Akademie der Generationen
US-Botschafterin in Solothurn: «Wir wissen nicht was Trump alles realisieren wird»

Die US-Botschafterin Suzan LeVine sprach vor der Akademie der Generationen. Hauptthema waren dabei insbesondere die Berufsbildungssysteme der Schweiz und der USA. Am Rande ging es auch um den neu gewählten US-Präsidenten.

Silvia Rietz
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Suzan LeVine gab sich im Sommerhaus de Vigier relaxed.

Suzan LeVine gab sich im Sommerhaus de Vigier relaxed.

Silvia Rietz

Grosse Ehre für die Akademie der Generationen: Die mächtigste Diplomatin in der Schweiz, Ambassador Suzan LeVine (die Anrede gilt auch für Frauen) besuchte die Ambassadorenstadt Solothurn, sprach vor einem gemischten Publikum mit Bildungsdirektor Remo Ankli, hochrangigen Wirtschaftsvertretern, Hausherrin Norah de Vigier sowie Gästen der Volkshochschule und einer Klasse B14a der Kantonsschule. Dank Simultanübersetzung und Kopfhörer konnten auch des Englischen Unkundige dem Referat folgen.

Diplomatin von Kopf bis Fuss

Eine Woche nach dem Wahlsieg der Republikaner huldigte Botschafterin Suzan LeVine dem diplomatischen Berufsethos, hielt sich strikt an die Themenvorgabe «Switzerland and the U.S.: Learning Together» (Die Schweiz und die USA lernen gemeinsam) und ging erst bei der Fragerunde kurz auf den nächsten Präsidenten der USA ein. Dafür servierte sie persönliche Reminiszenzen an den Wahlkampf 2008, als sich die Demokratin als Barack Obama Unterstützerin und als Spendensammlerin profilierte.

«Ich klopfte an fremde Türen und motivierte die Leute, Obama zu wählen», schmunzelte sie. Locker und warmherzig gab sich Suzan LeVine auch im «Auditorium» des Sommerhauses de Vigier. Die ehemalige Microsoft-Managerin und heutige Botschafterin hat den «American Dream» als Frau wahr gemacht, verzichtet auf steife Etikette und protokollarisches Brimborium. Unverkrampft und sympathisch im Auftreten, erinnerten einzig dunkelgewandete Security-Spezialisten und Botschaftsangehörige an den prominenten Status der Rednerin.

Sie gilt als eifrige Verfechterin von Obamas Wirtschaftsoffensive «Select USA», der Renaissance der Berufslehre und dem Ankommen mit der Schweiz, in der Berufsbildung zusammenzuarbeiten. «Die Mischung aus Lernen in der Schule und am Arbeitsplatz finde ich ein optimales System, um Fachkräfte und Talente zu finden und zu fördern. Allein mit theoretischem Wissen lassen sich keine Berufsleute ausbilden.

Die Berufslehre nach Schweizer Modell ist der Schlüssel zum Erfolg. Wir wollen mit Schweizer Unternehmen vor Ort wie Nestle, Pilatus das duale Berufsbildungssystem in den USA etablieren», erklärte Suzan LeVine. Sie gilt als treibende Kraft der Kooperation, die mithelfen soll, Chancen zu verbessern und die Jugendarbeitslosigkeit zu senken.

Einen Verbündeten im Geiste hat sie in John Hickenlooper, dem Gouverneur von Colorado, gefunden. Während einer Woche besuchte er mit einer Delegation Schweizer Unternehmen, um sich direkt zu informieren. Suzan LeVines Fazit: «Wenn die amerikanische Wirtschaft gut dasteht, profitiert auch die Schweiz.»

Was macht Trump?

Das Thema Wirtschaft und Bildungssystem vertiefte sie noch bei der Fragerunde. Als sie nach ihrem Alter gefragt wurde, wollte Moderator Josef Maushart erst abblocken. Die Botschafterin jedoch lachte und offenbarte, dass sie am 17. November den 47. Geburtstag feiere. Eine Kantischülerin stellte zum Schluss die Frage, die unterschwellig von Beginn weg mitschwang: Wie es die Nation schaffen werde, mit den Populisten eine homogene Gesellschaft zu formen.

«Wir sind eine geteilte Nation und müssen zusammenfinden. Wir wissen nicht, was Donald Trump alles realisieren wird, genau so wenig wie wir die Reaktionen der anderen Seite kennen. Wir alle sind aufgerufen, an der Integration mitzuwirken.»

Tosender Applaus dankte der Botschafterin, die sich einmal mehr durch Takt und Diplomatie auszeichnete. «Akademie-Chief» Rudolf Erzer überreichte ihr Bürgerwein sowie einen «Weissenstein-Toni» und witzelte, wenn Obama nicht mehr im Amt sei, könne er Suzan LeVine zu einem Besuch der «barocken Perle» der Schweiz begleiten.