Solothurn
Vereine bangen um CIS-Sportzentrum - Verkauf wäre wohl die beste Lösung

Die Besitzer reagieren gar nicht mehr auf Beschwerden und Rügen der Mieter zum Zustand des maroden CIS-Sportcenters. Jetzt machen Stadt und Kanton, aber auch der Handball-Verband Druck, damit in den Hallen endlich etwas passiert.

Hans Peter Schläfli
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Das CIS Solothurn - Bilder von 2002 bis heute
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Verhaltene Feststimmung am 20-Jahr-Jubiläum des CIS-Centers 2002.
Gefochten wird noch heute um die Halle.
Umbauten wie hier 2012 betrafen vor allem die Neugestaltung des Vorgeländes.
Architektonisch wirkt der Schalenbau des CIS-Centers schwungvoll.
CIS-Geschäftsführer Rainer Gilg erhält von der Stadtverwaltung gute Noten, nich aber die CIS Solothurn AG.
Das Lehrlingsturnen ist eine wichtige Auslastung im CIS.
Benno und Monika Krämer führen in der CIS-Halle jeweils die Eigenheim-Messe durch.
Auch der Minihandball-Sporttag Anfangs Januar findet im CIS-Center statt.
Die CIS-Halle war auch Durchführungsort des kantonalen Schulsporttages.
Die Duschen wurden schon 2012 beanstandet.
Die Handballer des TV Solothurn fürchten um ihren Spielort.

Das CIS Solothurn - Bilder von 2002 bis heute

Simon Dietiker

Tatort CIS-Halle Solothurn: Der Visper Torhüter stolpert vor seinem Tor, der Schiedsrichter muss das Handballspiel unterbrechen. Der Deckel einer Einlasshülse hat sich gelöst und muss wieder eingesetzt werden.

Dann kann das Spiel wieder weitergehen. Zum Glück hat sich der Torhüter der Gästemannschaft nicht verletzt und die Verantwortlichen des TV Solothurn bitten bei den Wallisern um Entschuldigung.

Der Zerfall der Infrastruktur in der Sporthalle des CIS Solothurn schreitet voran und die dafür verantwortliche CIS Solothurn AG unternimmt nichts. Nun zeichnet sich immerhin ein Hoffnungsschimmer am Horizont ab: Ein Käufer zeigt Interesse an der Sportstätte.

«Der Stadt ist der Investor bekannt und man hat in der Region bereits gute Erfahrungen mit ihm gemacht. Deshalb wäre es vermutlich für alle Seiten die beste Lösung, wenn es mit dem Verkauf klappen würde», sagt Gaston Barth, der als Leiter des Rechtsdienstes der Stadt die Angelegenheit begleitet.

Ultimatum an Handballer

Die Reklamationen der Gäste der Dreifachhalle im Solothurner CIS trudeln seit Monaten in einer konstanten Regelmässigkeit ein: Zwischen der Halle und dem Garderobentrakt regnet es durch die Decke, der Boden der Dreifachhalle ist wellig, die defekten Einlasshülsen stellen für die Sportler ein Unfallrisiko dar und die Duschen sind in einem schlichtweg ekelerregenden Zustand.

Der Handballverband hat nun reagiert und ein Ultimatum gestellt: Bis Ende Jahr muss ein Plan vorliegen, wie der Zustand der Dreifachhalle verbessert wird, sonst verbietet der Handballverband die Meisterschaftsspiele des TV Solothurn in der CIS-Halle.

«Für uns ist das eine dramatische Situation», sagt Stefan Blaser, der Geschäftsführer der Solothurner Handballer. «Im schlimmsten Fall müssten wir in Zukunft alle Spiele auswärts austragen.» Die Handballer wären nicht die ersten: Die Solothurner Basketballer spielen bereits nicht mehr im CIS, sondern in Biel.

Mehrfach gerügt

Unter den unhaltbaren Zuständen in der Dreifachhalle leiden die Vereine der Stadt Solothurn und die Schüler der Kantonalen Berufsschule, die hier ihr Lehrlingsturnen austragen. «Das macht das Ganze noch etwas komplizierter», erklärt Gaston Barth.

«Die Stadt und der Kanton sind vertraglich verpflichtete Langzeitmieter im CIS», erklärt Barth. Stadt und Kanton haben die Firma mehrfach schriftlich und mündlich gerügt – ohne Erfolg.

«Natürlich könnte man jetzt einfach den Stecker ziehen und die Türe schliessen. Das würde aber die städtischen Vereine und das Lehrlingsturnen vor unlösbare Probleme stellen. Es gibt keine Ausweichmöglichkeit.»

