Stadttheater Solothurn
«Verwandte sind auch nur Menschen» - Erich Kästner im Stadttheater Solothurn

Die Liebhabertheater-Gesellschaft spielt eine Komödie des Dresdner Autors Erich Kästner. Das Stück begeisterte bei der ersten Aufführung im Stadttheater Solothurn.

Katharina Arni-Howald
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Max Schor als Diener Friedrich Rutschi, Jürg Rohrbach als Hauptmann a.D. Otto Zehnder, Angélique Brancato als Augusta Zehnder, Marie-Jo Brancato als Alina Zehnder, Anja Müller als Antonia Zehnder und Sabina Vitelli als Ingeborg Zehnder im Stück «Au Verwandti si nume Mönsche».

Max Schor als Diener Friedrich Rutschi, Jürg Rohrbach als Hauptmann a.D. Otto Zehnder, Angélique Brancato als Augusta Zehnder, Marie-Jo Brancato als Alina Zehnder, Anja Müller als Antonia Zehnder und Sabina Vitelli als Ingeborg Zehnder im Stück «Au Verwandti si nume Mönsche».

Zur Verfügung gestellt

Die Liebhabertheater-Gesellschaft Solothurn durfte sich freuen. Beinahe voll besetzt war das Stadttheater, als sich der Vorhang am Samstagabend öffnete und den Blick auf ein mit viel Geschmack geschaffenes Bühnenbild freigab. Nach der ersten Produktion «Venedig im Schnee» geht es, diesmal unter der Regie von Pius Portmann, mit der gleichen Heiterkeit weiter. Nur dass dieses Mal kein Geringerer als der scharfzüngige Wortkünstler und humorvolle Moralist Erich Kästner den Stoff für 16 theaterbegeisterte Laiendarsteller liefert. Mutig wagten sie sich an die nicht eben einfache und wenig bekannte Komödie «Verwandte sind auch nur Menschen» des in Dresden geborenen Satirikers heran und enttäuschten ihre Fans nicht. Vor nicht allzu langer Zeit von Martin Willi ins Schweizerdeutsche übertragen, fordert das charmante Lustspiel mit zeitkritischem Hintergrund von den Darstellern je nach Erfahrung einiges an Können, und entsprechend intensiv dürften auch die Proben ausgefallen sein. Der Effort war nicht vergebens: Das Stück begeisterte und erntete entsprechenden Applaus.

Ein schnüffelnder Reporter

Die Geschichte, die von viel Situationskomik lebt und die unterschiedlichsten Charaktere an den Tag bringt, spielt in einer offensichtlich prächtigen Villa mit ebenso bemerkenswertem Umschwung. Zu sehen bekommt das Publikum vorerst den Diener Friedrich Rutschi (Max Schor). Doch dieser bleibt nicht lange allein. Allmählich trudeln auch Paula Schmidhauser (Trudi Marti), Professor Dr. Christian Schmidhauser (Fredi Salvisberg), seine elegante Gattin, Maria Theresia Schmidhauser, geborene von Kotzel (Renée Michel) und die exzentrische Künstlerin Cécile Schmidhauser (Sandra Wertli) ein. Stramm preussisch tritt Otto Zehnder, Hauptmann a. D. (Jürg Rohrbach) mit Frau Ingeborg (Sabine Vitelli) und seinen drei Töchern Antonia (Anja Müller), Augusta (Angélique Brancato) und Alina (Marie-Jo Brancato) in Szene. Das gleiche Ziel, nämlich den soeben verstorbenen Hausherrn zu beerben, haben auch Emmi Gautschi (Monika Zutter) und die Geschwister Therese und Emil Brem (Andrea Müller und Stefan Huber). Der junge Brem hält sich für einen schlauen Detektiv und das Professorenehepaar zögert nicht, das Haus zu vermessen, bevor die Testamentseröffnung vollzogen ist. Für Aufsehen sorgt auch Urs Bühler (Matthias Ostermeier), der sich als der in Südafrika lebende Theodor ausgibt, in Tat und Wahrheit aber ein schnüffelnder Reporter ist.

Rache an der Verwandtschaft

Die Vorfreude am Erben wird bei der Testamentseröffnung jäh zunichtegemacht. Die Erben erfahren, dass ihr Verwandter, der vor 40 Jahren nach Amerika auswanderte und dort ein riesiges Vermögen anhäufte, sein ganzes Vermögen seinem Diener Friedrich Rutschi vermacht hat. Damit wollte er sich bei seiner Sippe, die ihm in jungen Jahren übel mitgespielt hatte, rächen. Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende: Der Totgeglaubte ist gar nicht tot, sondern hat sich das Ganze mit seinem Jugendfreund und Anwalt,
Dr. Weber (Urban von Arx), bloss ausgedacht. Als dann plötzlich noch ein anderer Diener (Andi Hubert) auftaucht, ist der Wirrwarr komplett.

Es müsste nicht der liebenswerte Sittenlehrer Kästner sein, wenn sich das Ganze nicht doch noch in Minne auflösen würde. Der reiche Onkel erkennt, dass seine Verwandten liebenswürdige Menschen sind und die turbulenten Tage mit ihren Verwechslungen, Verliebtheiten und Täuschungen auch für ihn lehrreich waren. Mit anderen Worten: «Au Verwandti si nume Mönsche.»

Weitere Vorstellungen: Dienstag, 19.3., und Donnerstag, 21.3, je 19.30 Uhr sowie Sonntag, 24.3., 17 Uhr und Samstag, 6.4., 19 Uhr.