Giovanni Gabrieli (1557–1612) blieb bis heute der bekannteste Verfechter der Venezianischen Mehrchörigkeit, die am Übergang von der Renaissance zum Barock ihre Hochblüte hatte. Mit seinem «Jubilate Deo» eröffneten die Singknaben ihr Konzert. Wie das Gabrieli vorsah und selber getan hätte, teilte der musikalische Leiter Andreas Reize seinen über 60 Kehlen starken Chor in Gruppen auf. Die verteilten sich auf verschiedene Stellen der Kirche. Der dadurch entstandene beeindruckende Raumklang wurde durch unterschiedliche, fein abgestimmte wechselnde Dynamik subtil ausgenutzt.

Vom ersten Ton an beherrschten Faszination und freudige Erwartung die Atmosphäre. Das Publikum lauschte gefesselt. Es machte sich Bewunderung breit für die jungen Leute, die heute den ältesten Knabenchor der Schweiz bilden. Die dehnte sich auf Andreas Reize aus, der seit 2007 die Singknaben leitet. Er war als Solothurner selber Singknabe, bevor seine steile Karriere in der Chor- und Musikszene begann. Mit lauter geistlichen Motetten – alle mit anderer Aufstellung – gestaltete er den ersten Konzertteil. Mit diesen konnten die jungen Sänger ihr erstaunliches Können offenbaren. Damit liess Reize aber auch die unterschiedlichen Musikepochen, insbesondere des Kirchengesangs vorüberziehen. Da durfte natürlich der grosse Johann Sebastian Bach nicht fehlen. Mit seinem «Komm, Jesu, komm» BWV 229 beschlossen die Singknaben ihren ersten Konzertteil, um direkt in den zweiten, weltlichen zu wechseln. Den begannen sie mit «Dr Heimetvogel», also dem Lied, das alle aus dem Schulgesangsbuch zu kennen glauben. So dünn wie das zweistimmige, bestenfalls noch dreistimmige Schullied mochten es die Jungs nicht singen. Die Singknaben verwendeten den Satz des Solothurners Mario Ursprung. Der schrieb dazu einen vierstimmigen Satz, dessen Mittelstimmen teilweise auch noch geteilt sind. Das stellte für die jungen Kehlen genau so wenig ein Problem dar, wie das Arrangement von Heinz Krato zum nachfolgenden Titel der «Beatles». Besonderen Spass schien den Jungs der berndeutsche Titel zu bereiten. Da sprach sie wohl eher der Text an. Darin sinniert nämlich Mani Matter in seiner typischen, amüsanten Art über ein Sandwich nach.

Musikalische Grüsse aus Schweden

Das offizielle Programm schlossen die Singknaben mit «Chili con Carne» ab. Mit dieser faszinierenden Komposition des Schweden Anders Edenroth zeigten die Singknaben eine weitere Facette ihres erstaunlich weit gefassten Repertoires. Es ist quasi ein Mitbringsel aus ihrer Konzert-Tournee durch Schweden im vergangenen Herbst. Edenroth ist Altus des Gesangsquartetts «The Real Group». Deren Kompositionen und Arrangements geniessen weltweit Anerkennung. Sie sind auch für die Singknaben eine gerne genutzte Inspirationsquelle. Um diesen Schlusspunkt auch optisch noch etwas aufzupeppen, entwarf Rosmarie Grünig für die Jungs eine einfache Choreografie. Selbstverständlich hatten sie auch die im Griff, ohne dass dabei etwas vom musikalischen Inhalt verloren ging. Die Zugaben – solche wurden unmissverständlich gefordert – wurden alle drei in italienischer Sprache gesungen. Das hatte natürlich auch einen Grund: Ende September reisen die Singknaben nach Italien. Auf ihrer Konzertreise werden sie in Bologna, Rom, Macerata, Scansano und Landriano auftreten. Zweifellos werden sie dabei genau so grosse Begeisterung ernten und geniessen dürfen, wie sie das auf ihren bisherigen Auslandreisen und natürlich auch diesmal wieder in Solothurn durften.