«Die Stadt spielt in der Regionalliga, möchte aber in die Champions League. Und der kleine Verein Masterplan fordert Solothurn heraus», schilderte Moderator und «Schiri» Boris Szélpal das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Interessen im Landhaus.

Die Frage, wie sich Solothurn städtebaulich entwickeln sollte, lockte rund 100 Interessierte und Kenner ans Fachgespräch des Architekturforums. Zielsetzung des «Matchs»: auf Augenhöhe über die Stadtentwicklung sprechen, Verständnis für die konträren Positionen fördern und eine Dokumentation für die Zusammenarbeit schaffen.

Für die Stadt lief Stadtplanungs-Chef Daniel Laubscher aufs Feld, aufseiten des Masterplan-Vereins waren es dessen vier Gründer, die Architekten Daniele Grambone, Urs Allemann, Marcel Hügi und Diego de Angelis.

Am Ausgangspunkt steht die Ortsplanungsrevision, die die Stadt in einer Regelmässigkeit von zehn Jahren anpacken muss. Wie Daniel Laubscher in seinem einleitenden Impulsreferat verdeutlichte, soll in drei Phasen stufengerecht über die Entwicklung der Stadt diskutiert werden - unter Mitwirkung von Bevölkerung und Fachwelt. Ein Prozess, der Jahre dauert - und wohl dauern muss.

«Wachstum ist nach innen möglich»

Woran aber nimmt nun der im vergangenen Mai gegründete Verein Masterplan konkret Anstoss? «Die Projekte sind isoliert und punktuell und die Planung ist planlos», so seine Vorwürfe an die Stadt.

«Es braucht eine Denkpause und einen Richtungswechsel in der Planungspolitik», findet Mitgründer Daniele Grambone und meint dies durchaus wortwörtlich: nicht in Richtung «Champions League» - also Westen, wo das Projekt Weitblick und allenfalls auch die Wasserstadt entstehen sollen, sondern in vertikale Richtung, also in die Höhe, und zwar ins Zentrum hinein.

Damit will die Gruppe der Zersiedelung entgegenwirken, ebenso dem als «Provokation» empfundenen Bau auf der grünen Wiese. «Es gibt im Zentrum viel Fläche, die darauf wartet, bebaut zu werden», so Daniele Grambone weiter.

Auch wenn der Abend mit dem Anspruch organisiert worden war, den Prozess der Planung und nicht Details zu deren Ausführung in den Fokus zu stellen: Konkrete Ideenansätze zur Zentrumsverdichtung zeigten auf, welches Solothurn sich der Masterplan-Verein für die Zukunft wünscht.

Urs Allemann präsentierte einige Solothurner Standorte mit ungenutztem eingezonten Bauland, das in seiner Gesamtheit dem «Weitblick»-Baugebiet entspräche. Darunter würde auch die Fläche von insgesamt 750 bestehenden Parkfeldern fallen, die sich zugunsten von zentralem Bauland wegsparen liessen: beim Haupt- und Westbahnhof, im Obach-Quartier, westlich der Zentralbibliothek, hinter dem Amthaus I (City-Parkplatz) oder an der Schmiedegasse.

Ebenso auf der Masterplan-«Abschussliste» stehen das Saudan-Areal an der Zuchwilerstrasse, die Ecke Werkhof-/Bielstrasse, der Bürgergemeinde-Werkhof an der Allmendstrasse, die Tennisplätze am Ritterquai, der ebenerdige Solomarkt oder die Ecke Dreibeinskreuz-/Bürenstrasse (Quartierspielplatz Güggi).

Im gleichen Zug kritisierte Allemann die von der Stadt «verpasste Bodenankaufspolitik und die verpassten Chancen». Darüber hinaus erwähnte er aber auch die Idee einer «Steuer auf unbebaute Grundstücke».

«Verdichtung nach innen ist ein wesentlicher Punkt der Ortsplanungsrevision, zurzeit aber noch auf grosser Flughöhe», erwidert Laubscher, der sich gegen den Vorwurf nicht gemachter Hausaufgaben zur Wehr setzte.

«Aber es gilt, die Qualität der Quartiere zu respektieren und nicht einfach die Nutzungsziffer zu erhöhen.» Auch könne den Grundeigentümern die Verdichtung nicht top down verordnet werden, mahnte er mit Verweis auf planwirtschaftliche Tendenzen: «Wenn die SBB als Grundbesitzerin beim Westbahnhof lieber ‹Park&Ride› haben möchten, dann ist es eben so», sagte Laubscher.

Der Dialog ist eröffnet

Aus dem Plenum wurden weitere Fragen in den Raum geworfen: Wie sind die Stadtentwicklungspläne auf die anstehende Fusionsdiskussion ausgerichtet? Wie ist die Partizipation der Bevölkerung im Konkreten?

Welche politische Rolle kommt dem Architekten zu? Und zuguterletzt der Appell: «Hier kommt eine frische Vision. Lasst uns zuhören». Für einmal sassen Vertreter der Stadt mit den Vertretern der «frischen Vision» zusammen. Und auch wenn der Abend keine gemeinsame Marschrichtung hervorbringen konnte: Die Ohren sind offen.