«Die Firma dankt», so bedankt man sich bei jemandem mit einem leicht ironischen Unterton. Im Schauspiel «Die Firma dankt» von Lutz Hübner bekommt der Protagonist Adam Krusenstern, leitender Angestellter und langjähriger verdienter Mitarbeiter, eine ganze Breitseite dieser Ironie ab. Einer Ironie, die er nicht versteht, die ihn verstört. Seine Firma wird neu aufgestellt, den meisten Mitarbeitern wurde im Zuge der Restrukturierung gekündigt.

Nur Krusenstern (Günter Baumann) wird ins noble Gästehaus eingeladen, in dem Rehbock-Trophäen symbolträchtig – auch sie Gehörnte – von den Wänden starren (Bühne Nathalie Lutz). Krusenstern, bis dato Leiter der Entwicklungsabteilung, hat keine Ahnung, was ihn hier erwartet. Soll die neue Führung, das neue Team vorgestellt werden? Wird ihm gekündigt?

Kafkaeske Situation

Eine hippe Assistentin (Atina Tabé) umflattert ihn, sorgt für sein Wohlbefinden. Der Universitätsabsolvent Sandor (Tim Mackenbrock) irrlichtert als Vollflegel herum – wie sich später herausstellt, ist er der neue Firmenchef, der bei den Global Players «schon ganz oben» war, bevor er überhaupt eine Führungsaufgabe übernimmt. Der Personalchef John (Jan-Philip Walter Heinzel) kennt durchaus Werte, diese liegen allerdings auf dem Golfplatz.

Die Personaltrainerin Ella (Barbara Grimm) macht einfach mit im Spiel um die neue, hier pseudokreative New Economy, deren verschlungene Pfade der konservative Krusenstern nicht zu erkennen vermag. Zunehmend verzweifelt versucht er seine kafkaeske Situation zu strukturieren.

Normal ist für ihn: Man sitzt gemeinsam auf Stühlen (nicht im Kuschelsofa) um einen Tisch herum und entwickelt Ideen. So beruft er ein Meeting ein – wie es sich gehört mit Mineralwasser und Protokoll. Doch Party ist angesagt …

Aber dieser «Spielzeugladen» voller verwöhnter Kinder, der im Vorurteil an Arbeitsbedingungen im Silicon Valley erinnern mag, täuscht. Knallhart wird das Verhalten von Krusenstern gepetzt und interpretiert, umfangreich und detailgetreu sind seine Akten. Im rhetorischen Furioso wird er überzeugt, selber zu kündigen.

Denn während er 20 Jahre für die Firma arbeitete, hat sich «draussen in der Welt» die Ökonomie neu erfunden. Produkte, deren Potenzial nur zu 20 Prozent von den Käufern genutzt wird, machen Weiterentwicklung und Qualitätssteigerung überflüssig. Es werden keine Produkte mehr verkauft, sondern: «Wir verkaufen den Verkaufsvorgang».

Krusenstein dreht durch und ohrfeigt den neuen Firmenchef, der daraufhin die «Werte» des altgedienten Mitarbeiters erkennt, ihn wieder einstellt – als abschreckendes Beispiel für einen Vertreter des «Retrokapitalismus», der nun seine alten Werte ins Gegenteil verkehrt und als «Terminator» seinen einsamen schmutzigen Krieg in der Firma führen wird.

Schauspielensemble überzeugt

Wertewandel, Strukturverlust, Selbstverlust: Eine Welt, in der es «keine Demut mehr vor erbrachten Leistungen» gibt, die plötzlich sinnentleert und unüberschaubar scheint. Da blieb manchem Zuschauenden das Lachen ob der pointierten Situationskomik im Hals stecken.

«Die Firma dankt» – ein von Jérôme Junod vordergründig von leichter Hand schlank inszeniertes Schauspiel, das zum Nachdenken anregt und trotzdem aufs Beste – auch dank des hervorragenden Schauspielerensembles – unterhält.

Weitere Aufführungen: Di, 9.5., 19.30 Uhr; Fr, 26.5., 19.30 Uhr; Do, 8.6., 19.30 Uhr; Fr, 9.6., 19.30 Uhr; Sa, 10.6., 19 Uhr; Mi, 14.6., 19.30 Uhr.