Solothurn
Verspielte Kunst mit der Feinpinzette

Uhrmacher Alfred Süess zeigt im "Amueseum" im Solothurner Touringhaus noch bis Sonntag Objekte in Kleinst- und Normalgrösse.

Andreas Kaufmann
Drucken
Teilen
Ausstellung im Solothurner "Amueseum" mit Werken von Alfred Süess
9 Bilder
 Werk der kleinsten Pendeluhr der Welt (Replik) (Fotos: Hansjörg Sahli)
 Aus dem Fundus des Uhrmachers und Künstlers Alfred Süess (Fotos: Hansjörg Sahli)
 Aus dem Fundus des Uhrmachers und Künstlers Alfred Süess (Fotos: Hansjörg Sahli)
 Aus dem Fundus des Uhrmachers und Künstlers Alfred Süess (Fotos: Hansjörg Sahli)
 Die tanzenden Skelette begrüssen die Besucher der Ausstellung von Alfred Süess im "Amueseum" (Fotos: Hansjörg Sahli)
 Replik der kleinsten Pendeluhr der Welt, ein technisches Wunder mit einer Kantenlänge von neun Millimetern, bestehend aus 150 Einzelteilen. (Fotos: Hansjörg Sahli)
 Aus dem Fundus des Uhrmachers und Künstlers Alfred Süess (Fotos: Hansjörg Sahli)
 Aus dem Fundus des Uhrmachers und Künstlers Alfred Süess (Fotos: Hansjörg Sahli)

Ausstellung im Solothurner "Amueseum" mit Werken von Alfred Süess

Fünf tanzende Skelette führen auf Knopfdruck ihre Kaufhaus-Choreografie auf. Mit diesem kleinen Scherz wird der Besucher im «Amueseum» im Touringhaus in Solothurn begrüsst. Die makaberen Zeitgenossen aus Plastik waren ein Spontankauf des Luzerner Uhrmachers und Künstlers Alfred «Fredy» Süess, der bis Sonntag seine Werke vorstellt. Kurator Pavel Schmidt rückt regelmässig Sammlungen, vor allem aber ihre Schöpfer, in den Mittelpunkt – «auf einmalige Art, ohne Museen noch Galerien zu konkurrieren», so Schmidt. Auch der aktuelle Schwerpunkt im «Amueseum» besticht durch ein Wechselspiel zwischen Handwerk und Kunst sowie zwischen dem unveränderten Alltagsgegenstand und dem, was daraus werden könnte. Süess bewahrt und gestaltet .

Über Bewegung und Zeit

Als Süess seine Uhrmacherlaufbahn einschlug, scherte er auch öfter ins Künstlerische aus. «Fredy ist kein Schmalspur-Scheuklappen-Fachmann», sagt Schmidt, der den breit interessierten Süess vor elf Jahren kennen gelernt hat – eine Freundschaft, die letztlich auch die Werkschau nach Solothurn gebracht hat.

Und dafür kennt man ihn: Er dringt in Sphären des Mikrokosmos vor, ausgerüstet mit Zehnfach-Lupe und Feinpinzette. So entpuppt sich ein Krümelchen Zigarettenpapier als 1,2 Millimeter langes Papierschiffchen. Inoffiziell das kleinste der Welt. Doch auch offiziell Verbrieftes findet sich in Süess’ Sammlung: die kleinste Pendeluhr überhaupt, festgehalten im Guinness-Buch der Rekorde und als Replik auch in Solothurn zu sehen. So viel zum Gestalter Süess.

Ersatzteile als Ausstellungsobjekt

Bei anderen Exponaten ist er lediglich Bewahrer: In seinem Lager in Luzern finden sich mehr als 25 Millionen Uhrenteile, filigrane Schräubchen, Rädchen und Zeigern. Uhrenfirmen verdanken es ihm, dass er einiges von dem bewahrt hat, was an Einzelteilen während der Uhrenkrise nach 1970 in den Schmelzöfen gelandet wäre. Einige dieser «Fossilien» zeigt er auch in Solothurn.

Wer Süess’ künstlerische Handschrift nach dem dritten Objekt zu kennen glaubt, wird spätestens nach dem sechsten wieder ratlos im Raum stehen. Einen typischen «Süess» gibts nicht: Mal ist es ein verspielter, mal ein technisch hochpräziser und dann wieder ein nostalgisch verträumter. Seinem Schaffen liegt keine künstlerische Konzeption zugrunde, keine Abfolge von Schaffensperioden. Nur das Konzept des Alltags zählt, die Entdeckung des Zufälligen: «Ich mag es, wenn Ideen spontan entstehen.»

Ausstellung: Fr, 3., bis So, 5. Dezember, 12 bis 18 Uhr, «Amueseum» Touringhaus.

Aktuelle Nachrichten