Museum Blumenstein

Unter viel Plunder liegt oft ein Schatz verborgen

Überraschung für Charles und Dora Luginbühl: Das von Mili Weber gemalte Aquarellbild ist mehrere hundert Franken wert.

Überraschung für Charles und Dora Luginbühl: Das von Mili Weber gemalte Aquarellbild ist mehrere hundert Franken wert.

Welche Antiquitäten und kleine Schätze haben noch Wert? Antworten darauf gab es im Blumenstein-Museum in Solothurn. Dort wurde der Expertentag «Schätze schätzen lassen» bereits zum 10. Mal durchgeführt.

Dora Luginbühl aus dem Oberaargau kann es kaum fassen. Soeben hat ein Experte des Auktionshauses Zofingen das Miniaturbild, das sie in ihren Händen hält, auf mehrere hundert Franken geschätzt. Auf dem in zarten Farben gemalten Aquarell ist ein Fabelwesen mit einem Mädchengesicht zu sehen, das ein Weidenkätzchen darstellt.

Gemalt wurde es von der berühmten Schweizer Kinderbuchautorin und Kunstmalerin Mili Weber, die es im letzten Jahrhundert verstand, die reale Welt mit der Traumwelt zu verbinden und mit ihren Fabelwesen unzählige Kinder zu beglücken. «Das Bild stammt aus dem Nachlass meines Onkels und meiner Tante», erzählt Dora Luginbühl.

Es wurde zusammen mit einem persönlichen Brief der Künstlerin an die offenbar mit ihr befreundeten Besitzer aufbewahrt. «Niemand hat dem Bild bei der Erbteilung Beachtung geschenkt, und auch nachdem der Rest des Nachlasses verkauft wurde, wollte niemand das Bild haben», erinnert sich die neue Besitzerin. «Mir aber gefiel das Bild von Anfang an, vielleicht, weil es in seiner Tiefsinnigkeit vor allem Frauen anspricht.» Ob die Seeländerin, nachdem sie nun den Wert des Objekts kennt, dieses verkaufen will? «Auf keinen Fall, es kommt zu Hause wieder an seinen Platz», ist sich das Ehepaar Dora und Charles Luginbühl einig. «Ein Verkauf käme höchstens in einer Notsituation infrage.»

Liebe auf den ersten Blick

Walter Gerber aus dem Seeland stöbert gerne in den Brockenhäusern herum und besucht hie und da auch einen Antiquitätenmarkt. «Unter viel Plunder liegt oft ein Schatz verborgen», weiss er aus Erfahrung. So zum Beispiel die über zehn Kilogramm schwere weibliche Bronzestatue eines französischen Bildhauers aus dem 19. Jahrhundert, die den Experten soeben ins Staunen versetzt hat. «Es war Liebe auf den ersten Blick», gesteht der Sammler.

Er entdeckte das hoch bewertete Kunstwerk, als der Mitarbeiter des Brockenhauses dieses nach einer Hausräumung im Hinterhof auslud und in den Verkaufsraum bringen wollte. «Ich kaufte die Statue ohne viel nachzudenken vom Platz weg. So etwas läuft über das Gefühl. Alles andere ist in so einem Augenblick bedeutungslos», lächelt Walter Gerber.

Ehrenplatz für Statue

Die Statue nimmt bei ihm zu Hause seit längerer Zeit einen Ehrenplatz ein. Doch jetzt wollte er über das erstandene Objekt Genaueres wissen. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin fuhr er schon früh am Vormittag nach Solothurn und freut sich nun riesig über «die grossen Augen» und die Einschätzung des Fachmannes. Obwohl die Kasse klingeln würde, denkt Walter Gerber nicht daran, das mit grossem Können angefertigte Kunstwerk zu verkaufen. «Es kommt zurück an seinen Ehrenplatz.»

Bereits zum 10. Mal war das Museum Blumenstein in Solothurn bereit, den mittlerweile in der ganzen Schweiz beachteten Expertentag «Schätze schätzen lassen» durchzuführen. «Bei uns wird weder etwas gekauft noch etwas verkauft», weist die Restauratorin und Initiantin Brigitta Berndt auf das Besondere des in verschiedene Themeninseln aufgeteilten Anlasses hin. «Dieser Tag ist auch einzigartig, weil alle Experten unentgeltlich arbeiten und ihnen die Arbeit Spass macht», freut sich auch Museumsleiter Erich Weber über den diesjährigen Erfolg.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1