Solothurn

Versicherungen planen Ersatzneubau – dagegen regt sich sozialer Protest

Die nördliche Mühlegut-Überbauung in Solothurn zwischen Langendorf- und Weissensteinstrasse soll einem fünfteiligen Neubauprojekt weichen. Kritische Stimmen aus der Mieterschaft befürchten, nach dem Neubau nicht mehr einziehen zu können.

Der nordwestlichste Zipfel der Stadt – das Mühlegut – soll eine Auffrischung erhalten. Eingebettet zwischen der Bahnlinie nach Oberdorf und dem Delta-Areal umfasst das nördliche Mühlegut heute fünf Wohnblöcke mit 79 Wohnungen. Nun informierten Behörden sowie die Eigentümerin Helvetia Versicherungen rund 35 Anwohner und weitere Besucher über ein Neubauprojekt im «Mühlegut I». Die Infoveranstaltung begleitet das Mitwirkungsverfahren, das bis 12. Juli dauert. «Die Gebäude von 1952 entsprechen bautechnisch nicht mehr dem heutigen Standard», befand Peter Hirt, Leiter der Helvetia-Immobilienbewirtschaftung.

Er verwies auf nicht mehr markt- und mietergerechte Verhältnisse und ineffiziente Wohnungsgrundrisse und machte neue Anforderungen an Schallschutz, Energieeffizienz, und behindertengerechte Bauweise geltend. «Eine Sanierung löst das Problem nicht. Die Eingriffstiefe wäre zu tief.» In fünf Ersatzneubauten mit sechseckigem Grundriss sollen bis Herbst 2018 31 2½-Zimmer-Wohnungen, sowie 27 Wohnungen mit 3½ Zimmern und 12 mit 4½ Zimmern entstehen, dies auf jeweils drei Stockwerken plus Attika. Damit folgt man Studien, wonach pro Haushalt im Schnitt noch 1,7 Personen gezählt würden. Zum Projekt zählt eine neue Tiefgarage nördlich der Geissfluhstrasse, während die südliche Tiefgarage erhalten bleibt. 

Für die Überbauung sei aus städtebaulicher Sicht ein Gestaltungsplan sinnvoll. So soll die Nutzungsziffer von 0,6 auf 0,72 erhöht werden, aber nicht um eine Verdichtung im städtebaulichen Sinne zu erreichen, wie dies Benedikt Graf von Graf Stampfli Jenni Architekten AG ausführte. Die Form der Gebäude leitet sich aus der Absicht her, mit den umgebenden Bau- und Strassenstrukturen optische Parallelen zu schaffen und eine lärmtechnisch optimierte Überbauung zu schaffen.

«Es muss entmietet werden»

Im April 2014 wurde klar: «Es muss entmietet werden». Die Mietverhältnisse haben bis Sommer 2016 Bestand, mindestens aber bis zur Genehmigung des Gestaltungsplans, wie Hirt zusicherte. Und so ist nun für die Bewohner des «Mühlegut I» eine Mietkündigung am Ende jedes Monats möglich. Ebenso sollen die ausziehenden Mieter ein Vormietrecht für andere Helvetia-Liegenschaften in Solothurn, Langendorf oder Zuchwil erhalten. Über den Mietzins in der neuen Überbauung konnte Hirt lediglich mitteilen, dass sich diese im mittleren Preissegment befänden, vergleichbar mit den Helvetia-Wohnungen in der Sphinxmatte.

Stadtplaner Daniel Laubscher zeigte sich überrascht über das rege erschienene Publikum – wenngleich dieses den Anlass kritisch verfolgte. Ein Anwohner, der auch für einige seiner Nachbaren in die Rolle des Fürsprechs für die sozial Schwächeren schlüpfte, appellierte an die soziale Verantwortung der Planer: «Das Mühlegut ist eines der letzten Solothurner Quartiere mit erschwinglichen Preisen.

Wo sollen wir hin, wenn wir uns die Mieten nicht mehr leisten können?» Hirt betonte, dass man sich nicht nur als Vermieter, sondern auch als Anleger von Kundengeldern verstehe. Einer der Anwesenden regte eine weitergehende Verdichtung auf vier Stockwerke an, was auch die Mieten senken würde. Der Gestaltungsplan wird voraussichtlich diesen Winter aufgelegt.

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