Solothurn
Untersuchungen zeigen: Solothurner Stadtmist enthält giftige Stoffe

Bei den Stadtmist-Deponien Solothurns besteht ein klarer Sanierungsbedarf. Denn Untersuchungen haben giftige Stoffe im Stadtmist nachgewiesen. Wie genau die Sanierung der Deponien aussehen wird, ist aber noch unklar.

Lucien Fluri
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Diese Untersuchungen haben giftige Stoffe im Stadtmist nachgewiesen. Inzwischen sind sie abgeschlossen.

Diese Untersuchungen haben giftige Stoffe im Stadtmist nachgewiesen. Inzwischen sind sie abgeschlossen.

Hansjörg Sahli

Die Bohrmaschinen auf dem Stadtmist sind schon vor Monaten verschwunden. Jetzt aber liegen die detaillierten Ergebnisse der Probebohrungen vor. «Es ist klar zum Ausdruck gekommen, dass wir die Deponien sanieren müssen», sagt Martin Brehmer, Leiter Abteilung Boden beim kantonalen Amt für Umwelt.

Zwischen Dezember 2011 und August 2013 haben Spezialisten die drei Teildeponien Oberer Einschlag Unterhof und Spitelfeld untersucht. Exakt in diesen Tagen arbeitet das Amt für Umwelt seine Stellungnahme zu den Expertenberichten aus.

Grundsätzlich haben sich die bisherigen Annahmen bestätigt: Das jahrzehntelange Deponieren städtischen und industriellen Abfalls hat seine Spuren hinterlassen: Insbesondere im Spittelfeld befinden sich krebserregende chlorierte Kohlenwasserstoffe.

Der im Herbst 2012 gefundene besonders belastete «Hotspot» reiche gar «bis weit unter die Deponie», sagt Martin Brehmer. Zusätzlich fanden sich weitere kleine Hotspots. Auch auf Kupfer und Blei stiessen die Experten bei ihren Untersuchungen. Nur in vernachlässigbaren, nicht relevanten Spuren sind laut Brehmer auch radioaktive Rückstände gefunden worden, vermutlich Produktionsabfälle von Zifferblättern und Uhrzeigern.

Wassergräben mit Quecksilber

Massiv belastetes Grundwasser unter der Deponie ist die Folge des giftigen Abfalls. «Für die Bevölkerung hat das aber keine direkten Auswirkungen, weil das Wasser nicht genutzt wird», beruhigt Martin Brehmer.

Belastet sind auch Brunn- und Brühlgraben. Im Schlamm der beiden Wassergräben ist unter anderem gar Quecksilber gefunden worden. Beide fliessen in die Aare und dann gleich an der Badi vorbei. «Es besteht auch hier keine direkte oder akute Gefahr», so Brehmer. Denn die Aare verdünne das Wasser der beiden Gräben stark. Trotzdem: Ganz ohne Einfluss auf die Umwelt blieben solche Verschmutzungen nie.

Jetzt geht es um die Ausarbeitung der konkreten Sanierungsvariante des 150 000 Quadratmeter grossen Stadtmistes. «Derzeit weiss man zwar, dass man sanieren muss. Aber mit welchen Massnahmen ist weiterhin noch nicht bekannt», erklärt Brehmer.

Einzelne weitere Messungen seien nicht auszuschliessen. Bis Ende 2014 soll für jede der drei Teildeponien die optimale Sanierungsvariante bekannt sein. «Das ist der Zeitpunkt, der von allen erwartet wird», sagt Brehmer.

Denn erst dann wird bekannt sein, ob eine Vollsanierung nötig ist. Sie ist aus Sicht von Stadt und Kanton überhaupt die Grundbedingung dafür, dass das Projekt Wasserstadt je eine Chance auf eine Umsetzung erhält. Sonst zeigt die Ampel rot für das ambitionierte Projekt.

Was ist politisch möglich?

In einer ersten Phase gehe es darum, aus Sicht der Umwelt- und Naturwissenschafter die bestmöglichen Varianten zu ermitteln, erklärt Brehmer. Dazu sollen auch internationale Spezialisten beigezogen werden. Grob gesagt können diese Varianten von der eher wenig wahrscheinlichen ausschliesslichen Beobachtung des Mistes über eine Oberflächenabdichtung bis hin zum Komplettaushub reichen.

In einer zweiten Phase wird sich dann zeigen, was politisch und finanziell überhaupt möglich ist. Ziel einer Sanierung sei es, dass eine Deponie im Zeitraum von zwei Generationen so weit saniert sei, dass sie sich selbst überlassen werden könne.

Würde die Wasserstadt gebaut, müsste das Grundwasser unter der neu gebauten Siedlung gereinigt werden. Sonst könnte das Bauland für das Solothurner Mini-Venedig im Kataster der belasteten Standorte verbleiben - und der Wert der zu verkaufenden Häuser sinken.

Finanzielle Unwägbarkeit

Der Solothurner Stadtmist ist eine der grössten Hauskehrichtdeponien der Schweiz. Eigentlich hätte der jetzt abgeschlossene Untersuchungsbericht bereits vor rund einem Jahr vorliegen sollen. Doch zusätzliche, vom Bund geforderte Abklärungen verzögerten die Arbeiten.

Nicht nur die Anhänger der Wasserstadt erwarten den Entscheid über die Sanierung gespannt. Auch der Solothurner Finanzdirektor blickt erwartungsvoll auf die Entwicklungen beim Stadtmist und auf Informationen zur Höhe allfälliger Sanierungskosten.

Diese Woche hatte Regierungsrat Roland Heim in dieser Zeitung die Sanierung des Stadtmistes als eine von mehreren finanziellen Unwägbarkeiten bezeichnet, die in den nächsten Jahren auf den Staatshaushalt zukommen könnten.