Es ist ein Luxusproblem, dem Monika und Benno Krämer, die Macher hinter der Eigenheim-Messe, auch zur zehnten Ausgabe vom 25. bis 28. Februar gegenüberstehen: In den drei Hallen auf dem CIS-Areal, auf dem Aussengelände und in der Zelthalle gleich gegenüber ist jeder Quadratmeter ausgeschöpft.

«Wir sind mit 160 Ausstellern platzmässig am Anschlag», sagt Benno Krämer, verweist damit aber nur auf die Erfolgsgeschichte, die 2007 mit 47 Ausstellern rund ums Thema Wohnen, Sanieren und Bauen sowie rund 3000 bauinteressierten Besuchern begann und heute mindestens doppelt so viel Publikum anlockt.

Zwischenzeitlich ist die Eigenheim-Messe angewachsen, verleibte sich 2012 auch die Konkurrenzmesse Socasa ein und lancierte kurzzeitig auch eine «Grüne Oase», eine Halle, die sich auf optisch anregende Weise dem Thema Gartengestaltung widmete.

Um nun beim «Dichtestress» im Kleinen noch den letzten Platz optimal auszunutzen, findet erstmals kein Bauforum statt. Zum Teil wurde dieses Rahmenprogramm nämlich nur mässig besucht, war aber mit einem grossen Aufwand verbunden.

«Nun haben wir Platz für drei, vier zusätzliche Stände und können den Branchenmix noch vielfältiger gestalten.» Für Krämer ausserdem ein wichtiger Vorteil, der in der Natur der Sache liegt: «Wenn man an einer Messe acht bis zehn Fensterbauer vorfindet, ist das für den Bauherrn ein grosser Vorteil. Er kann die Produkte vergleichen, ohne durch die halbe Schweiz zu fahren.»

Die Eigenheim-Messe Solothurn in Zahlen

Digitalisierung im Fokus

Als Besonderheit widmet sich die «Eigenheim 2016» einer Sonderschau um den Prix Lignum 2015. Dieser wird dreijährlich für innovative Bauprojekte mit dem Werkstoff Holz vergeben. Dabei werden unter Federführung von «Pro Holz Solothurn» primär die regionalen Exponenten des Preises vorgestellt, unter ihnen auch die Seilbahn Weissenstein, deren Mittel- und Bergstation reichlich mit Holz ausgekleidet sind.

Thematisch werden in diesem Jahr ausserdem die Digitalisierung und Automatisierung in Haus und Wohnung im Fokus stehen. «Wir sprechen von intelligentem Wohnen, kombiniert mit den Technologien rund um Energieeffizienz und erneuerbaren Energien.» Und die bald realisierte Zukunftsvision macht auch nicht Halt, wenn es darum geht, die Messe selbst technisch auf der Höhe zu halten.

Zum zweiten Mal im Einsatz steht deshalb die eigens lancierte Eigenheim-App, mit der sich ein Ausstellerverzeichnis durchsuchen lässt, oder die die Möglichkeit bietet, den Messebesuch zu planen. Als Pilotversuch können neu auch die Eintrittstickets über dieses App gebucht werden. «Auch bei uns geht es um Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Effizienz», begründet Krämer die Neuerungen. Jetzt müsse eruiert werden, ob das Ticketing technisch funktioniert und von den Nutzern akzeptiert wird.

Krämers «Messefamilie»

Was aber macht den Erfolg der Messe aus, während er andernorts schwindet? So ist beispielsweise gerade die Eigenheim-Messe Bern auf 100 Aussteller geschrumpft. «Unser Alleinstellungsmerkmal ist sicher, dass wir als Veranstalter mit Rat und Tat die ganze Zeit vor Ort sind und somit eine kleine ‹Messefamilie› schaffen», sagt Krämer, der zusammen mit seiner Frau und Mitveranstalterin Monika Krämer sieben Monate Vorbereitungsarbeit hinter sich hat.

«Dazu müssen die Massnahmen beider Partner ineinandergreifen.» So seien die meisten Aussteller bereits mehrere Jahre dabei, einige gar seit Anfang. «Ein Aussteller muss sich die Frage stellen: Bringt mir die Messe die richtigen Kontakte?» Deshalb sei  bei einer Fachmesse auch ein Eintrittspreis gerechtfertigt, der von den Ausstellern auch gewünscht sei, um den fachlich interessierten Besucher zu gewinnen und nicht jene anzupeilen, die lediglich auf der Suche nach Kugelschreibern und anderen Giveaways seien.

Weiter spielt für Krämers auch die regionale Wertschöpfung eine Rolle, kommt doch die Hälfte der Aussteller aus der Nähe, die andere Hälfte ist aus der restlichen Schweiz.

Darüber hinaus nennt Benno Krämer auch die bedeutsamen Rahmenbedingungen: «Was tut man derzeit mit seinem Geld, wenn man sich nicht über Negativzinsen ärgern will?» Bauen, Sanieren, Aufwerten sind daher Faktoren, die auch der Eigenheim-Messe zugutekommen: «Die Zeit dafür ist hervorragend.»

Auch neue Technologien, die Marktreife erlangen, kommen ihm als Messeveranstalter entgegen. Auf der anderen Seite schaffen Rahmenbedingungen wie die Raumplanungs-Gesetzgebung, die Zinsentwicklung sowie Bauland-Knappheit auch Unsicherheiten. «Insgesamt aber bin ich optimistisch, dass die Wirtschaft zumindest stabil bleibt und die Baufreudigkeit eher zunimmt. Denn gerade die Baubranche hat sich als recht krisenresistent erwiesen.»

Rückläufig sei lediglich der Photovoltaik-Trend: «Noch vor drei Jahren war an der Messe eine regelrechte Euphorie spürbar, mittlerweile hat sich in China ein grosser Markt entwickelt, sodass sich hier eine Marktbereinigung spürbar machte.» Wer heute noch im reinen Solarbereich tätig sei, habe sein Tätigkeitsfeld verschoben, differenziert oder mit anderen Technologien kombiniert.

Visionäre Aussichten

Zufrieden zeigt sich Benno Krämer überdies mit dem Standort in den CIS-Hallen. Während nämlich die baulichen Mängel für Sportvereine und für den schulischen Sportunterricht ein Problem darstellt, eigne sich das CIS-Center für seine Messe weiterhin. «Obwohl wir mit 160 Ausstellern die Kompetenzen aufbringen könnten, um die Hallen wieder instand zu bringen», meint Krämer scherzhaft.

Die Augen halte er dennoch offen, «schliesslich geistert die Idee einer polyvalenten Event- und Messehalle mit mehr als 6000 Quadratmetern nach wie vor in meinem Kopf herum.» Aber: Es bräuchte seiner Ansicht nach einen Investor, idealerweise aus dem medizinischen Cluster oder aus dem Bankenbereich am Jurasüdfuss. Ebenso wäre eine entsprechende Grundauslastung an Anlässen für eine solche Halle vonnöten, seine eigene wäre dabei schon mal ein Anfang.

Öffnungszeiten: Donnerstag, 25. Februar, 17 bis 20 Uhr, Freitag 16 bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr. Infos: www.eigenheimmesse-solothurn.ch