Lahmacun aus der Türkei, Pite aus Albanien oder Knöpfli aus der Schweiz – das sind nur einige der Speisen, die die Jugendlichen in ihrem selbstkreierten Rezeptbuch festgehalten haben. Im September stand für die 33 Schülerinnen und Schüler eine intensive Lagerwoche auf dem Programm, in der sie sich auch mit kulinarischen Köstlichkeiten ihrer Kultur auseinandersetzten.

Täglich wurden Speisen aus verschiedenen Ländern gekocht. Nun konnten sie das entstandene Produkt, ein Kochbuch mit 21 Rezepten aus 13 verschiedenen Ländern, feierlich enthüllen und dem Publikum präsentieren.

Breites Spektrum an Gerichten

Kurz vor dem Beginn der Vernissage herrscht emsiges Treiben im Schützenmattschulhaus. Laufend liefern die Jugendlichen ihre Delikatessen an, richten das Buffet ein oder proben noch einmal das Vortragen ihres Gedichtes oder den albanischen Tanz. Die Gäste – insbesondere Eltern und Geschwister – trudeln ein, die Stühle werden knapp.

Alle sind gespannt auf das Kochbuch, das – momentan noch unter einem Tuch versteckt – auf seine Enthüllung wartet. Von ihrem Werk sind die Schülerinnen und Schüler begeistert. Sie betonten, dass das Erstellen viel Spass gemacht habe. Susaa erzählt, dass er Roti zubereitet habe, eine Art Fladenbrot, das man in seinem Heimatland Sri Lanka esse. In seiner Familie kommen aber nicht nur tamilische Gerichte auf den Tisch, auch Schweizer Spezialitäten stehen auf dem Menüplan, wie Raclette.

«In der Lagerwoche wusste man oft nicht, was man genau auf dem Teller hatte», erzählt Sander. Es sei speziell gewesen, all die neuen Gerichte auszuprobieren. «Aber ich hätte nicht gedacht, dass tamilisches Essen so fein ist!», ergänzt er, der selber Saucijzenbroodjes gebacken hat – eine Art Schinkengipfeli aus seinem Heimatland Holland.

Das Spektrum der Gerichte ist breit und reicht von Knöpfli oder Hackfleischrosenkohlkugeln aus der Schweiz über die bekannten italienischen Spaghetti Napoli bis hin zu exotischen Speisen wie etwa Keyeh Tzebhi aus Eritrea, Kesari aus Indien oder Kaddled aus Sri Lanka. Carolina, die zusammen mit Domenik den Abend moderierte, erklärte, dass ihr Pite besonders geschmeckt habe. «Davon habe ich schon so oft gehört und nun habe ich es endlich einmal versuchen können.» Sie selbst hat portugiesische Sahnetörtchen zubereitet.

Was ist Heimat?

Es sind aber nicht nur Rezepte, die im Kochbuch der Siebtklässler enthalten sind. Auch stand im Unterricht die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und Herkunft im Zentrum. Die Jugendlichen erkundeten beispielsweise ihren Stammbaum oder schrieben über geografische, historische und kulturelle Besonderheiten ihrer Heimat.

Auch poetische Texte sind entstanden und wurden ins Buch aufgenommen. So erfährt man in den Heimattexten etwa von der Freundschaft unter Nachbarn in Eritrea und das Heimatgefühl in der Schweiz, weil man hier in Freiheit leben kann. Doch Heimat muss nicht unbedingt ein bestimmtes Land bedeuten, sondern kann auch den Ort meinen, wo man sich wohl fühlt. Domenik schrieb in seinem Heimattext über den Fussballplatz, Basil schrieb über seine Freunde und die Familie.

Durch das gemeinsame Kochbuch trägt die Vielfalt in den beiden siebten Klassen Früchte. Auch das Ziel, dass sich die Jugendlichen über den multikulturellen Austausch besser kennenlernen, scheint geglückt zu sein. So haben sie sich eine Grundlage für die Zusammenarbeit in den kommenden drei Schuljahren gelegt. Ausserdem haben viele durch die Auseinandersetzung mit ihrer Kultur und Herkunft auch Unbekanntes ihrer eigenen Wurzeln entdeckt und kamen sich so selber näher.