Solothurn
Viel Lärm um ein einfaches Sandwich in der Imbissstube «Pepito»

«Nein, einen Traumstart hatten wir nicht gerade», stimmt Velican Zilkifli zu, der Anfang Januar den Imbiss «Pepito» an der Barfüssergasse übernommen hat. So ist in diesem Fall Nomen nicht nur ein Omen, sondern ein wahrer Fluch.

Andreas Kaufmann
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Das Leuchtschild mit «Pepito»-Produkten muss Velican Zilkifli (r.) wohl auch abschrauben. Der ehemalige Geschäftsinhaber Hidir Güvenoglu (l.) kann darüber nur den Kopf schütteln.Andreas Kaufmann

Das Leuchtschild mit «Pepito»-Produkten muss Velican Zilkifli (r.) wohl auch abschrauben. Der ehemalige Geschäftsinhaber Hidir Güvenoglu (l.) kann darüber nur den Kopf schütteln.Andreas Kaufmann

Kürzlich nämlich flatterte dem Geschäftsführer ein Brief aus Zürich ins Haus. «Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass der Name Pepito von unserer Firma Schoch und Partner geschützt wurde und ohne unsere Zustimmung nicht von Ihnen benützt werden darf.» Der Name «Pepito», der sowohl im Namen des Imbisshauses als auch in den angebotenen Produkten vorkommt, müsse weg – innert 14 Tagen.

Ausschau nach Sandwich-Plagiaten

Hinter Schoch und Partner steht die Commercio-Gruppe, eine Lebensmittelkette, die «Pepito», ein Baguettesandwich mit Rindshohrücken-Steak und patentierter Geheimsauce, vor 15 Jahren markenrechtlich schützen liess. So erfreut sich der Snack insbesondere im Grossraum Zürich grosser Beliebtheit. Wohl nicht zuletzt deshalb hält «Commercio» derzeit in der ganzen Schweiz Ausschau nach Sandwich-Plagiaten.

Aber von einer mutwilligen Kopie kann im Falle Solothurns nicht die Rede sein. Entsprechend war Zilkifli überrascht über den Brief: «Es war wirklich ein Schock.» Auch der frühere Geschäftsinhaber Hidir Güvenoglu schüttelt den Kopf: «Seit sieben Jahren trägt das Geschäft diesen Namen», und Hinweise auf eine Markenregistrierung habe er keine gefunden. Zudem läuft auch die Internetadresse www.pepito.ch auf seinen Namen, ohne dass jemals jemand anders Anspruch darauf erhoben hätte.

Nicolas von Graffenried, Teilhaber der Commercio-Gruppe, bestätigt auf Anfrage den Markenschutz des Namens «Pepito»: «Es wird uns laufend zugetragen, dass der Name da und dort gebraucht wird. Und dem gehen wir in jedem Fall nach.» – «Da und dort», weiss Zilkifli, heisst: mindestens in jeder zweiten Imbissstube. Von Graffenried betont seinerseits, der Name «Pepito» sei nicht alltäglich. Bislang betrachtet er die Briefaktion als erfolgreich: «Wir haben die Leute abgemahnt, und meistens konnten wir die Angelegenheit im Guten lösen. Schliesslich sind wir auch nicht Bulldozer und gehen behutsam vor.» Allerdings nehme man im besonderen Fall Solothurns auch an, dass die Verhandlungen als Ganzes auch die Internetadresse www.pepito.ch beinhalten werden.

Erhebliche «Umtaufkosten»

«Commercio» gibt der Solothurner Imbissstube nun nach gegenseitiger Absprache bis Ende März Zeit, die Namensänderung umzusetzen. Die Umstellung auf einen anderen Namen geht aber auch ins Geld: So muss der Gastrobetrieb nicht nur sein Speisekarten-Leuchtschild auswechseln, sondern auch die Aussenbeschilderung und die Prospekte. Insgesamt rechnen Velican Zilkifli und seine Frau Cemile Zilkifli mit Kosten in der Höhe von 10000 Franken. «Was haben wir in den bisherigen wenigen Wochen schon verdient, dass wir das einfach so hinblättern können?», fragt sich Cemile Zilkifli.

Auf alle Fälle schweben schon Namensideen im Raum, was das vor allem bei Kantonsschülern beliebte Lokal angeht: «Stadtgrill» ist eine davon. Eine kurze Recherche in Markendatenbanken deutet darauf hin, dass die Zilkiflis mit dieser Wahl wohl auf der sicheren Seite wären, «Stadtgrill» ist dort nicht auffindbar – noch nicht.