Städtepartnerschaft

Viel mehr als nur eine bürokratische Freundschaft

Majchrowski: «Die Städtepartnerschaft gründet auf dem Willen, sich auszutauschen.»

Majchrowski: «Die Städtepartnerschaft gründet auf dem Willen, sich auszutauschen.»

Die eine Stadt fasst eine Dreiviertelmillion Einwohner, die andere – im Vergleich fast ein Dorf – bloss 16000. Die Städtepartnerschaft zwischen Krakau und Solothurn ist eine zwischen ungleichen Freundinnen.

Und doch ist sie auch dem Krakauer Stadtpräsidenten Jacek Majchrowski einiges wert, wie er kürzlich anlässlich seines Besuchs in Solothurn mehrfach betonte: «Es ist keine rein bürokratische Partnerschaft, sondern überdies auch eine tiefe, emotionale Freundschaft.»

So träfen bei jedem Kontakt zwischen den Vertretern beider Städte immer auch Menschen aufeinander, die diese Freundschaft pflegen. «Die Beziehung zwischen Krakau und Solothurn ist gewollt und wird gelebt. Sie gründet auf dem Willen, zusammenzuarbeiten und Erfahrungen auszutauschen.»

Eine langjährige Freundschaft

Anlass für den Besuch waren die Jubiläumsfestivitäten der Kosciszko-Gesellschaft, die heuer ihren 75.Geburtstag feiert (wir berichteten). Dass der polnische Freiheitskämpfer Tadeusz Kosciuszko (1746–1817) bis zu seinem Tod in Solothurn lebte, begründete denn auch die Beziehung zwischen Krakau und Solothurn, die 1990 zu einer offiziellen Städtepartnerschaft wurde.

«Inoffiziell jedoch reichen unsere Kontakte bis in die Sechzigerjahre zurück», weiss Majchrowski. Insbesondere durch Solothurns alt Stadtpräsident Urs Scheidegger, den eine stetige Verbundenheit zu Polen antreibt, wurden erste zarte Bande zwischen den Städten geknüpft. Nicht zuletzt seine Bemühungen brachten Scheidegger deshalb nun auch die Ehrenbürgerschaft von Krakau ein.

Krakau – eine Stadt im Wandel

Seit der offiziellen Städtepartnerschaft haben zahlreiche gegenseitige Besuche die Freundschaft vertieft. «Die Veränderungen, die Krakau seit Anbeginn der Städtepartnerschaft durchlebt hat, können wohl die Vertreter aus Solothurn, die Gemeinderäte und Verwaltungsleiter, am besten beurteilen», deutet Majchrowski an. Und tatsächlich konnten diese bei ihren wiederkehrenden Abstechern in die polnische Grossstadt ein Erblühen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs Ende der Achtziger mitverfolgen: «Krakau hat sich sehr verändert – hinsichtlich Infrastrukturen, Verkehr und in anderen Belangen.» Überdies erwähnt er auch ein unterirdisches Museum, das sich unter dem vier Hektaren grossen Marktplatz befindet, das Museum für zeitgenössische Kunst und ein im Bau befindliches Konferenzzentrum.

Stets dankbar zeigt sich Krakau auch für die Finanzhilfen aus Solothurn, die den örtlichen Krankenhäusern zugutekommen: «Gerade die EU-Vorschriften ziehen einen Modernisierungsbedarf bei vielen alten Spitalgebäuden in Polen nach sich.» Über weitere Veränderungen in Krakau ins Bild setzen kann sich die Solothurner Delegation anlässlich ihres nächsten Besuchs in der Partnerstadt, der für 2013 angesetzt ist.

Souvenirs aus der Barockstadt

Jacek Majchrowski seinerseits nahm von seinem jetzigen Besuch in seinem Koffer vor allem positive Erinnerungen und seitens Stadtpräsidium einen Brieföffner mit Solothurner Stadtwappen mit nach Hause. Eigentlich hätte er von seinem Besuch auch gerne einen Löffel mit denselben Insignien in die Heimat mitgebracht: «Nur, leider habe ich keinen gefunden.» Stattdessen andere Souvenirs für den Kücheneinsatz, weniger dauer-, dafür aber schmackhaft: «An der HESO habe ich Käse und Räucherschinken gekauft», schmunzelt er. Ein positiver Nachgeschmack aus der Partnerstadt Solothurn bleibt also – in jeder Hinsicht.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1