Die Nachfolge von Schwester Benedikta soll jetzt doch aus den bisher eingegangenen Bewerbungen erkoren werden: Die Bürgergemeinde Solothurn will die Neuwahl aus einem Quartett weiterverfolgen. «Eigentlich verfügen wir nur über 22 Bewerbungen. 40 Interessierte haben sich zwar bei uns wegen des Einsiedler-Postens gemeldet, aber nicht alle dann auch konkret eine Bewerbung verfasst», erklärt Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger.

Die Bürgergemeinde hatte den Job nicht breiter inseriert, sondern nur eine Ausschreibung auf ihrer Homepage veranlasst, was für das wesentlich geringere Interesse als bei der letzten Ausschreibungsrunde gesorgt hat.

Vor fast genau zwei Jahren war Schwester Benedikta notabene mit einem Einervorschlag aus 119 Bewerbungen für das Amt in der Verenaschlucht auserkoren worden. Damals hatte die Bürgergemeinde auch etliche Bewerbungen aus dem süddeutschen Raum erhalten.

Nicht unter Zeitdruck

Die Einsiedelei-Kommission unter der Führung von Therese Fröhlicher hatte sich zusammen mit Wyniger in einer extra anberaumten Sitzung für die jetzige Viererevaluation entschlossen. «Wir nehmen die vier Bewerbungen jetzt genauer unter die Lupe und stellen dem Bürgerrat als Wahlgremium Antrag.»

Sollte sich bei näherem Hinsehen doch keine Bewerbung als genügend erweisen, behalte man sich aber auch eine weitere Ausschreibungsrunde vor, so der Bürgergemeindepräsident. Auch müsse es nicht unbedingt wieder einen Einervorschlag geben.

Vor den Sommerferien ist noch eine Bürgerratssitzung am 20. Juni traktandiert. «Aber das wird bis dann wohl kaum reichen», glaubt Sergio Wyniger eher an eine Neubesetzung der Einsiedelei im August oder September. «Wir stehen nicht unter Zeitdruck, ist doch die Stellvertretung hinten in der Schlucht geregelt.»

Reichen 2000 Franken?

Bis jetzt ist die Einsiedlerin oder der Einsiedler mit einer Entlöhnung von gut 2000 Franken und dem Wohnrecht in der Klause entschädigt worden. Das Wohnrecht gilt allerdings auch gleichzeitig als Wohnsitzpflicht zur Ausübung der Einsiedler-Funktion. In Leserkreisen war es allerdings auch zur Kritik gekommen, die Bürgergemeinde suche für die 2000 Franken lediglich einen «Abwart» für die Einsiedelei – also eine billige Arbeitskraft.

Die Stellenausschreibung zum Einsiedler, die Anfang Mai auf der Homepage der Bürgergemeinde aufgeschaltet wurde.

Die Stellenausschreibung zum Einsiedler, die Anfang Mai auf der Homepage der Bürgergemeinde aufgeschaltet wurde.

Für Sergio Wyniger steht die Entlöhnung bei der jetzigen Bewerbungsrunde allerdings nicht im Vordergrund. Man fahre im Moment so weiter wie bisher, betont er, auf die Kritik angesprochen. «Aber wenn die Anstellung nur noch von der Entschädigung abhängt, müssen wir diesen Punkt anschauen.»

Anfang Mai hatte die Bürgergemeinde den Grundsatzentscheid gefällt, an der bisherigen, seit dem 15. Jahrhundert überlieferten Einsiedler-Tradition festzuhalten.