Schweizer Fernbusnetz
Verpasst Solothurn den Anschluss? Fernbus-Betreiberin sucht vergebens nach Haltestelle

Bei der Suche nach einer Haltestelle für die geplanten Fernbusse stösst die Busbetreiberin Domo Reisen in der Stadt Solothurn auf Widerstand. Die Stadt verweigerte bisher die Zusage.

Franz Schaible
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Zwar halten vor dem Gewerbeschulhaus heute schon Cars, die Reisende etwa für Italienfahrten aufladen. Und auch die Busse, die die Schüler ins Lehrlingsturnen im CIS fahren, starten von hier. Als Fernbushalt sieht die Stadt den Carparkplatz an der Niklaus-Konrad-Strasse in der Vorstadt trotzdem nicht.

Zwar halten vor dem Gewerbeschulhaus heute schon Cars, die Reisende etwa für Italienfahrten aufladen. Und auch die Busse, die die Schüler ins Lehrlingsturnen im CIS fahren, starten von hier. Als Fernbushalt sieht die Stadt den Carparkplatz an der Niklaus-Konrad-Strasse in der Vorstadt trotzdem nicht.

Michel Luethi

Im kommenden Dezember soll es so weit sein: Die Zürcher Domo Reisen AG will als erstes Carunternehmen nationale Busverbindungen anbieten. Zwar liegt die Konzession des Bundesamtes für Verkehr (BAV) noch nicht vor, aber Testfahrten wurden bereits durchgeführt. Und bei Domo Reisen wird bereits ein Fahrplan mit genau definierten Haltestellen ausgearbeitet. Und da stockt es in der Stadt Solothurn. Hier möchte Domo Reisen auf der Fernbuslinie von St. Gallen nach Genf an der Niklaus-Konrad-Strasse (vis-à-vis Oetterli Kaffee) Stopp machen.

«Die Stadt Solothurn verweigert die Passagieraufnahme an der geplanten Haltestelle und macht keinen Vorschlag einer Alternative», sagt Patrick Angehrn, Leiter Linienbusverkehr bei Domo. Ende Juli habe ihm das Tiefbauamt der Stadt Solothurn mitgeteilt, dass vorläufig keine Bewilligung für die Haltestelle für den Fernbus erteilt werde. Man wolle zuerst noch Abklärungen treffen und den Konzessionsentscheid des BAV abwarten. Auf mehrere Nachfragen per Mail über den aktuellen Stand der Abklärungen und den Vorschlag für eine Besprechung zwischen der Stadt und Domo Reisen habe die Stadtverwaltung nicht geantwortet.

Dabei habe sich, so Angehrn, der Dialog bewährt: «Wir haben in den vergangenen Wochen Gespräche mit zahlreichen Städten und Gemeinden geführt, bei welchen wir bislang immer eine Lösung betreffend der Haltestellen für unseren nationalen Fernbus finden konnten.»

Zum Beispiel in Olten, wo die Fernbusse auf der Strecke von Zürich über Basel nach Lugano Halt machen sollen. «Die Bewilligung des Kantons Solothurn für die Benutzung des bisherigen Busterminals an der Gösgerstrasse liegt auf dem Tisch.»

Bundesamt will vor dem Fahrplanwechsel entscheiden

Zuständig für die Erteilung der Konzession für die drei geplanten inländischen Fernbuslinien der Domo AG ist das Bundesamt für Verkehr (BAV). Wann der Entscheid fällt, ist noch offen. Nach der abgeschlossenen Anhörung bei Kantonen, Transportunternehmen usw. laufe derzeit das BAV-interne Verfahren, erklärt BAV-Sprecher Gregor Saladin. Man strebe an, den Entscheid rechtzeitig vor dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember zu fällen. Bei einem positiven Entscheid werden die Fernbus-Strecken im neuen Fahrplan integriert. Letzten Sommer hat der «Beobachter» unglaubliche Erlebnisse von Fahrgästen und ehemaligen Chauffeuren von Domo Reisen publiziert, welche sich vor einigen Jahren abspielten. Sie berichteten über Verletzungen der Arbeits- und Ruhezeit. Ein Fahrgast erklärte, er habe sich auf einer Reise nach Ungarn selbst hinters Steuer gesetzt, weil der Fahrer völlig übermüdet gewesen sei. Wird die Kritik den Konzessionsentscheid beeinflussen? Nein, sagt Saladin. «Diese Vorwürfe spielen keine direkte Rolle.» Für die Konzession sei eine Bewilligung für gewerbsmässigen Personenverkehr eine Voraussetzung. «Diese ist weiterhin gültig, weil die genannten Vorwürfe nicht juristisch abgeklärt wurden.» Erst danach wäre ein Entzug der Bewilligung zu prüfen. Dagegen ist der Fall für die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) klar: «Wir fordern das BAV auf, die Prüfung einer Konzessionserteilung an Domo Reisen sofort abzubrechen», schrieb der SEV nach Erscheinen des Artikels. Patrick Angehrn von Domo Reisen hält fest, dass die Löhne der Chauffeure in den Weisungen des BAV klar festgelegt seien. «Das BAV hat sowohl unsere Löhne als auch unser Personalreglement geprüft und genehmigt.» (FS)

Haltestelle «nicht optimal»

Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamtes Solothurn, bestätigt auf Anfrage: «Wir haben der Anfrage von Domo Reisen zurzeit nicht zugestimmt». Die Haltestelle an der Niklaus-Konrad-Strasse sei «nicht optimal». Sie könne nicht aus allen Richtungen von den Hauptverkehrsachsen angefahren werden, es seien Wendemanöver innerhalb des Quartieres nötig und es komme auch zu Behinderungen für die städtischen BSU-Busse während des Ein- und Aussteigens bei den Fernbussen.

