HESO-Nachwehen

Verschwundener Stiefel war nicht mehr das Original – weitere Attacken auf Kunstwerk befürchtet

So funktionierte der verschwundene Stiefel

So funktionierte der verschwundene Stiefel

Vor dem Kunstmuseum Solothurn steht der Brunnen mit dem Stiefel-Kunstwerk von Roman Signer. Dieses wird seit Samstag, 28.September 2019 vermisst.

Nicht nur der abhanden gekommene Stiefel von Roman Signer beschäftigt das Kunstmuseum Solothurn. Die Auswirkungen der Herbstmesse Solothurn HESO generell auf den Museumspark führen zu Diskussionsstoff.

Am Samstagmorgen wurde er bemerkt, der fehlende Stiefel, den Roman Signer 2004 als wasserspeiende Kunstinstallation über dem Brunnenbecken im Park des Kunstmuseums hatte montieren lassen. Als «uhuere Verluscht» sieht Christoph Vögele, Konservator des Kunstmuseums, den Diebstahl durch Unbekannte. «Roman Signer ist ein Weltstar und der Stiefel ist sein bekanntestes Werk. Viele Leute sind nur wegen ihm hierhergekommen.»

Immerhin kann Vögele, wenn auch eher ungern, die Auswirkungen der nächtlichen Untat etwas relativieren: Es handelte sich beim jetzigen Stiefel bereits um den zweiten. «Das Original wurde vor einigen Monaten total versprayt und durch einen zweiten, damals angefertigten Stiefel ersetzt.»

Ungern gibt er diese Information, weil er weitere Attacken auf den Stiefel befürchtet. Dieser ist nämlich nicht unrettbar verloren. «Wir haben noch die originale Gussform und die Zusammensetzung des PVC-Materials für den Stiefel.»

Ein Neuguss würde zwar mehrere Tausend Franken kosten und zum Versicherungsfall werden. «Deshalb wäre es schon cool, wenn der Stiefel wieder auftauchen würde», so Vögele. Weiterhin unklar ist für ihn auch, ob das lange Stahlrohr mit dem in Beton eingegossenen Stiefel oben am Querträger demontiert oder «abgewürgt» worden ist, oder einfach von einem Parkbänkli aus, das ins Becken gestellt worden war, herausgeschraubt wurde. Deshalb könne er auch nicht beurteilen, ob ein nächster Stiefel allenfalls besser gesichert werden sollte.
Dennoch: «Ich finde es überhaupt nicht mehr lustig und habe wirklich Angst um meine Kunstobjekte im Park», betont Vögele.

«Das ist nicht primär ein Problem der HESO»

Unter Generalverdacht stehen natürlich jugendliche Nachtschwärmer, die sich nachts in Gruppen rund um die HESO tummeln und dort vor allem auch ein grösseres Littering-Problem verursachen. Urs Unterlerchner, OK-Präsident der Herbstmesse, bedauert zwar den Verlust des Stiefels, meint aber: «Es ist schade, sind wir nun als HESO mit solchen Geschichten konfrontiert. Die Messe verlief sehr gut und nun beschäftigen uns zwei Nebenschauplätze.» Er stellt Hilfe und einen Aufruf zur Wiederbeschaffung des Kunstobjekts in Aussicht, verweist aber darauf, dass «das ganze nicht primär ein Problem der HESO ist. Wir haben es hier mit einem gesellschaftlichen Problem und mangelnder Erziehung zu tun.»

Man betreibe einen immensen, stetig steigenden Aufwand auch ausserhalb des HESO-Perimeters, um keine Konfliktsituationen mit Anwohnern und Nachbarn wie dem Kunstmuseum aufkommen zu lassen. Zudem gebe es mit dem Jugendzelt im Schanzengraben ein Angebot auch für ein jüngeres Messepublikum. Doch sei man fast machtlos gegen Leute, die mitgebrachten Alkohol unmittelbar neben der HESO konsumierten und für massenhaft Abfall sorgten. «Wir haben viel Aufwand ohne Ertrag mit diesen Leuten. So wurden beispielsweise im Museumspark grosse Abfallbehälter aufgestellt, aber diese werden ignoriert.» Regelmässig sorge man auch durch den Werkhof für eine Reinigung der Anlage, «obwohl beim Putzen klar ersichtlich wird, dass es sich kaum um Abfälle von HESO-Anbietern handelt.»

Und auf die Frage, was man denn sonst noch tun könnte, meint Unterlerchner lakonisch: «Wir ziehen ein Gitter um das Kunstmuseum herum – wenn das gewünscht wird.»

Über das Putzen gehen die Meinungen auseinander

Im Kunstmuseum ist Christoph Vögle nicht zufrieden mit dem vereinbarten Putzservice. «Immer müssen wir bitti- bätti machen, damit alles sauber ist, bevor das Museum öffnet.» Unterlerchner räumt ein, dass am Sonntagmorgen durch einen Schichtwechsel im Werkhof die Reinigung des Parks unterblieben sei, aber sonst müsse das Museumspersonal sicher nicht selbst die Arbeiten vornehmen. «Wenn man uns anruft, kommen wir sofort, und sonst putze ich selbst.»

Vögele wiederum bleibt dabei, dass auch an anderen Tagen nicht alles paletti gewesen sei: «Wir bemerkten ja am Samstagmorgen das Parkbänkli im Wasserbecken, als wir unser Haus öffnen wollten. Kann man da von ‹geputzt› reden?»

Von einer Umgitterung des Hauses hält er nichts – das würde nur noch mehr zu nächtlichen Streichen verleiten. Und: «Gegen die HESO selbst habe ich eigentlich nichts.»

«Solange es Leute hat, sind wir präsent»

«Der Park ist uns nicht als Brennpunkt bekannt», erklärt Walter Lüdi, stv. Kommandant der Stadtpolizei. Kritische Punkte seien vielmehr der Vaubanweg oberhalb des Schanzengrabens und der Raum beim Baseltor, aber auch die St. Ursen-Bastion, wo sich immer wieder Unverbesserliche halsbrecherisch auf den Schanzenmauern breitmachten.

Generell aber gelte für die auch sehr demonstrativ auftretende Stadtpolizei: «Wenn wir etwas feststellten, wird interveniert. Und solange es Leute an und um die HESO hat, sind wir präsent.» Auf dem Gelände hat zudem die Securitas ihre ganz bestimmten Aufgabenbereiche. Zutrittskontrollen zur HESO wären allerdings sehr schwierig zu realisieren, stellt Lüdi im weiteren klar.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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