Mieten ab Januar auf Sperrkonto

Auf die Briefe von Stadt und Kanton reagiert die Dinett Holding AG in Gunten, der die CIS Solothurn AG gehört, aber seit Monaten nicht mehr. «Stadt und Kanton haben die CIS Solothurn AG informiert, dass ab Januar die Mieten auf ein Sperrkonto eingezahlt werden», beschreibt der Leiter des Rechtsdienstes das weitere Vorgehen.

Dann werde der Betrieb der Sporthallen aus diesem Konto gesichert. «Es ist wichtig festzustellen, dass Rainer Gilg als Betreiber einen tollen Job macht und absolut keine Schuld an der Situation trägt», betont Gaston Barth. Stefan Blaser stimmt dem bei: «Ich glaube, dass nur dank Gilgs grossem Einsatz das CIS heute überhaupt noch öffnen kann.»

4 Millionen Hypotheken?

Verwaltungsratspräsident der Dinett AG ist Antoine Bonvin und der retourniert weder Mails noch Telefonanrufe dieser Zeitung. Da kann man sich also nur noch an die im Internet veröffentlichte Philosophie der Dinett Holding AG halten: «... jedes Projekt ist immer so gut wie die Menschen dahinter.»

Wie es um die finanzielle Situation der Dinett Holding AG aussieht, der die CIS Solothurn AG gehört, ist Motiv von Spekulationen. Es heisst, die AEK Bank Thun habe auf das Baurecht der CIS Sporthalle eine Hypothek von 4 Millionen Franken gewährt.

Zu viel, meint Stefan Blaser: «Jeder, der mehr als zwei Millionen für das CIS zahlt, macht garantiert einen Verlust», sagt der Chef der Handballer, der als Geschäftsführer eines grossen Bauunternehmens weiss, wovon er spricht.

«Diese Firma hat die Mieteinnahmen und die Hypothek für alles Mögliche verwendet, aber die Halle verlottern lassen», übt Blaser harte Kritik. «Die CIS Solothurn AG kommt ihren vertraglichen Verpflichtungen seit langem nicht mehr nach. Es ist an der Zeit, dass man den Druck erhöht, so darf es nicht mehr weitergehen.»

Risiken für die Stadt

«Es ist ein privates Unternehmen, das versagt, nicht die öffentliche Hand», sagt dazu Gaston Barth, der als Leiter des Rechtsdienstes die Interessen der Stadt Solothurn in der Angelegenheit vertritt.

Über einen zivilrechtlichen Prozess zu erwirken, dass das Baurecht wieder an den Eigentümer des Bodens, also die Stadt Solothurn zurückfällt, wäre durchaus möglich, sei aber finanziell gefährlich.

«Dann müsste die Stadt vermutlich auch die Hypothek auf dem Gebäude übernehmen. Zusammen mit einer dringend nötigen Renovation reden wir da schnell einmal von 6 bis 8 Millionen Franken. Eine solche Summe kommt für die Stadt Solothurn nicht infrage.»

Verkauf wäre die Lösung

Deshalb wäre für den Leiter des Rechtsdienstes ein Verkauf des Baurechts an einen finanziell potenten Investor die beste Lösung. «Falls der Verkauf nicht gelingt und die Verantwortlichen ihre vertraglichen Pflichten weiterhin nicht erfüllen, wäre ein Konkurs der CIS Solothurn AG das letzte Mittel.

Dann käme es zu einer Versteigerung des Baurechts an den Meistbietenden», sagt Gaston Barth. Für die Vereine und das Lehrlingsturnen müsste das nicht das Ende bedeuten. «Ein Konkursverwalter könnte in einem solchen Fall verfügen, dass mit den fixen Mieteinnahmen der Betrieb der Halle provisorisch weitergeführt werden kann.»

«Bemühen uns sehr»

Der Thuner Architekt Mabrouk Hamdani, der Verantwortliche der CIS Solothurn AG, verweigerte die Freigabe von Zitaten aus einem geführten Gespräch.

In ihrer Stellungnahme schreibt die CIS Solothurn AG: «Ein Verkauf des Baurechts wird seit längerem angestrebt und es finden aktuell abschliessende Gespräche statt. Wir bemühen uns sehr, die Situation im CIS Solothurn schnellst- und bestmöglich für alle Parteien zu lösen und Neuinvestitionen für das CIS Solothurn, die Mieter, die Vereine und nicht zuletzt für die Region zu ermöglichen. Dazu gehört allerdings auch die Gewährung einer Entscheidungsfreiheit über die bauliche Zukunft des CIS Solothurn zu-gunsten einer Käuferschaft.» (hps)