Autofreies Wohnen
«Urbane Orte sind Spielräume für neue Siedlungsformen»

Das Projekt der autofreien Siedlung Burgunder in Bern wurde vorgestellt. Auch Nachhaltigkeit und günstige Mietzinse spielen dort eine grosse Rolle. Die Siedlung ist ein Beispiel dafür, wie die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft erreicht werden können.

Helmuth Zipperlen
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In Bern wird schon lebhaft über Siedlungsraum ohne Auto-Erschliessung nachgedacht.

In Bern wird schon lebhaft über Siedlungsraum ohne Auto-Erschliessung nachgedacht.

ASZ

Über Raumkultur, Mobilitätsverhalten und Baukultur am Beispiel der Wohnsiedlung Burgunder in Bümpliz referierte Architekt Hanspeter Bürgi auf Einladung des SIA, Sektion Solothurn, der 2000-Watt-Gesellschaft und des Architekturforums.

Vorgängig machte Marguerite «Miguel» Misteli das Publikum mit den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft und den Gegebenheiten für deren Gründung bekannt. Schliesslich wurde an der letzten Gemeindeversammlung in Solothurn beschlossen, diese Ziele langfristig zu verwirklichen. Der Referent konnte nahtlos anknüpfen, denn die von seinem Architekturbüro Bürgi Schärer Architektur und Planung AG geplante und gebaute Siedlung im Berner Aussenquartier zeigt einen gangbaren Weg zur Erreichung der 2000-Watt-Gesellschaft auf.

Dass die Gedankengänge für diese Bauweise nicht neu sind, zeigte Bürgi anhand von alten, zweckmässigen Bauten in Bhutan und in den Schweizer Alpen, wo den jeweiligen klimatischen und praktischen Bedürfnissen Rechnung getragen worden ist. Ebenso hat sich Le Corbusier bereits mit solchen Gedanken auseinandergesetzt.

Beim Projekt Burgunder bildeten die Begriffe Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt die Basis. Dazu gehören autofreies Wohnen, Mitwirkung der Nutzenden, eine Architektur der Nachhaltigkeit, günstige Mietzinse, angemessene Rendite, bei den Bauten der Standard Minergie-P-Eco und letztlich die 2000-Watt-Kompatibilität.

In der Stadt Bern verfügen 47 Prozent der Einwohner über kein eigenes Auto. Somit ist autofreies Wohnen durchaus realistisch, kommt hinzu, dass Bümpliz mit dem öffentlichen Verkehr (Bahn, Bus, Tram) gut erschlossen ist und man mit dem Velo in zehn Minuten in der Stadt ist. Dafür entfällt die Errichtung von Einstellhallen und damit auch ein tieferer Aushub, was bereits Energie einspart.

Nachfrage und Rendite stimmen

Insgesamt zählen 80 Wohnungen zu dieser Siedlung, wobei das Architekturbüro Bürgi Schärer 40 beisteuerte. «Die Nachfrage ist da, die Rendite ebenfalls», so der Referent, wobei er in der Folge nur von jenen Wohnungen sprechen konnte, welche sein Büro verantwortete. 36 der 40 Wohnungen sind belegt.

Ein- bis Zweipersonenhaushalte überwiegen, die meisten der Mieter sind zwischen 31 und 44 Jahre alt. Viele davon besitzen ein GA oder sind Car-Sharing-Mitglieder. Familien wohnen vor allem in einem der Häuser. Die Mobilität der dort Wohnenden entspricht durchaus dem schweizerischen Mittel.

«Dichte, urbane Orte sind Spielräume für neue Siedlungsformen mit zukunftsträchtigem Mobilitätskonzept wie autofrei oder autoarm.» Beim Raumbedarf von 63 Quadratmeter pro Person wird der schweizerische Durchschnitt von 45 bis 50 Quadratmetern übertroffen. Nur die Mitwirkung der Nutzenden ist nicht im erwarteten Masse eingetroffen.

Es wurden tragende Aussenwände und eine Kernzone im Innern mit tragenden Elementen aus Beton oder Backsteinen gebaut, hingegen wären die einzelnen Räume mit Gipswänden individuell zu gestalten gewesen. Es hat sich indessen die traditionelle Raumeinteilung durchgesetzt. Eine Photovoltaik-Anlage ist derzeit im Bau, die zu mehr nachhaltiger Energie beiträgt. «Mit klugen Siedlungskonzepten sind die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft realisierbar.»