Der HESO-Nachmittag dieser Zeitung gehört zur Herbstmesse wie das HESO-Bähnli oder der HESO-Berliner. Der Volksmusik-Event verströmt genau so viel Energie und mundet eben so köstlich. Eine lieb gewordene Tradition nicht nur für die Leserinnen und Leser, sondern auch für Moderatorin Theres-Ursula Beiner. Kompetent und charmant stellte sie so lüpfige Titel wie «Uri stark» von Kasi Geisser vor und fühlte den Mitgliedern des Ländlerquartetts Edelwyss auf den Zahn.

Sie recherchierte, dass Basist Ernst Oberli nicht nur den Rhythmusteppich ausrollt, sondern im Gasthof Traube in Grossaffoltern wirte. Klarinettist Erwin Seewer gab eine «Anekdote» aus dem speziellen Probelokal zum Besten: «Als wir spät auf den Heimweg trabten, sinnierte ein Kamerad, nun würde seine Frau wohl kochen. - Oh, bei uns gibt es um diese Zeit nichts Warmes mehr..., meinte der Andere.»

Virtuos, nicht «hudigäggelig»

Das Publikum freute sich über die lustige Einlage und das Stück «Ländler bleibt Ländler». Mit zwei Schwyzerörgeli, Klarinette und Bass demonstrierte die Formation, dass ein urchiger Ländler eben kein «Hudigäggeler», sondern virtuose Volksmusik ist. «Ich liebe volkstümliche Musik», strahlte Dora Geiser aus Langendorf. Für sie war der gestrige HESO-Nachmittag eine Premiere. «Ich habe mich spontan entschlossen, den Anlass zu besuchen.» Stammgast hingegen ist Hans Lisser. «Es ist halt einfach schön. Dieses Konzert habe ich noch nie verpasst», freute sich der Rentner aus Oberdorf.

Beiden gefiel die Mischung von instrumentaler Musik und Jodelliedern. Dargeboten vom Jodlerklub Waldrösli Recherswil, der erstmals an einem HESO-Anlass dabei war. Für den seit zweiundvierzig Jahren im Tenor singenden Hugo Jäggi gestaltete sich der Auftritt noch ein bisschen aufregender als für die Mitjodler. Der frühere Drucker erinnert sich noch lebhaft, wie diese Zeitung produziert wurde.

Passendes Repertoire

Gerne hat sich auch Joe Lötscher, erster Bass aus Grenchen, den Nachmittag frei genommen um mit seinen Kameraden Lieder wie «Bärgarve» oder «E Lusbueb» zu singen. Das Lied «E schöne Tag» hat sich erfüllt. Zufrieden zeigte sich auch Erika Herren, die sowohl als Vize-Dirigentin wie auch als Solojodlerin den Ton angibt. «Wir wählen unsere Stücke nicht nach kommerziellen Kriterien, sondern schauen, welches Repertoire zu den Stimmen passt,» gab sie ein Erfolgsrezept preis. «Deshalb seid ihr so gut», sekundierte die Moderatorin. Ein Lob aus berufenem Munde, ist Theres-Ursula Beiner doch als Chordirigentin und als Präsentatorin des «Schaufenster für Chormusik» bei Radio EVIVA bekannt - und zum 14. Male als HESO-Lady.

Dabei analysierte Urs Lüthi von der AZ Anzeiger AG: «Alles verändert sich, wird grösser, verrückter. Aber gute Musik bleibt...» Dem stimmte Denise Schneider vom Marketing der AZ Medien bei, die erstmals vor Ort war. Obschon sie privat einen anderen Musikstil bevorzuge, wurde sie von den rassigen Märschen und Polkas bezaubert. «Ja, ich habe richtiges Gänsehaut-Feeling gespürt», lächelte sie.

Unter die Haut ging die Musik auch der vierzehnjährigen Nicole Jäggi aus Recherswil, die mit ihrer Familie gekommen war um «Onkel Lorenz» jodeln zu hören. Schon jetzt freut sie sich auf den nächsten Jodlerauftritt am 22. Oktober in Recherswil. Von der Ländlermusik hat ihr der Schottisch «Z'Miniröckli» gut gefallen. Und irgendwie passt dies gut zusammen.