Solothurn

Urs Hug «ver-rückt» Dinge zur Kunst

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Im Kunstraum Medici in Solothurn zeigt der Langenthaler Urs Hug seine poetisch-absurd «ver-rückten» Gegenstände.

Die Welt scheint manchmal verrückt, «ver-rückt» ist sie auf jeden Fall in ihren Grundfesten. Urs Hugs Kunst-Welt ist nicht verrückt. Vielmehr «ver-rückt» der Langenthaler die Dinge und gewohnte Begriffe aus ihrer alltäglichen Bedeutung und Wahrnehmung. Sein Eingriff ist ebenso unmerklich wie raffiniert, bis eine Assoziation die nächste herausfordert.

Ja, der 1950 geborene Urs Hug ist ein Sammler von Gedanken und Sachen, er spielt wie ein Regisseur mit den Worten und den Inhalten, verschiebt sie, setzt sie in neue Zusammenhänge und lässt die Betrachter rätseln und staunen. So wie einst Jospeh Beuys eine Bürste auf den Rücken legte, eine Glaskuppel darüber stülpte und den Tausendfüssler zur Kunst erhob, da dreht Urs Hug einen farbbeschmierten Stuhl um und stellt ihn auf eine Staffelei – fertig ist die Maler-Staffelei, Handwerk und Kunst gehen eine Symbiose ein.

Während die alte Forke an die Wand gelehnt ihre spitzen Zinken wehrhaft in den Raum sticht, zeigt sich: Diese Zinken enden als feine Pinsel. Das rurale Spurenziehen wird hier mehrdeutig zur Feinzeichnung, die handwerkliche Gerätschaft skizziert die eigene Geschichte in den Raum.

Aber, was ist wahr, was handwerkliche Reminiszenz, was Kunst und was Imagination? Bei Urs Hug liegt die Wahrheit dazwischen: zwischen absurd und vieldeutig, zwischen Sinn und Hintersinn, zwischen philosophischer und archäologischer Spurensuche, Kunstbegriff und künstlerischer Freiheit. Da führt der Handlauf eines Treppengeländers wie ein filmischer Moment aus der Wand kommend wieder hoch in die Wand, einstige Geländersprossen lehnen, zu staketenartigen Speeren verwandelt, archaisch, martialisch und gleichzeitig museal an der Wand.

Während alte Dachstuhl-Holzbalken seines Hauses in Langenthal – eine einstige Schreinerei von 1850, die er umbaute und mit unzählbaren Gegenständen füllte und unter anderem als Ausstellungsraum führt – sich hier zu einem fiktiven Dach stapeln: wuchtiges Relikt des Erinnerns.
All diesen Arbeiten, die auf den ersten Blick an objets trouvés erinnern, auf den zweiten Blick kleine Geheimnisse offenbaren, ist eine feine Poesie zu eigen.

Eine Poesie, die die Fantasie, das Sehen und Verstehen des Künstlers ebenso herausfordert wie die des Betrachters. Objekte, die sich immer wieder neu inszenieren lassen und mit ihrer melancholischen Ironie das ewige Grübeln, ob «Kunst!» oder «Kunst?», elegant aushebeln.

So, wie das Sägeblatt, das ein «yesnoyes» formuliert und damit ein Sowohl-als-auch antönt. Oder der «Seinkreis», wo sich in drahtig-eleganter Schnüerlischrift «sein» an «sein» zu einem Kreis fügt. Bis sich ein «eins» ergibt, das sich durchaus als «sense», als Sinn lesen lässt und einen anekdotischen Sinn ergibt.

Bis 20. Dezember. Geöffnet: Do + Fr, 14–18 Uhr, Sa, 14–17 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung, 032 622 81 71.

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