«Sind Sie interessiert an einer bewohnten Altstadt?» Dies die ultimative Fragestellung auf einem Flugblatt, das diese Tage in den Briefkästen von Altstadtwohnungen aufgetaucht ist. Eine «kleine Gruppe von Altstadtbewohnern» zeigt sich «sehr besorgt über die aktuellen stadtplanerischen Entwicklungen (in) der Altstadt und Vorstadt.»

Schon nach wenigen Zeilen wird klar, wer hauptsächlich hinter dem neuen Verein steht: Jutta Thellmann, die letztes Jahr die Interessengemeinschaft für ein l(i)ebenswertes Solothurn lanciert hatte. Andere Mitstreiter sind auch schon für ihre Interessenwahrung in der Altstadt aufgefallen, so vor allem Lukas Rüefli oder Rolf Trechsel, Hotelier des «Roten Ochsen» in der Vorstadt. Namentlich weiter aufgeführt auf dem Flugblatt sind Stefan Dettwiler und Remo Reinle. Die Vereinsgründung soll am 6. Juni erfolgen.

Ausgeh-Szene im Visier

Worum es genau geht, wird rasch einmal klar: «Um als BewohnerInnen dieser Altstadt nicht im Lärmgetöse der angestrebten Öffnungszeitenliberalisierung und den daraus folgenden Störungen durch das nächtliche Feiern – sei es durch Lärm und Abfall etc. – überhört zu werden, wollen wir uns stark machen, diese zauberhafte Altstadt auch als Wohnraum zu erhalten und zu positionieren.» Herausgestrichen wird, dass die Solothurner Altstadt dank dem Engagement ihrer Bewohner immer noch «fast flächendeckend» bewohnt sei – dies im Gegensatz zu anderen Städten. Ein Plus, das allerdings unter starken Druck geraten sei.

Verantwortlich macht die Urheberschaft des Flugblatts dafür nicht nur die «rasch ausufernde Ausgeh-Szene», welche die Lebensqualität bedrohe, sondern auch «die internationalen Ladenketten, die mit ihrem Erscheinungsbild den lokalen Charme infrage stellen.» Deshalb sei die Wohnqualität und das Wohnangebot zu erhalten und zu fördern, denn beides trage zur Erhaltung der Bausubstanz bei und führe zu einem stabilen Nutzungsgleichgewicht.

Warum gerade jetzt?

Der Zeitpunkt der geplanten Vereinsgründung kommt insofern überraschend, als zuletzt doch einiges auf eine Aufweichung der Fronten hingedeutet hatte. So war zumindest Jutta Thellmann für die IG L(i)ebenswertes Solothurn aktiv am Runden Tisch der Bewegung Unisono gesessen, der zusammen mit den Stadtbehörden nach anwohnerverträglicheren Ansätzen im Nachtleben gesucht und solche auch erarbeitet hatte.

So sollen beispielsweise Streetworker dieses positiv beeinflussen oder eine Kampagne für mehr Ruhe und Ordnung sorgen.

Aber auch der befürchtete politische Druck hin zu liberaleren Öffnungszeiten ist fürs erste weggefallen: Das neue Gastrozonen-Reglement soll nun erst nach der ohnehin langwierigen Ortsplanungsrevision weiterverfolgt werden . (ww)