In diesem Zusammenhang weist Patrick Angehrn daraufhin, dass die Haltestelle ja jetzt schon für Fernbusse und sonstige Carreisen benutzt werde. Tatsächlich wird im aktuellen Verzeichnis des BAV über die wichtigsten Haltestellen für den grenzüberschreitenden Linienbusverkehr für Solothurn die Niklaus-Konrad-Strasse aufgeführt. Auch beim regionalen Carreiseunternehmen Schneider Langendorf beispielsweise ist der Standort vis-à-vis Oetterli Kaffee als Einsteigeort aufgeführt. Und es gehe um täglich nur vier Bus-Stopps à 5 Minuten. Angehrn folgert daraus, dass «die Stadt de facto den Anschluss von Solothurn ans nationale Fernbusnetz verhindert».

Prüfung von Alternativen

Diesen Vorwurf weist Lenggenhager zurück. Solothurn sei grundsätzlich an solchen Haltestellen interessiert. «Das Angebot von Haltestellen für Fernbusse erhöht die Attraktivität einer Stadt.» Es sei aber so, dass die Situation an der Niklaus-Konrad-Strasse schon heute unbefriedigend sei. Und die vier zusätzlichen Stopps würden die Situation erschweren. Deshalb prüfe man mit verschiedenen Stellen, ob Alternativen möglich seien. Die Stadtbauamt-Chefin sagt, dass Carfirmen ihre Fahrgäste zum Teil am Holunderweg auf der Südseite des Bahnhofs ein- und aussteigen lassen. «Wir loten derzeit Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation aus.» Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus, würde eine Haltestelle begrüssen. Die gute öffentliche und private verkehrstechnische Erreichbarkeit sei für jede touristische Destination wichtig und wünschbar. Ein Anschluss ans Fernbusnetz wäre trotzdem «nice to have».

Diese Woche sei eine Besprechung über weitere Möglichkeiten von Haltestellen für Fernbusse und Carunternehmen mit den bisherigen Beteiligten vorgesehen, so Lenggenhager weiter. Danach sei man gerne bereit, die Angelegenheit mit den Verantwortlichen der Domo Reisen zu besprechen. Die Frage, ob Domo Reisen die Niklaus-Konrad-Strasse im Falle eines positiven Konzessionsentscheides des BAV benutzen könne, sei derzeit nicht zu beantworten.

Halb so teuer, dafür aber länger

Ab Dezember 2017 will Domo Reisen den fahrplanmässigen Betrieb seines «Swiss Express» starten. Zweimal pro Tag sollen die Domo-Busse auf den drei Strecken von St. Gallen nach Genf, von Basel nach Lugano und von Chur nach Sitten fahren. Lockmittel ist der Preis. Die Busfahrt soll halb so teuer sein wie mit den SBB. Kostet das Billett (einfach) von Solothurn nach Genf mit der Bahn 59 Franken oder 29.50 Franken mit Halbtax, verlangt Domo für die Fernbus-Fahrten je nur die Hälfte. Allerdings dauert das Reisen mit dem Bus deutlich länger. Nach Genf ist man von Solothurn aus fast vier Stunden unterwegs, mit dem Zug nur rund zwei Stunden. Zudem kann Domo auch bei den Frequenzen und Verbindungsmöglichkeiten mit dem Angebot des übrigen öffentlichen Verkehrs nicht mithalten. Trotz der Tiefpreise sei ein rentabler Betrieb möglich. «Wir betreiben das Geschäft mit einer maximalen Effizienz», so Patrick Angehrn, Leiter Linienbusverkehr bei Domo Reisen. Man investiere in die Qualität an Bord der Busse und nicht in den Overhead. «Wir visieren eine Auslastung von 60 Prozent an, wollen aber den Break-even mit einer Auslastung von 50 Prozent erreichen.» Sobald die Konzession des BAV vorliege, werde man beim niederländischen Bushersteller Van Hool sechs Doppelstock-Fahrzeuge für rund vier Millionen Franken bestellen. Die Fahrzeuge würden alle rechtlichen Vorgaben wie rollstuhlgängiger Zugang und rollstuhlgängige WCs erfüllen. Die Lieferzeit betrage rund sechs Monate. «Bis zum Eintreffen der neuen Busse haben wir vom BAV die Erlaubnis erhalten, Doppelstock-Busse aus unserer bestehenden Fahrzeugflotte einzusetzen.» (FS)