Roman
Verliebtheit, Sehnsucht, Verzweiflung: Unerwiderte Liebe in den 50ern

Dem Solothurner Autor Erhard von Büren gelingt mit «Ein langer blauer Montag» ein unterhaltsamer und vielschichtiger Roman. Darin erinnert sich ein Autor und Lehrer an früher, als er eine erste, aber auch schmerzhafte Liebe erlebte.

Fränzi Rütti-Saner
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Erhard von Büren.

Erhard von Büren.

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Erhard von Büren hat seinen dritten Roman geschrieben. «Ein langer blauer Montag» heisst das 248-seitige Buch. Von Büren übt sich darin mit viel Ironie an einem Alter ego. Er schreibt über eine Liebeserfahrung Ende der 50er-Jahre in Solothurn.

Der inzwischen älter gewordene Hauptakteur ist Autor und Lehrer will sich für ein paar Tage aus seinem Familienleben zurückziehen, um ungestört an einer Arbeit über den amerikanischen Dichter Sherwood Anderson zu schreiben. Doch seine Gedanken schweifen ständig ab, und zwar in die Zeit, in der er jung war. In die paar Monate zwischen 1958 und 1959, als er eine erste zaghafte Liebe erlebte und so schmerzliche Erfahrungen machen musste damit, dass sie für sein weiteres ganzes Leben prägend waren.

«Paul», so nennt der Autor seinen Hauptakteur, ist Sohn einer Arbeiterfamilie und bestrebt, durch Fleiss und Bildung diesem Milieu zu entkommen. Er will alles anders machen, als seine Eltern. Besonders die Alkoholsucht seines Vaters, und die daraus entstehenden finanziellen Probleme der Familie belasten den jungen Mann. Paul schwärmt für die französischen Existenzialisten, für Juliette Gréco und für die amerikanischen Filmhelden Marlon Brando und Elia Kazan. Und er ist theaterbegeistert. Sein vorläufiges Lebensziel: ein wichtiges Theaterstück zu schreiben.

An der Kantonsschule wird Camus’ «die Gerechten» einstudiert und eine Gymnasiastenclique aus dem Grossbürgertum fragt Paul an, ob er nicht auch an diesem Theater mitmachen wolle. Er hat schon etwas Theatererfahrung. Bei den Proben lernt er Claudia, Tochter aus gutem Hause, kennen und er verliebt sich unsterblich in sie. «Selbstgespräche auf dem Heimweg – Monologe, Dialoge schreiben alles, was ich im eigenen Leben erfahren hatte, musste auf der Bühne dargestellt werden.»

Reflektierend beschreibt der nun ältere Mann die Gefühle von Verliebtheit, Sehnsucht und Verzweiflung. «Man kann sich ein Leid antun, oder man kann sich in der Stadt ein Zimmer mieten. Irrsinn der Jugend.» Ironie und Sarkasmus, doch auch Verständnis für sich und seine Cliquenkollegen und -freundinnen schwingen im Text immer mit. «Wozu suchst du dir diese Erinnerungen zusammen, wozu soll das gut sein.»

Besonders eindrücklich gelingen von Büren die Schilderungen des Lebens und der Dialoge im Elternhaus von Paul: «Vierzehntägliches Biertheater. Natürlich nahm die Mutter das nicht schweigend hin. Am Zahltagsfreitag begann sie jeweils, bereits beim Frühstück dem Vater ins Gewissen zu reden. Er solle nach der Arbeit sofort heimkommen dieses Mal. Man habe das Geld bitter nötig. Der Mietzins sei noch nicht bezahlt, zu schweigen von der Krankenkasse und letztjährigen Steuern. Er könne ja nach dem Abendessen noch ein Bier trinken gehen, dagegen habe niemand etwas. Die Ermahnungen nützten selten. Und rückte er dann nachts um zwölf an, so wurde er empfangen mit einer Litanei von Vorwürfen.»

Paul hat seine Lebens-Lektion nach der unerwiderten Liebe zu Claudia gelernt. Oder doch nicht? «Lange etwas wollen, dann erreicht man es. Keinen Aufwand scheuen, dann lässt es sich zwingen. Nach diesem Grundsatz hatte ich gelebt. Und nach dem gleichen Grundsatz habe ich Claudia gewinnen wollen, ihre Achtung, ihre Freundschaft, ihr Zutrauen oder was auch immer, alles, was in den Büchern stand, die ich las, oder was in den Filmen, die ich sah, so hinreissen gezeigt wurde. Wenn ich Claudia andauernd im Kopf hatte, konnte es doch nicht sein, dass nicht auch ich in ihrem Kopf war.»

Erhard von Büren: «Ein langer blauer Montag», Biel: Verlag die Brotsuppe. 248 S. Fr. 29.– ISBN 978-3-905689-47-1