheimisch in Mitteleuropa, erläutert Schäfer die Herkunft des Tieres. «Er wurde als Ziervogel importiert und auf Schlossteichen und Ähnlichem gehalten. Aber mittlerweile hat er sich hier in die Fauna der Schweiz als frei lebendes Tier integriert.» Der Schwan bevorzugt Seen oder langsam fliessende Gewässer als Lebensraum und lebt monogam, erklärt Schäfer weiter: Das heisst, ein Schwanenpaar bleibt ein Leben lang zusammen.

Kaum jemand, der ab und zu an der Aare unterwegs ist, hat die Solothurner Schwanenfamilie noch nicht gesehen. Edith Fluri steht auf der Velobrücke und beobachtet den Nachwuchs. Sie freue sich über die Schwanenfamilie. «Die Aare soll leben», meint sie fröhlich. «Schwäne sind für uns natürlich ein imposanter Blickfang», erklärt Schäfer. «Vor allem ihr weisses Gefieder und ihr fast schon majestätischer Auftritt machen den Schwan zu einem sehr anschaulichen Vogel. Und die Jungen haben natürlich einen Jö-Effekt.»

Schwanen-Nachwuchs von Solothurn Anfang Juni 2018

Der Schwanen-Nachwuchs von Solothurn Anfang Juni 2018

Schwäne fielen aber oft auch negativ auf, durch ihr aggressives Verhalten, erklärt der Zoologe. Dieses Verhalten zeigen vor allem männliche Tiere, und zwar dann, wenn die Jungen frisch geschlüpft seien. «Das Männchen verteidigt dann das Territorium.» Die Jungschwäne seien vier bis fünf Monate, nachdem sie geschlüpft sind, bei den Eltern. «Dann werden sie vom Vater aus dem Territorium vertrieben und müssen sich selbstständig eine neue Heimat suchen.»

Bald werden also wieder nur Mutter und Vater Schwan die Solothurner Aare zieren. «So weiss wie ihre Eltern werden die Schwäne übrigens erst ungefähr am Ende ihres zweiten Lebensjahres. Bis dahin weisen sie die Farbe auf, die sie auch derzeit haben», erläutert Schäfer und lüftet sogleich das Geheimnis um die Farbvarianz unter Jungtieren.

«Grundsätzlich sind Jungschwäne von Natur aus grau-braun und nicht so hell, wie drei der Solothurner Schwäne. Die helle Färbung hat ihren Ursprung in der gezielten Zucht durch den Menschen früher. Offenbar setzte sich diese Farbvariante aber auch in der Natur durch und kommt nun hie und da vor. Es ist davon auszugehen, dass die Farbe der Jungen genetisch bedingt ist.» Die hellen Schwäne seien gegenüber den dunklen etwas benachteiligt, da sie von den Eltern – respektive vom Vater – früher aus dem Territorium vertrieben werden.

Freude bei Jung und Alt

Nichtsdestotrotz schwimmen alle der sieben Jungschwäne gesund und munter in der Aare, hier und da wird eine Pause gemacht und ein Happen vom Grund der Aare geholt, dann gehts in Reihenformation weiter, immer schön den Eltern hinterher. Eine junge Frau erklärt beim Anblick der Schwanenfamilie nahe der Velobrücke. «Ich habe sie beobachtet, auch letztes Jahr schon. Es ist schön, die Schwäne hier zu haben, sie gehören für mich schon fast zu Solothurn.»

Und das Ehepaar Forster aus dem Kanton St. Gallen meint: «Die Schwäne sehen so majestätisch aus.» Auch ihnen ist die Farbvarianz aufgefallen. Sie sehen der Schwanenfamilie zu, wie sie quer über die Aare in Reih und Glied in Richtung des Solheure schwimmt. Ein Bub hat die paddelnden Jungen auf der Aare entdeckt. Begeistert ruft er: «Schau Mami, das sind ja Babys.»

Die Begeisterung, die die Schwanenfamilie bei Jung und Alt auslöst, ist unbestritten. Und obwohl die Jungschwäne das Territorium ihrer Eltern und damit auch die Stadt schon bald verlassen, ist es doch eine Freude, ihnen beim Wachsen zuzusehen oder sie an den Abenden vom Aaremürli des Solheure aus bei der Futtersuche zu beobachten, haben sie doch manch einem mit ihrem Anblick ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.

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