Trockenheit, Ernteausfälle, gigantische Waldbrände, massenhaft geschlachtete Tiere und schmelzende Gletscher: Der vergangene Sommer hat klargemacht, dass es mit der Erderwärmung so nicht weitergehen kann. Handeln statt zusehen, das war denn auch das Thema des auch von jüngeren Leuten gut besuchten Novemberanlasses des Vereins 2000-Watt-Region-Solothurn unter dem Motto «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es».

Dieser Meinung waren auch die drei geladenen, mit dem Klimawandel bestens vertrauten Spezialisten, Henrik Nordborg, Physiker und Professor an der Hochschule für Technik Rapperswil, Adrian Müller, Professor für Umweltpolitik an der ETH Zürich und Georg Klingler, Umweltwissenschaftler und Klimaexperte bei Greenpeace.

«Es geht nicht vorwärts»

«Ich habe Ängste, nicht wegen mir, sondern wegen meinen Kindern», gab Nordberg unverhohlen zu und bedauerte, dass trotz des nun sichtbaren, rasanten Anstiegs der Erderwärmung bisher sämtliche Warnungen in den Wind geschlagen wurden und kein einziges Land der Welt das gesetzte Ziel des Pariser Klimaabkommens erreicht habe. Noch immer nähmen die Politiker und Wirtschaftsvertreter die Zerstörung des Klimas nicht ernst, obwohl nur noch elf Jahre Zeit blieben, um den Energieverbrauch wie vorgesehen zu halbieren. «Wir müssen endlich Klartext reden», so Nordborg.

Dass es drastische Veränderungen braucht und der Klimawandel kollektiv verdrängt wird, stand auch für Müller ausser Diskussion. «Es geht nicht vorwärts, weil wir keine Ambitionen haben», zeigte er sich überzeugt. «Wir können nicht warten, bis es auf der Erde nicht mehr genügend Nahrung gibt und müssen, ob wir wollen oder nicht, uns auch die Frage stellen, was ein angemessenes Leben ist und wie wir mit dem Bevölkerungswachstum umgehen.

Dass Klingler Leiter der Gletscher-Initiative ist, die den Klimaschutz in der Verfassung verankern und die CO2-Emissionen der Schweiz bis 2050 auf Null senken will, kommt nicht von ungefähr. «Ich bin optimistisch und überzeugt, dass gemeinsam etwas verändert werden kann und es viele Leute gibt, die das auch wollen. Warten auf diejenigen, die an der Macht sind, will der Klimaexperte nicht: «Wir haben es selbst in der Hand und brauchen Vorbilder, die uns ans Ziel bringen.»

Wenn Fliegen teuerer würde

Wie aber konkret weiter? Nordborg hat klare Vorstellungen: «Wir müssen die Regierungen in die Pflicht nehmen und dafür sorgen, dass die Wirtschaftsleistungen gesenkt werden.» Im Fokus stünde dabei auch die klimaschädigende Anlagepolitik der Schweizer Banken. «Zu den menschlichen Tugenden gehört das Masshalten», gab Müller zu verstehen und nahm dabei unter anderem die zu billigen Flugreisen ins Visier.

«Wenn das Fliegen teurer wäre würden auch weniger fliegen. Unterstützung bekam er bei dieser Aussage von Nordborg: «Man könnte auch etwas anderes tun als nach Bangkok zu fliegen», regte er die Fantasie der Vielflieger an und erinnerte daran, dass ein Viertel der Menschen weltweit drei Viertel der vorhandenen Ressourcen verbraucht.